Einzelfälle oder nicht?

Nach Corona-Todesfällen trotz Impfung: NRW-Gesundheitsministerium liefert bemerkenswerte Zahlen

In einem Altenzentrum im Sauerland sterben zwei 85-jährige Bewohner mit Corona - trotz Impfung. Das NRW-Gesundheitsministerium liefert nun Zahlen, wie häufig solche Fälle bisher aufgetreten sind.

Plettenberg - Die Plettenberger Krankenhaus-Verantwortlichen sprachen von Einzelfällen, der Leiter des Kreis-Gesundheitsamts, Volker Schmidt, nannte die Situation einen Sonderfall: Nachdem im Altenzentrum St. Josef in der vergangenen Woche zwei Bewohner im Alter von 85 Jahren trotz ihres vollständigen Impfschutzes mit Covid-19 verstorben sind, saß der Schock tief. Dass die Vorfälle in Plettenberg tatsächlich als außergewöhnlich zu bewerten sind, bestätigt nun auch das NRW-Gesundheitsministerium. (News zum Coronavirus)

Corona-Schutzimpfung
verfügbare Impfstoffe in DeutschlandBiontech, Moderna, Astrazeneca, Johnson&Johnson
WirkweisemRna (Biontech, Moderna); Vektorimpfstoff (Astrazeneca, Johnson&Johnson)
Verabreichung2x (Biontech, Moderna, Astrazeneca); 1x (Johnson&Johnson)

Auf Anfrage des Süderländer Tageblatt hat Ministeriums-Sprecher Carsten Duif die entsprechenden Zahlen zusammengetragen. Diese zeigen: Mit Stand von Dienstag gibt es in ganz Nordrhein-Westfalen vier Bewohner von Senioreneinrichtungen im Alter zwischen 79 und 91 Jahren, die trotz eines vollständigen Impfschutzes mit Corona verstorben sind. Zwei von ihnen – und damit die Hälfte aller bisher Betroffenen – kamen aus Plettenberg.

Trotz Impfung mit Covid-19 gestorben: Zahlen stärken Vertrauen in Vakzine

Für die Angehörigen der Verstorbenen wird diese Erkenntnis ein schwacher Trost sein, wohl aber dürften diese Zahlen das Vertrauen in die Impfungen stärken. Denn die Nachrichten aus St. Josef verunsicherten in den letzten Tagen nicht nur viele Plettenberger, sondern auch Altenheim-Verantwortliche im ganzen Kreisgebiet.

Auf die Frage, ob er die Impfungen angesichts der Nachrichten aus St. Josef für weiterhin sinnvoll erachtet, gab Ministeriums-Sprecher Duif deshalb eine klare Antwort: „Ja, unbedingt.“ Zwar könne der vollständige Impfschutz für den Einzelfall keine Garantie für einen unkomplizierten Verlauf darstellen. „Die bisher zugelassenen Impfstoffe verhindern aber mit hoher Effektivität symptomatische, vor allen Dingen schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle“, betont Duif. Ebenso reduzierten die Impfstoffe die Übertragung auf andere Personen – und zwar unabhängig davon, welcher Impfstoff verabreicht worden ist, erklärt der Ministeriumssprecher.

Todesfälle nach Impfung: Andere Bewohner trotz positiver Tests symptomfrei

Dass die Impfungen durchaus Schutz bringen, hat sich in weiteren Fällen auch im Altenzentrum St. Josef gezeigt. Die anderen drei Bewohner, die laut PCR-Testung mit dem Coronavirus infiziert waren, zeigten keine Symptome, auch den beiden infizierten Mitarbeiterinnen gehe es nach anfänglichen Erkältungssymptomen wieder gut, berichtet Einrichtungsleiterin Heike Biedermann.

Am Mittwoch führte ein mobiles Team des MK-Gesundheitsamtes zudem PCR-Tests bei allen Bewohner durch, die sich als Kontaktpersonen in Quarantäne befanden. Die Laborergebnisse lagen am Donnerstag vor und fielen durchweg negativ aus. Die Bewohner konnten sich im Anschluss wieder frei im Seniorenzentrum und draußen bewegen.

Todesfälle nach Impfung in Seniorenheim: Besuchsbeschränkungen aufgehoben

Heike Biedermann ist vorerst erleichtert und richtet den Blick nach vorne. „Wir freuen uns jetzt auf die schönen Dinge, die kommen“, sagt sie. Die zusätzlichen Besuchsbeschränkungen – Treffen mit Bewohnern waren vorübergehend nur noch in großen Gemeinschaftsräumen im Erdgeschoss möglich – werden wieder aufgehoben. Die Senioren dürfen sich nun wieder auf Begegnungen in Kleingruppen zum Beispiel in der Cafeteria oder beim Kegeln freuen, alles weiterhin unter Beachtung der Hygiene- und Sicherheitsregeln.

Auch der Muttertag in einer Woche und die Pfingstfeiertage können kommen. „Hierfür wird sich der Soziale Dienst etwas Schönes für die Bewohner einfallen lassen“, verspricht Heike Biedermann, die nach der neuerlichen Corona-Well ein ihrer Einrichtung nun wieder auf sorgenfreiere Tage hofft.

Rubriklistenbild: © Schulz

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