Prozess in Bochum

Tödlicher Unfall nach SMS: Autofahrerin vor Gericht

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BOCHUM - Fataler Griff zum Handy. Eine Autofahrerin soll von einer SMS-Nachricht so abgelenkt gewesen sein, dass sie in den Gegenverkehr geriet. Zwei Menschen starben bei dem Zusammenstoß in Bochum. Ein Gericht arbeitet den Frontalzusammenstoß auf.

Am Bochumer Amtsgericht hat am Montagvormittag ein Prozess gegen eine Autofahrerin begonnen, die nach einem Griff zum Handy einen Verkehrsunfall mit zwei Toten ausgelöst haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr fahrlässige Tötung vor. Die 47-Jährige soll beim Lesen einer SMS so abgelenkt gewesen sein, dass sie mit ihrem Wagen auf die Gegenfahrbahn geriet. Dort stieß sie zunächst mit einem Motorradfahrer und dann frontal mit einem Auto zusammen.

Ein 86 Jahre alter Mann und eine 77-jährige Frau starben, der Motorradfahrer wurde schwer verletzt. Zu dem folgenschweren Unfall war es im März 2014 auf einer innerstädtischen Straße in Bochum gekommen. Das Amtsgericht hat für den Prozess zunächst einen Verhandlungstag angesetzt.

Fast 30 Meter "Blindflug" bei Blick aufs Handy

 Bei wie vielen Verkehrsunfällen ein Handy mit im Spiel ist, kann die Polizei nicht genau sagen. Da gebe es "ein sehr großes Dunkelfeld", hat NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) jüngst bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr gesagt. Die offiziellen Zahlen seien deshalb nur auf den ersten Blick gering. In Nordrhein-Westfalen werde die Handynutzung bei Verkehrsunfällen mit Verletzten und hohem Sachschaden seit 1998 erhoben. Seither bewege sich deren Zahl zwischen 115 und 169 Fällen.

Die Polizei sehe aber mit großer Sorge, dass Autofahrer sich zunehmend ablenken ließen. "Wer bei Tempo 50 den Blick für zwei Sekunden von der Straße abwendet, um zum Beispiel aufs Display zu schauen, fährt fast 30 Meter im Blindflug." Telefonieren am Steuer ohne Freisprechanlage sei genauso gefährlich wie 0,8 Promille Alkohol im Blut. "Wer eine SMS schreibt, reagiert wie ein Fahrer mit 1,1 Promille im Blut", warnte Minister Jäger. Er forderte klarere, rechtliche Vorschriften, die "das Nutzen von Mobiltelefonen im Straßenverkehr eindeutig einschränken".

Der Deutsche Verkehrsgerichtstag hatte sich Anfang des Jahres ebenfalls mit der Ablenkung von Autofahrern durch moderne Kommunikationsmittel beschäftigt. Die Experten empfahlen unter anderem eine Sperre von Textnachrichten während der Fahrt. - dpa

Quelle: wa.de

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