Teure Folgen einer Pandemie-Warnung

DÜSSELDORF ▪ Gerade einmal ein Jahr ist es her, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die  Welt vor einer Pandemie warnte. Ein neuer Virus namens H1N1 war auf dem Vormarsch und sorgte unter dem Namen Schweinegrippe für Furore. Die Bundesregierung nahm die Warnung ernst und drängte die für das Gesundheitswesen zuständigen Bundesländer, einen Massenvorrat eines von der Pharmaindustrie eilig entwickelten Impfstoffes anzulegen.

Nordrhein-Westfalen bestellte daraufhin 7,4 Millionen Dosen des neuen Medikaments Pandemrix. Das sollte reichen, um ein Drittel der NRW-Bevölkerung gegen den gefährlich eingestuften neuen Krankheitserreger zu impfen. Doch kaum hatte sich die Schweinegrippe auszubreiten begonnen – insbesondere durch Urlauber, die am Ende der Sommerferien aus südlichen Ländern zurückgekehrt waren – gab es die Erkenntnis, dass die Masse der Erkrankungen mild verlief. Zudem kamen Zweifel an der Sicherheit des Impfstoffes auf, der einen Wirkungsverstärker enthielt. Die Konsequenz war eine zunehmend ablehnende Haltung in der Bevölkerung: Nur etwa eine Million Menschen in NRW ließen sich gegen das H1N1-Virus impfen, und das Land blieb auf 6,4 Millionen Impfdosen sitzen.

„Nach Berechnungen unseres Hauses ist ein finanzieller Schaden von 54 Millionen Euro entstanden“, sagte gestern Ministeriumssprecherin Serap Celen. Zwar sind die Impf-Präparate noch nicht abgelaufen. Ihre Haltbarkeit ist auf Herbst 2011 datiert. Nachdem aber die WHO ihre Pandemie-Warnung zwischenzeitlich aufgehoben hat, rechnet niemand mehr damit, dass sich hierzulande noch irgendjemand gegen Schweinegrippe impfen lassen wird.

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hofft, dass sich der Bund an den Kosten beteiligt. „Schließlich müssen die Länder bei einer neuen Pandemiewarnung erneut reagieren können“, sagte Celen. Doch war dies nicht der erste Flop: Bei der Warnung gegen die so genannte Vogelgrippe (H5N1-Virus) im Jahr 2005 hatte sich das Land schon einmal für einen Millionenbetrag mit dem Medikament Tamiflu bevorratet, das ebenfalls nur zu einem Bruchteil aufgebraucht geworden war. ▪ Von Detlef Burrichter

Quelle: wa.de

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