Terror im Maisfeld

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Derzeit wird – wie hier in Werne – der Mais auch nachts geerntet. Die Fahrer haben dabei keine Chance, die präparierten Pflanzen zu entdecken. ▪

WERNE ▪ Seit mehr als 20 Jahren jagt die Polizei in Werne und Umgebung einen Mais-Saboteur – ein durchschlagender Erfolg blieb bislang aus. Jetzt hat der Unbekannte wieder zugeschlagen.

Die Utensilien, die der Mann verwendet, kosten nur wenige Cent. Die Schäden jedoch haben sich auf mehr als eine Million Euro addiert. Dabei geht er immer nach dem gleichen Muster vor: Mit Isolierband befestigt er Schrauben oder andere Metallgegenstände an den erntereifen Maispflanzen. Gelangen diese Teile dann in den Maishäcksler, müssen die bis zu 500 000 Euro teuren Landmaschinen kostspielig repariert werden und fallen – für die betroffenen Lohnunternehmer viel dramatischer – stundenlang aus.

Polizei und

Landwirte ratlos

Bei den drei jüngsten Sabotageakten auf Maisfeldern in den Werner Ortsteilen Horst und Stockum deutet nach Polizeiangaben alles auf den Serientäter hin, der die Werner Landwirte und deren Lohnunternehmen bereits in der Vergangenheit in Atem hielt. Er hinterlässt am Tatort seine ganz eigene Handschrift.

„Der Täter hat über die Jahre dazugelernt. Als wir über die Einprägungen in den Schrauben ermittelt haben, wo er sie gekauft haben könnte, hat er die Schraubenköpfe beim nächsten Mal abgeflext“, berichtet Ute Hellmann, Pressesprecherin der Kreispolizei in Unna. Auch die jetzt aufgefundenen Schrauben waren so bearbeitet. Außerdem verwendet der Serien-Saboteur Edelstahl, der von den Sensoren an den Maishäckslern nicht erkannt wird. Anders als am Wochenende im benachbarten Ascheberg-Herbern: Dort stoppten die Maschinen in zwei Fällen rechtzeitig. Am Mais war magnetisches Metall festgebunden. Die Polizei geht von Trittbrettfahrern aus.

Robert Schulze-Kalthoff, Sprecher der Werner Landwirte, schätzt die Zahl der Sabotage-Fälle in Werne auf über 100. Er war nach eigenen Angaben selbst schon mehr als ein dutzend Mal Opfer. Zuletzt am Samstag schlug eine Schraube im Häcksler des von ihm beauftragten Lohnunternehmers aus Ahlen ein.

Die Erntemaschinen müssen die Landwirte mittlerweile aus dem Umland bestellen. Der Grund: Einer der beiden ortsansässigen Lohnunternehmer hat das Maishäckseln eingestellt. „Die häufigen Reparaturen durch die Sabotage haben das Häckseln unrentabel gemacht“, hieß es gestern aus dem Unternehmen.

Aus dem Umfeld des verbleibenden Lohnunternehmers stammt hingegen die einzig heiße Spur, die die Polizei in der Vergangenheit hatte. Nach einer Reihe von Anschlägen auf Maisfeldern im August und September 2006 nahm sie schließlich einen Werner fest. Die Polizei hatte sein DNA-Material auf dem verwendeten Klebeband gefunden. Er wurde zunächst zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, in zweiter Instanz jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Währenddessen hatte sich die Sabotage-Serie unvermindert fortgesetzt. - Jan Schmitz

Quelle: wa.de

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