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Anwohner erlebt nach „Tatort“-Dreh in Dortmund eine Odyssee

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Von: Florian Forth

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Für den Dreh des neuen „Tatort“ in Dortmund wurde das Auto eines Anwohners abgeschleppt. Zu Unrecht, sagt der – und begibt sich auf eine wahre Odyssee.

Dortmund – In der neuen „Tatort“-Folge aus Dortmund waren am Sonntag so viele Szenen aus der Stadt zu sehen, wie selten zuvor. Eine Sache war aber sicher nicht im Bild: das Auto von Christian Czech. Denn die Produktionsfirma hatten den Wagen für die Dreharbeiten abschleppen lassen. Es folgte eine Reihe skurriler Situationen.

Auto in Dortmund für „Tatort“-Dreh abgeschleppt: Schaden von über 3000 Euro

Czech wohnt nahe dem Westpark in Dortmund. Während der Dreharbeiten für den „Tatort“ am 8. März 2021 (Dienstag) hatte er seinen Wagen abends um 21.30 Uhr auf dem Parkplatz hinter dem Café Erdmann abgestellt. „An diesem Abend und in der gesamten Woche waren sehr viele Halteverbotszonen aufgrund des Tatort-Drehs im ganzen Kreuzviertel eingerichtet“, berichtet er RUHR24.

Czech ist sich sicher, dass er seinen Wagen nicht im Halteverbot geparkt hatte. Weil er das Fahrzeug einige Zeit nicht benötigt, schaut er erst Ende März wieder danach. Doch sein Auto steht da längst nicht mehr auf dem Parkplatz an der Rittershausstraße, wo zu Beginn des neuen „Tatorts“ die Spurensicherung ermittelt.

Ein Anruf von Czech bei der Polizei Dortmund klärt zunächst, wo sein Auto ist: Der Wagen sei am 11. März 2022 (Freitag) zwischen 19 und 20 Uhr vom Unternehmen Widliczek abgeschleppt und von der Polizei sogar versehentlich als „sichergestellt“ gemeldet worden. Doch da fangen die Probleme erst an.

Dortmunder muss nach „Tatort“-Dreh Abschleppkosten und Schaden bezahlen: 3300 Euro

Denn als Czech seinen Wagen bei dem Abschleppunternehmen in Dortmund abholen will, trifft ihn gleich mehrfach der Schlag: „Bei der Abholung meines Autos bei Widliczek musste ich zunächst die Rechnung über 503,85 Euro begleichen“, sagt der Dortmunder (alle News aus Dortmund auf RUHR24 lesen).

Schlimmer noch: Vorne rechts ist der Leasing-Wagen beschädigt. Teile der Stoßstange sind abgerissen, der Lack zerkratzt. Czech vermutet, dass dies beim Abschleppen für den „Tatort“-Dreh passiert sein muss, „da ich mein Auto im einwandfreien Zustand abgestellt hatte“. Ein Mitarbeiter der Abschleppfirma soll den Schaden aufgenommen haben, man wolle sich melden. Czech lässt den Wagen auf dem Gelände stehen, schaltet einen Anwalt ein – und hört nichts mehr von dem Unternehmen.

Parkplatz Rittershausstraße Westpark Dortmund Dreh Tatort ARD
Am Westpark in Dortmund wurde eine der Eingangsszenen vom „Tatort: Du bleibst hier“ gedreht. © Florian Forth/RUHR24

Für Christian Czech ist der Schaden immens. Rund 500 Euro fürs Abschleppen, 2440 Euro Schaden am Auto und 370 Euro für den Rechtsanwalt – macht knapp 3300 Euro für korrektes Parken in Dortmund. „Kosten, obwohl ich nicht falsch geparkt habe. Kosten, für die niemand aufkommen will. Kosten, auf denen ich einfach sitzen bleibe“, sagt Czech.

Stadt Dortmund bestätigt Halteverbot für „Tatort“-Dreh auf Parkplatz am Westpark

RUHR24 hat bei den beteiligten Parteien nachgefragt, wie es zu dieser obskuren Situation kommen konnte. Nach längerer Recherche erweist sich die Lage noch immer als ziemlich verzwickt.

Ein Sprecher der Stadt Dortmund sagt zu dem Fall: „Die Haltverbotszone Ritterhausstraße am 11. März 2022 wurde vom Ordnungsamt angeordnet und durch einen Verkehrssicherer der Produktionsfirma ausgeschildert.“ Diese müsse dafür sorgen, dass die Schilder „rechtzeitig“ aufgestellt werden.

Doch hätte Czech es nicht sehen müssen, wenn das Halteverbot rechtzeitig ausgewiesen worden wäre? Denn zwischen dem Parken am Dienstag um 21.30 Uhr und dem Abschleppen am Freitag um 19 Uhr liegen noch keine 72 Stunden.

Parkplatz „Rittershausstraße“ am Westpark in Dortmund Tatort 20.1.2022
Von dem Parkplatz „Rittershausstraße“ am Westpark in Dortmund ist der Wagen abgeschleppt worden. © Florian Forth/RUHR24

Produktionsfirma Bavaria Fiction bedauert Abschlepp-Vorfall in Dortmund

Produziert wird der „Tatort“ aus Dortmund von der Bavaria Fiction mit Sitz in Geiselgasteig bei München. Dort zeigt man sich auf Nachfrage betroffen von dem Vorfall: „Es tut uns sehr leid, dass ein Fahrzeug für die Dreharbeiten in der Rittershausstraße abgeschleppt werden musste“, sagt Isabelle Fedyk, Sprecherin von Bavaria Fiction.

Sie sagt, dass die Absperrung bei der Stadt Dortmund genehmigt wurde und von einem Dienstleister mindestens 72 Stunden zuvor ausgewiesen worden sei. „Steht ein Wagen in der angekündigten Sperrfrist im temporären Halteverbot, dann meldet das die Setaufnahmeleitung der Polizei, die sich wiederum um die Durchsetzung des Halteverbots kümmert“, schreibt Fedyk.

Wer hat das Auto vom Parkplatz „Rittershausstraße“ in Dortmund abschleppen lassen?

Doch laut Czech stand der Wagen ja gar nicht im Halteverbot. Wer hat dennoch dafür gesorgt, dass der Wagen überhaupt abgeschleppt wird? Czech sagt dazu: „Vermutlich wurde Widliczek durch die Polizei bestellt, allerdings sollte das Abschleppen durch die Produktionsfirma beauftragt werden.“

Auch das Abschleppunternehmen verweist auf die Polizei Dortmund: „Wir wurden seitens der Polizei beauftragt, das Fahrzeug abzuschleppen“, schreibt uns Widliczek. Das bestätigt auch die Stadt Dortmund: „Die Recherche hat ergeben, dass die Abschleppmaßnahme eine Maßnahme der Polizei war.“

Laut Czech sei bei der Polizei Dortmund jedoch kein Vorgang dazu angelegt worden, es gebe nur ein Einsatzprotokoll der Beamten vor Ort. Das bestätigt eine Nachfrage bei der Pressestelle: „Der von Ihnen beschriebene Fall ist uns mit den genannten Daten nicht bekannt“, schreibt ein Sprecher der Polizei.

Durch zahlreiche Nachfragen bei der Citywache und dem Polizeipräsidium erfährt Czech jedoch, dass es aus Sicht der Polizei keine Notwendigkeit gegeben habe, das Auto abzuschleppen (alle News zum Verkehr in NRW auf RUHR24 lesen).

Weder Produktionsunternehmen noch Abschleppfirma wollen Schaden am Auto bezahlen

Das Auto des Anwohners wäre damit also für einen „Tatort“-Dreh am Westpark abgeschleppt und beschädigt worden, ohne dass es falsch abgestellt war. Und nun will es keiner gewesen sein, geschweige denn den Schaden übernehmen. Widliczek schreibt dazu: Eine Beschädigung sei beim Abholen des abgeschleppten Fahrzeugs nicht bemängelt worden. „Wir müssen den Schaden daher leider ablehnen.“

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Das Auto von Christian Czech aus Dortmund wurde für den „Tatort“-Dreh in Dortmund abgeschleppt. © Florian Forth/RUHR24 (2); Collage: RUHR24

Czech sagt, dass ein bestehender Schaden vor dem Abschleppen hätte erfasst werden müssen. Das sei hier nicht der Fall gewesen. Der Wagen kann also erst bei oder nach dem Abschleppen beschädigt worden sein.

Auch die Bavaria Fiction will für die entstandenen Kosten nicht aufkommen: „Sollten Schäden durch das Abschleppen entstehen, ist das Abschleppunternehmen beziehungsweise die Polizei der richtige Ansprechpartner.“

Dortmunder bleibt nach „Tatort“-Dreh am Westpark auf Schaden sitzen

Das kaputte Leasing-Fahrzeug musste der Dortmunder mittlerweile zurückgeben. „Der Schaden wurde von der Vollkasko reguliert und ich bleibe auf der Selbstbeteiligung und der Hochstufung sitzen“, ärgert sich Czech.

Er und sein Anwalt für Verkehrsrecht müssten nun klagen, um das Geld wieder zu bekommen. Ein Knöllchen fürs Falschparken hat er übrigens bis heute nicht bekommen.

„Tatort“-Drehs und Halteverbote in Dortmund

Für Dreharbeiten werden in Dortmund immer wieder ganze Straßenzüge gesperrt. Das kann für Autofahrer und Anwohner teils störend sein, lässt sich aber kaum vermeiden.

In 2021 und 2022 wurden je zwei Tatorte in Dortmund gedreht. „In allen Fällen wurden Haltverbotszonen durch das Ordnungsamt eingerichtet“, teilt die Stadt mit.

Anwohner sollten daher spätestens alle drei Tage nach ihrem Auto schauen – und es im Zweifel lieber großzügig umparken.

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