Trotz Investitionen bleiben viele Bahnhöfe schmuddelig

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Willkommen in Moers: Der Bahnhof ist renoviert, auf dem Weg zu den Bahnsteigen sieht es noch so aus. ▪

ESSEN ▪ Die neuen Glaswände im Essener Hauptbahnhof glänzen so sehr, dass sich die vorbeiziehenden Reisenden darin spiegeln. 57 Millionen Euro investierten Bund, das Land und die Bahn, um den Bahnhof in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Nicht nur am Essener Bahnhof fließt das Geld.

Bis 2018 sollen unter massiver finanzieller Beteiligung von Bund und Land rund 650 Millionen Euro in die Renovierung vieler der 690 nordrhein-westfälischen Bahnhöfe investiert werden. Einige große Hauptbahnhöfe wie in Köln oder Gelsenkirchen und 100 weitere Stationen hätten bereits von der Modernisierung profitiert, sagt ein Sprecher der Bahn. Das Geld fließe in erster Linie in Infrastrukturmaßnahmen wie neue Fahrstühle oder höhere Bahnsteige.

Das sei aber angesichts der langen Mängel-Liste reine Oberflächenkosmetik, klagen Bahnkritiker. Nach wie vor prägten in NRW so stark wie in keinem anderen Bundesland Vandalismus und Verwahrlosung das Bild, sagt Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, einem Bündnis von Bahnbefürwortern.

Die Bahnhöfe in NRW fristeten ein Kümmerdasein, beschwert sich auch Michael Arns, Vizepräsident der NRW-Architektenkammer: „So sollte man nicht mit den Bahnkunden umgehen.“ Zu einem ähnlichen Schluss sind auch die Juroren des Wettbewerbs „Bahnhof des Jahres“ immer wieder gekommen. Seit 2004 prämiert die Allianz pro Schiene jährlich zwei Bahnhöfe, in denen sich die Bahnreisenden rundum wohlfühlen – noch nie gewann dabei ein Bahnhof in NRW.

In diesem Jahr hätten die Juroren sogar Sondertouren durch NRW gemacht, berichtet Dirk Flege. Doch wieder seien sie nicht fündig geworden. Man sehe zwar, dass Geld verbaut worden sei, aber es fehlten nach wie vor echte „Kümmerer“, die sich für ihren Bahnhof und seine Kundschaft einsetzten. Besonders schlimm sei der Zustand der kleinen Stationen, für die sich die Bahn kaum interessiere, prangert er an.

Beispiel Moers am Niederrhein: In den Ecken des düsteren Bahnhofstunnels stehen leere Bierflaschen, es riecht nach Urin. Einen Aufzug für Rollstuhlfahrer gibt es nicht. Im Zuge der Modernisierungswelle ließ die Bahn in ihrem Zuständigkeitsbereich am einzigen Bahnsteig eine neue Anzeigetafel montieren. Das 100 Jahre alte Bahnhofsgebäude selbst hat dagegen in einer umfassenden Sanierung ein neues Gesicht bekommen. Es gehört inzwischen einer Tochtergesellschaft der Stadt. ▪ dpa

Quelle: wa.de

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