Schwere Vorwürfe von Tierschützern

Tönnies: Grausames Video aufgetaucht - das sagt das Unternehmen zum Tierquälerei-Vorwurf

Schwere Vorwürfe gegen den Fleisch-Riesen Tönnies. Tierschützer haben ein grausames Video veröffentlicht. So reagiert das Unternehmen aus Rheda-Wiederbrück.

Rheda-Wiedenbrück - Tierschützer haben am Mittwoch ein furchtbares Video veröffentlicht. Darin zu sehen sind schwerste Fälle von Tierquälerei. Angeblich ist der Schlachthof Tönnies Abnehmer der Schweine der betroffenen Mastbetriebe. Das Unternehmen reagiert auf die Vorwürfe.

UnternehmensgruppeTönnies Holding
SitzRheda-Wiedenbrück
Umsatz7,5 Milliarden Euro

Skandal-Video: Abnehmer der Schweine soll Firma Tönnies sein

Das Skandal-Video ist unerträglich. Das Deutsche Tierschutzbüro hat auf seinem YouTube-Kanal ein Video veröffentlicht, das Bilder aus zwei Schweinemastbetrieben in Samern und Ohne zeigen soll. Beides sind Orte in der Grafschaft Bentheim in Niedersachsen. Zuschauer können sich in dem fünfminütigen Video selbst ein Bild machen. Zu sehen sind stark verdreckte Stallungen sowie kranke und verletzte Tiere, die offenbar nicht artgerecht behandelt werden. „Zwei kleine niedersächsische Betriebe mit QS-Qualitätssiegeln, in denen unzählige verletzte, kranke und tote Schweine in ihren eigenen Exkrementen leben und sterben müssen“, heißt es in der Beschreibung des Videos durch das Deutsche Tierschutzbüro.

Hauptabnehmer der Tiere aus den Betrieben sei, so die Behauptung der Filmemacher, das Unternehmen Tönnies. Als mutmaßlicher Beweis dient dem Deutschen Tierschutzbüro ein Lieferbeleg, der im Video eingeblendet wird. Genannt wird darauf der Schlachthof Weidemark in Sögel (Niedersachsen), der zur Tönnies-Unternehmensgruppe gehört. „Wir haben Tönnies sowie QS informiert und Anzeige erstattet“, heißt es weiter vom Deutschen Tierschutzbüro. „Wir hoffen inständig, dass Politik und Justiz gerechte Konsequenzen ziehen.“

Skandal-Video: Tönnies habe nur sporadisch Schweine abgenommen

Die Firma Tönnies nimmt zu diesen Vorwürfen bereits am selben Tag Stellung. Man stehe mit dem Deutschen Tierschutzbüro im Austausch, heißt es in der Pressemitteilung. Den einen Betrieb betreffend erklärt Tönnies, man habe „lediglich sporadisch Einzeltiere abgenommen“. Stattdessen sei der Betrieb ein Vertragslandwirt eines „großen genossenschaftlichen Wettbewerbers“. Tatsächlich seien laut Tierschützer auch Westfleisch, Goldschmaus, Tümmel und VION benachrichtigt worden, berichtet ruhr24.de*.

Der zweite Betrieb habe, so heißt es weiter in der Pressemitteilung, seit diesem Sommer keine Tiere an Tönnies geliefert. Auch hier seien sporadisch einzelne Tiere abgenommen werden. Dass man Hauptabnehmer gewesen sei, wie es das Deutsche Tierschutzbüro behauptet, diesen Vorwurf will Tönnies nicht stehen lassen. „Wir können ausschließen, dass die in dem Video gezeigten Tiere oder andere ähnlich verletzte Tiere an uns geliefert wurden“, sagt der Leiter der Abteilung Landwirtschaft, Dr. Wilhelm Jaeger. „Diese Tiere würden sofort bei der Anlieferung bei der amtlichen Schlachttieruntersuchung und die folgende amtliche Fleischuntersuchung der Veterinärbehörden im Zusammenspiel mit den Schlachtbefunddaten auffallen und Konsequenzen auslösen.

Skandal-Video: Landwirt nimmt Stellung in der ARD-Sendung

Das Skandal-Video indes geht noch grausamer weiter. Auch das ARD-Verbrauchermagazin Plusminus zeigt die undercover aufgenommenen Bilder aus den beiden Mastbetrieben in der Sendung vom 2. Dezember. Die erkrankten Tiere müssten aufgrund ihrer Verletzungen notgeschlachtet werden, erklärt Jan Peifer, Vorsitzender des Deutsches Tierschutzbüros e.V., im Interview mit Plusminus.

Was dann passiert, ist kaum mitanzusehen. Eine Person, scheinbar der Landwirt, erschießt die verletzten und erkrankten Tiere mit einem Gewehr. Die Tiere sterben aber nicht, sondern werden mit ihren Verletzungen zurückgelassen. Korrekt wäre laut Tierschützer ein Schnitt durch die Kehle. Das Magazin Plusminus stellte den Landwirt zur Rede. Anonym und mit verzerrter Stimme erklärt der Schweinemäster, er habe die Tiere vorher betäubt. Wie es in dem Bericht von Plusminus heißt, habe der Landwirt aber mittlerweile eine Stromzange angeschafft, um die Tiere zu töten.

Ein Skandal-Video mit Szenen gröbster Tierquälerei hat Deutsche Tierschutzbüro veröffentlicht und erhebt Vorwürfe gegen den Großschlachtbetrieb Tönnies. Das Unternehmen aus Rheda-Wiedenbrück widerspricht dem.

Skandal-Video: Schwierige Zeiten für Schweinemäster

Grundsätzlich sei die Situation für Schweinemäster aktuell desaströs, heißt es in dem Beitrag von Plusminus. Wegen Corona herrschen Engpässe in den Schlachthöfen. Zudem fällt die Gastronomie als Abnehmer von Schweinefleisch weg. Und auch die Exporte nach China sind komplett eingebrochen. Mit 1,20 Euro pro Kilogramm Schlachtfleisch seien die Preise so niedrig wie seit Jahren nicht mehr, erklärt der Göttinger Agrarökonom, Professor Achim Spiller, im Plusminus-Interview.

Die Firma Tönnies indes kämpft aktuell wieder mit zunehmenden Corona-Infektionen in der Mitarbeiterschaft. Beim Schlachtbetrieb in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) haben sich über 170 Mitarbeiter mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Das Werk soll weiter geöffnet bleiben. An dem Tönnies-Standort arbeiten rund 2200 Mitarbeiter. Am Stammsitz in Rheda-Wiederbrück (NRW) hatte Tönnies im Sommer sein Werk komplett schließen müssen. Dort hatten sich viele hundert Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Der betroffene Kreis Gütersloh musste zeitweise in den Lockdown. *ruhr24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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Rubriklistenbild: © Sina Schuldt

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