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Hendrik Wüst punktet im TV-Duell mit Thomas Kutschaty

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Von: Alexander Schäfer

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Hendrik Wüst und Thomas Kutschaty trafen vor der Landtagswahl in NRW im TV-Duell aufeinander. Wer hat die meisten Treffer gelandet? Eine Analyse.

Solingen – Das TV-Duell ist vorbei. In Solingen trafen am Donnerstagabend Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und sein SPD-Herausforderer Thomas Kutschaty im WDR aufeinander. Wer hat das einzige TV-Duell der beiden Politiker vor der Landtagswahl NRW gewonnen? Wer hat am meisten Treffer gelandet? Eine Analyse.

Hendrik Wüst punktet um TV-Duell mit Thomas Kutschaty vor Landtagswahl in NRW

Den ersten Punkt macht der SPD-Mann – und das ausgerechnet beim Thema innere Sicherheit. Denn die aktuellen Ereignisse – Schießerei in Duisburg am helllichten Tag und ein Fast-Amoklauf eines Schülers in Essen – widersprechen der Erzählung der CDU, dass mit ihr und Innenminister Herbert Reul alles besser geworden sei. Dass NRW bei der Aufklärung von Straftaten bei den Flächenländern Schlusslicht ist, spielt Kutschaty ebenfalls in die Karten.

Doch bei der ersten Schnellfragerunde, auch zum Thema Sicherheit, holt Wüst auf. Dem CDU-Politiker fällt es leicht, auf Fragen, wie zum Beispiel „Sollen Bagatelldelikte wie Schwarzfahren straffrei sein?“, klar zu antworten. In diesem Fall nein. „Ich bin da ganz klar“, sagt Wüst, während Kutschaty mit sich ringen muss. Vorteil Wüst.

Auch beim Thema Schule gewinnt der Ministerpräsident weiter an Sicherheit. Er kann auf mehr geschaffene Lehrerstellen und mehr angeschaffte Laptops hinweisen. Kutschaty sieht da nicht gut aus. So bemängelt er den Unterrichtsausfall. Doch dessen statistische Erfassung, wie von Schwarz-Gelb eingeführt, hält er für nicht notwendig. Dabei macht seine Parteifreundin Malu Dreyer als Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz genau das.

TV-Duell: Hendrik Wüst und Thomas Kutschaty liegen in vielen punkten eng beieinander

Als neues Format in einem TV-Duell präsentieren die WDR-Chefredakteurinnen Ellen Ehni und Gabi Ludwig das Spiel „In welchem Wahlprogramm steht es geschrieben?“ Wüst und Kutschaty bekommen ein Zitat vorgelesen und müssen sagen, ob es bei CDU oder SPD steht. Ergebnis: Beide reklamieren Inhalte des anderen für sich. Fazit: Die beiden Kontrahenten liegen bei vielen Punkten gar nicht so weit auseinander. Aber mal ehrlich: Wer liest schon Wahlprogramme?

Politische Kämpfer sind sie beide: Wüst (46) war Generalsekretär der NRW-CDU und schaffte zehn Jahre nach seinem Rücktritt die Rückkehr nach ganz oben. Kutschaty (53) riss gegen parteiinterne Konkurrenten erst den Fraktions- und dann den Parteivorsitz an sich. Beide sind verheiratetet und Familienväter, beide sind katholisch, beide sind Juristen. Aber es sind verschiedene Typen, deren Heimat viel über sie verrät: Wüst ist Münsterländer. Er tritt kontrolliert auf, wirkt aber manchmal distanziert. Im TV-Duell ist er präsent. Kutschaty ist im Ruhrgebiet zu Hause. Er kann Kumpel, aber auch Wadenbeißer sein. Im Duell greift er mehr an.

Beim Thema frühkindliche Bildung nimmt man Wüst ab, dass er wirklich ein Interesse am Ausbau der Kitalandschaft hat. Schließlich sucht der Mann, wie er beiläufig erzählt, derzeit für seine einjährige Tochter einen Platz.

TV-Duell vor Landtagswahl in NRW: Wüst punkten bei den Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze

Wenn es um Zahlen geht, fällt Kutschaty die Bilanz der rot-grünen Vorgängerregierung, der er als Justizminister angehörte, auf die Füße. Ob geschlossene Krankenhäuser oder gebaute Sozialwohnungen – hier kann Wüst positive Entwicklungen für sich reklamieren.

Hendrik Wüst, CDU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Thomas Kutschaty (l auf Monitor), SPD-Spitzenkandidat und Vorsitzender der nordrhein-westfälischen SPD, sprechen beim TV-Duell der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in NRW in der WDR-«Wahlarena» in der «Alten Schlossfabrik».
Hendrik Wüst punktet um TV-Duell mit Thomas Kutschaty © Oliver Berg/dpa

Als es um Wirtschaft und Arbeitsplätze geht, holt Wüst, ehemaliger Vorsitzender des CDU-Mittelstands, nicht nur Redezeit auf. Auf dem Gebiet bewegt er sich sicher und schafft es sogar an einer Stelle, seinen sich um den Job sorgenden Vater am Küchentisch unterzubringen. Es mit einer Geschichte aus der Kindheit menscheln zu lassen, kommt gut an.

Das „Koalitionspartner-Bingo“ am Ende zeigt: CDU und SPD könnten beide mit FDP als auch Grünen die politische Ehe eingehen. Die Ausgangslage bleibt auch nach diesen 75 Fernsehminuten spannend. Viele hatten zuvor bereits Briefwahl gemacht. Verschiedene Umfragen sagen für Sonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und SPD voraus. Nimmt man das TV-Duell zum Maßstab, müsste Wüst vorne liegen.

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