Tendenz zu längerer Lebensarbeitszeit

BRÜSSEL - Die EU-Kommission befürwortet Pläne der Mitgliedsstaaten, die Menschen später in Rente zu schicken. Ein konkretes Alter für den Renteneintritt empfiehlt Brüssel aber nicht, da die Länder selbstständig über ihre nationalen Rentensysteme entscheiden. „Wir alle leben länger und wir alle müssen deshalb länger arbeiten“, sagte die Sprecherin von EU-Arbeitskommissar Laszlo Andor am Freitag in Brüssel. „Die EU-Kommission wird dazu aber weder einen Vorschlag noch eine Empfehlung machen.“ Dies falle nicht in ihre Kompetenz.

Nahezu jedes EU-Land doktert zurzeit am Renteneintrittsalter herum.

Griechenland: Das offizielle Rentenalter von 65 wird kaum erreicht. Der durchschnittliche Beginn soll bis 2013 von derzeit 61,3 auf 63,4 Jahre gehoben werden.

Frankreich: Offiziell beginnt die Rente mit 60, doch die meisten Franzosen hören schon mit 58,4 Jahren auf zu arbeiten. Derzeit läuft eine Protestwelle durch unser Nachbarland, weil der offizielle Ruhestand auf 61 angehoben werden soll.

Spanien: Auch hier gibt es heftigen Protest, weil die Regierung die Altersgrenze von 65 auf 67 anheben will.

Italien: Im neuen Sparprogramm der Regierung ist vorgesehen, dass die Italiener mindestens bis zum 61. Lebensjahr, mindestens aber 40 Beitragsjahre gearbeitet haben müssen.

Dänemark: Ab 2019 beginnt eine schrittweise Anhebung der Altersgrenze von 65 auf 67 Jahre.

Großbritannien: Bis zum Jahr 2048 soll das Rentenalter auf 68 angehoben werden.

Schweden: Rente gibt es ab 61. Die Rentenhöhe wird allerdings gemäß der durchschnittlichen Lebenserwartung zum Zeitpunkt des beginnenden Ruhestands berechnet – ein Anreiz zum längeren Arbeiten.

Österreich:Das offizielle Rentenalter beträgt 65, Vorruhestand ist ab 62 möglich. Den vollen Satz erhält nur, wer 45 Jahre gearbeitet hat.

Polen: Die letzte Rentenreform ist noch immer umstritten: Männer können mit 65, Frauen mit 60 in Rente gehen. Beide bekommen aber gleich hohe Bezüge.

Belgien: Der Vorruhestand darf neuerdings erst ab 60 und nicht mehr ab 58 beginnen. 35 Beitragsjahre müssen nachgewiesen werden.

Für den aus NRW stammenden FDP-Europapolitiker Alexander Graf Lambsdorff geht der Vorschlag der EU-Kommission dagegen in die richtige Richtung. „Es ist eine Frage der Solidarität in Europa, dass alle Mitgliedsländer, die heute noch ein sehr frühes Renteneintrittsalter haben, dieses ebenso schrittweise anheben wie Deutschland und aktuell die Niederlanden.“ - dre/dfb 

Quelle: wa.de

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