Ein Toter bei Massenkarambolage - Pendlerroute A57 lahmgelegt

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Ein Feuerwehrmann steht auf der A57 bei Dormagen an einem zerstörten Pkw.

DORMAGEN - Eine Massenkarambolage hat in der Nacht auf Dienstag die Autobahn 57 zwischen Köln und Düsseldorf lahmgelegt. Ein Mann starb. Ein Feuer unter einer Brücke hatte den Fahrern die Sicht genommen. Über 20 Autos fuhren ineinander.

Von Ulrike Hofsähs

Es ist schon lange hell, aber immer noch zucken die Blaulichter über die Autobahnbrücke. Mehr als 20 Fahrzeuge rasten hier ein paar Kilometer südlich von Düsseldorf kurz nach Mitternacht ineinander. Am Ort der Massenkarambolage sind Retter und Polizei nun alleine. Mit Handys und Zetteln in den Händen laufen die Uniformierten am Dienstag zwölf Stunden nach dem Unglück zwischen den Autowracks hin und her. Kolosse von Lastwagen stehen völlig demoliert herum. Eingedrückte Fahrerkabinen, überall abgesprengte Plastikstücke, Benzin glänzt auf der Fahrbahn.

Es ist gespenstisch ruhig auf der sonst viel befahrenen Autobahn 57 auf dem Land zwischen Köln und Düsseldorf. In der Nacht muss es die Hölle gewesen sein: Durch ein Feuer unter der Autobahnbrücke stieg Qualm auf und nahm den Autofahrern unvermittelt die Sicht. Mindestens sieben Lastwagen und 15 Autos krachten ineinander. Ein Notruf nach dem anderen sei eingegangen, sagt Polizeisprecher Michael Baum. An die 200 Mann hatten Feuerwehr und Polizei an den Unfallort in der Nähe des historischen Örtchens Zons am Rhein geschickt. Die Feuerwehr wurde zu einem Brand gerufen und stellte dann fest, dass das Unglück viel größer war.

"Man soll es kaum glauben, aber der Mann hat überlebt", sagt ein Polizeisprecher und deutet auf das völlig zerbeulte Fahrerhaus eines Lastwagens: Es ist nicht viel davon übrig geblieben, die Front ist tief eingedrückt, die zerborstene Frontscheibe hängt als Lappen herunter. Als wäre nichts passiert, stecken in einer Klarsichthülle noch die Anweisungen für die Tour. Der Fahrer war von Krefeld in den Kölner Raum unterwegs. Auch ein Autotransporter mit acht Neuwagen auf der Ladefläche ist in den Massenunfall geraten. Der Schaden liegt bei mehreren hunderttausend Euro.

So stark war das Feuer, dass aus der Decke der Brücke dicke Brocken, so groß wie Autoreifen, herausgeplatzt sind. Alles ist voller Ruß. Joachim Minten ist Baufachmann beim Landesbetrieb Straßen.NRW, und er macht keine große Hoffnung, dass es auf der wichtigen linksrheinischen Route für Pendler bald wieder normal läuft. "Es gab eine enorme Brandentwicklung", sagt er, "die Autobahn bleibt gesperrt". Zunächst. Die Brücke ist einsturzgefährdet. An normalen Wochentagen sind hier an die 70 000 Autos unterwegs. Weiter Richtung Köln und Düsseldorf sind es dann noch viel mehr.

Die Brücke ist jedenfalls zu sehr geschädigt, als dass Spezialfahrzeuge kommen können, um die Lastwagen-Wracks zu bergen, sagt der Baufachmann. Nun werden die Stahl-Kolosse mit Hilfe eines Seilzugs weggezogen. Unter einen der Lastwagen war mit seinem Geländewagen der Mann geraten, der den Massenunfall nicht überlebt hat. "Er war auf der Stelle tot", sagt der Polizeisprecher.

Für die Ermittler beginnt nun die Aufklärung. "Wir wollen wissen, ob Beobachtungen gemacht wurden", sagt der Polizeisprecher. Er meint den Brand unter der Autobahnbrücke. Hier verlaufen, ziemlich abgelegen, zwischen Feldern und ein paar Gewerbeflächen ein asphaltierter Feldweg und eine kleine Bahntrasse. Der Staatsanwalt aus Düsseldorf hat sich den Ort jedenfalls schon angesehen. - lnw

Die Autobahn 57 ist eine der wichtigsten Pendlerrouten im Rheinland. Die 128 Kilometer lange Strecke führt von Köln bis zur niederländischen Grenze bei Goch am Niederrhein. Die Verbindung gehört zu den stauträchtigsten Autobahnen in Nordrhein-Westfalen. Ende der 50er Jahre fuhren laut Landesbetrieb Straßen.NRW gerade einmal 20 000 Fahrzeuge täglich auf dem einst als Umgehungsstraße konzipierten „Neusser Ring“. Heute sind auf Teilen der Hauptschlagader am linken Niederrhein mehr als 100 000 Fahrzeuge am Tag unterwegs. Die A 57 gehört zu einer Europastraße, die Rotterdam mit Hockenheim bei Mannheim verbindet. - dpa

Quelle: wa.de

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