Therapiezentrum Oberhausen hat bislang nur einen Insassen

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Ein Schild mit der Aufschrift „Frei“ hängt in Oberhausen im Therapiezentrum an der Tür. Bisher lebt nur ein einziger Straftäter in dem Zellentrakt.

OBERHAUSEN - Helmut B. hat eine Gemeinschaftsküche, ein Gemeinschaftszimmer mit Fernseher, einen Sportraum und einen Freihof ganz für sich allein. Was nach Luxus klingt, ist eher von Nachteil für den einzigen Bewohner des Therapiezentrums Oberhausen. B. saß die meiste Zeit seines Leben im Gefängnis und sollte hier eigentlich Grundlagen des sozialen Miteinanders lernen.

27 Menschen arbeiten in dem vom Landschaftsverband Rheinland betriebenen Therapiezentrum, darunter Psychologen, Sozialarbeiter, Therapeuten, Pflegepersonal und Wachpersonal. Die laufenden Kosten für die Unterbringung von bis zu sechs Personen belaufen sich auf rund 2,9 Millionen Euro pro Jahr, wie das Gesundheitsministerium mitteilt. Für über eine Million Euro wurde das ehemalige Gefängnis Oberhausen im vergangenen Jahr zu einem Therapiezentrum für rückfallgefährdete Straftäter umgebaut.

Grund dafür war eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, wonach Sicherungsverwahrung nicht nachträglich angeordnet werden kann. Die Straftäter müssen demnach laut dem Therapie-Unterbringungs-Gesetz in geschlossene Einrichtungen kommen, wenn von ihnen weiterhin eine Gefahr ausgehen könnte. Die Unterbringung muss sich deutlich von der Unterbringung in Justizvollzugsanstalten unterscheiden.

Mit dem Gesetz nahm der Bund die Länder in die Pflicht, spezielle Einrichtungen für die Unterbringung dieser Menschen zu schaffen. Allein in Nordrhein-Westfalen seien von der Entscheidung 67 Fälle betroffen, erklärt das Gesundheitsministerium. Bis zu 18 davon könnten in Oberhausen aufgenommen werden, wenn ein Gericht es anordnet. Bei Juristen ist das Therapie-Unterbringungs-Gesetz allerdings umstritten. Bisher hat erst im Fall Helmut B. ein Gericht eine Unterbringung in Oberhausen beschlossen, ein zweiter Insasse wurde nach einer Woche aufgrund einer richterlichen Entscheidung wieder verlegt. Experten monieren, dass die Bundesregierung das Therapie-Unterbringungs-Gesetz nicht ausreichend geprüft und mit „heißer Nadel“ gestrickt habe. In der Diskussion um rückfallgefährdete Straftäter sollten offenbar schnell Tatsachen geschaffen werden.

Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, wurden Zellen der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Oberhausen zusammengelegt, jedem der Untergebrachten stehen dadurch etwa 20 Quadratmeter zur Verfügung. Dazu wurden Verwaltungsräume und Gemeinschaftszimmer geschaffen. Die Insassen sollen lernen, ihr Leben wieder selbst zu organisieren und Bezüge zu Anderen aufzubauen, erklärt Landorff. Das hätten die meisten in jahrelanger Haftzeit verlernt oder nie gelernt.

Zwei Psychologen haben inzwischen extra für das Therapiezentrum Oberhausen ein Konzept ausgearbeitet. Die Mediziner betraten Neuland, es gibt keine Erfahrung damit. Gruppengespräche und gemeinsame Aktivitäten waren angedacht. Daraus wird aber bislang nichts, denn B. ist allein in dem Zentrum.

Das Therapiezentrum in Oberhausen ist als eine Übergangslösung geplant, noch bis Ende dieses Jahres läuft der dortige Mietvertrag. Folgt die Bundesregierung einem Entschluss der Justizminister der Länder, wird es danach eine dauerhafte Einrichtung für alle aus der Therapie- und Sicherungsunterbringung auch in NRW geben. Der Standort des neuen Zentrums wird derzeit aber noch gesucht. - dapd

Quelle: wa.de

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