Textildiscounter in der Kritik:

Kik zahlte noch kein Geld an pakistanische Brandopfer

BÖNEN - Der Textildiscounter Kik hat bisher noch kein Geld an Opfer und Hinterbliebene des Brandes in einer pakistanischen Textilfabrik gezahlt. "Das stimmt leider", bestätigte Kik-Geschäftsführer Michael Arretz am Freitag einen Bericht der Hilfsorganisation Medico International.

Es existiere zwar ein Konto, aber die Auszahlung sei schwierig. Man habe noch keinen vertrauenswürdigen Partner, der das Geld vor Ort verteilen könne. Bei dem Unglück Mitte September waren 259 Arbeiter verbrannt.

Die Regierung in Pakistan hingegen zahlte den Familien von 208 der getöteten Arbeiter bereits Entschädigungen, wie der oberste Verwaltungsbeamte der betroffenen Stadt Karachi, Roshan Ali Sheikh, der Nachrichtenagentur dpa sagte. Jede Familie erhielt bereits 700 000 Pakistanische Rupien (etwa 5670 Euro), der Premierminister versprach weitere 500 000 Rupien (etwa 4050 Euro). Auch pakistanische Unternehmer versprachen zu helfen.

Wie viel Geld Kik auf das Konto einzahlte, wollte das Unternehmen nicht sagen. Auch gebe es noch keine offizielle Liste mit den Namen der Opfer. "Das ist absolut unbefriedigend", sagte Kik-Geschäftsführer Arretz. Sheikh hingegen erklärte, alle bis auf 39 Menschen, bei denen DNA-Tests angeordnet wurden, seien identifiziert.

Die Tengelmann-Tochter Kik mit Sitz in Bönen hatte aus der pakistanischen Textilfabrik Jeanswaren bekommen. Wie es zu dem Unglück in der Fabrik kam, ist Kik nach wie vor unerklärlich. Bei dem Brand kamen auch deswegen so viele Menschen ums Leben, weil es keine Notausgänge gab und Fenster vergittert waren. Arretz sagte, man erhoffe Aufklärung durch einen Bericht der pakistanischen Regierung, der im Laufe des Monats vorgelegt werden soll.

Die Stadt Karachi kündigte unterdessen an, alle Fabriken vor Ort unter die Lupe nehmen zu wollen. "Die Inspektionen sollen am Montag beginnen und in drei Monaten abgeschlossen sein", sagte Sheikh. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Brandschutz, Sicherheit und Arbeitsrecht in den Fabriken verbessert werden könnten.

Gegen die drei Besitzer der Unglücksfabrik wurden in dieser Woche Verfahren wegen Mordes angestrebt, wie ein mit dem Fall betrauter Polizist in Karachi sagte. Die Besitzer seien gegen Kaution freigelassen worden, ein Manager und drei Wächter blieben allerdings in Haft. Rund 500 Arbeiter, die das Feuer überlebten oder gerade nicht Schicht hatten, haben laut Sheikh mittlerweile eine Arbeit in einer der anderen Fabriken der Stadt gefunden. - dpa

Quelle: wa.de

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