Transplantationsskandal belastet Organspende-Bereitschaft in NRW

DÜSSELDORF/FRANKFURT - Die Organspende-Bereitschaft hat in Nordrhein-Westfalen weiter abgenommen. Die Zahl der Spenden sei im ersten Halbjahr 2013 um 26 Prozent auf 98 gesunken, teilte die Deutsche Stiftung Organspende am Montag mit.

Im Vorjahreszeitraum hatte es noch 132 Spenden gegeben. Bundesweit ging die Zahl um 18 Prozent zurück. "Der Vertrauensverlust durch die Manipulation ist bundesweit auch ein Jahr später noch deutlich zu spüren", erklärte eine Sprecherin der Stiftung in Frankfurt. Das sei für die vielen Schwerkranken, die dringend ein Organ benötigen, eine fatale Entwicklung.

Seit Montag muss sich der frühere Leiter der Göttinger Transplantationsmedizin vor Gericht verantworten. Er soll Daten manipuliert haben, um schneller Spenderorgane für seine Patienten zu bekommen. Dabei soll er in Kauf genommen haben, dass andere schwer kranke Menschen kein Organ erhielten und deshalb womöglich starben. Beim Prozessstart in Göttingen wies er alle Vorwürfe von sich.

Bundesweit warten rund 12 000 Patienten auf ein Organ, in NRW sind es etwa 3900. Täglich sterben drei Schwerkranke in Deutschland, weil sie vergeblich gewartet haben. Nur jedem Dritten auf der Liste kann mit einem Spenderorgan geholfen werden.

Auch das Landesgesundheitsministerium will verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. So macht sich Ministerin Barbara Steffens (Grüne) für bundesweit einheitliche fälschungssichere Patientenakten stark, in der die Daten nicht komplett gelöscht werden können. - lnw

Quelle: wa.de

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