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Nach seinem Amoklauf im MK: Schuldunfähiger Täter bedroht wieder Nachbarn - mit Machete

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Von: Jan Schmitz

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Ein Mann bedroht eine Familie in Schalksmühle im MK mit einer Machete - exakt acht Jahre, nachdem er bei einem Amoklauf in Menden im Sauerland zwei Personen niedergestochen hatte.

Schalksmühle/Märkischer Kreis – Ein Mann bedroht eine Familie in Schalksmühle-Rotthausen, schlägt mitten in der Nacht erst gegen die geschlossenen Rolläden, klingelt dann an der Haustür – in der Hand hält er eine Machete. Der Täter ist ein Nachbar und für die Polizei im Märkischen Kreis kein Unbekannter, wie Recherchen unserer Zeitung ergaben. Auf den Tag genau vor acht Jahren lief er mit zwei langen Messern bewaffnet durch Menden.

StadtMenden
KreisMärkischer Kreis
Einwohnerca. 52.600

Mann bedroht Familie aus Schalksmühle/MK mit Machete - acht Jahre nach Amoklauf in Menden

Während seines Amoklaufs am 24. Juni 2013 hatte der Mann zwei Menschen niedergestochen. Auslöser der Tat in Menden war damals den Ermittlungen zufolge ein Besuch bei den Nachbarn. Dort hatte er geklingelt und gebeten, die Tochter des Hauses zu sprechen, weil er im Wahn vermutete, dass sie missbraucht würde. Als er die Tochter nicht antraf, kehrte er kurze Zeit später mit zwei Brotmessern bewaffnet zurück und drang in das Haus ein.

Als die Polizei eintraf, griff der Mann die Polizisten an. Sie schossen mehrfach auf den Amokläufer, ohne ihn jedoch zu treffen. Auf seiner Flucht verletzte er zwei Menschen schwer, darunter seine Mutter, die sich zwischen ihn und die Polizei stellte, und einen Versicherungsvertreter, der sich zufällig in der Nähe aufhielt. In der Vernehmung gab der Amokläufer später an, sich an seine Taten nicht mehr erinnern zu können.

Täter sollte nach Amoklauf in Menden (MK) in Psychiatrie

Wegen des versuchten Tötungsdelikts und wegen gefährlicher Körperverletzung musste er sich später vor Gericht verantworten. Vor Gericht wurde er als schuldunfähig eingestuft. Auch dem Antrag auf Sicherungsverwahrung in einer geschlossenen Psychiatrie folgte das Schwurgericht des Landgerichts Arnsberg nicht. Ab Anfang 2014 war der damals 25-Jährige auf Bewährung wieder auf freiem Fuß. Bis zur Nacht des 24. Juni 2021.

Auf Nachfrage bestätigte Polizeisprecher Dietmar Boronowski den Einsatz der Polizei am Donnerstag (24. Juni) um 23.30 Uhr an dem Mehrfamilienhaus in Schalksmühle-Rotthausen. Mit der Machete in der Hand hatte er an der Haustür eines 37-Jährigen geklingelt und ihn dazu aufgefordert, „herunterzukommen“. Der Geschädigte hatte zwischenzeitlich die Polizei informiert, da der 32-Jährige zuvor bereits an die geschlossenen Rollläden des Mehrfamilienhauses geschlagen hatte.

Menden Amoklauf
Am 24. Juni 2013 stach der damals 24-Jährige in Menden zwei Menschen nieder. © www.come-on.de

Täter von Menden stand in Schalksmühle mit Machete vor Mehrfamilienhaus

Die Polizei musste den Mann nach eigenen Angaben unter heftigstem Widerstand zur Aufgabe zwingen. Die eingesetzten Beamten und die Mieter des Hauses wurden durch den Aggressor dabei aufs Übelste beschimpft. Nur unter Einsatz des Pfeffersprays gelang es, den 32-Jährigen zu fixieren. Er wurde vorläufig festgenommen und verbrachte die Nacht im Polizeigewahrsam. Die Machete wurde sichergestellt.

Nach Angaben von Polizeisprecher Dietmar Boronowski ist der Tatverdächtige polizeibekannt, weitere Einzelheiten machte er zunächst nicht. Anders als in anderen Fällen von Zwangseinweisungen nach PsychKG, bei denen ein Arzt und ein Mitarbeiter des Ordnungsamts über die Einweisung entscheiden, liegt diesmal aufgrund der Vorgeschichte eine richterliche Anordnung zur Einweisung vom 25. Juni vor. Demnach kann der Tatverdächtige nicht ohne Weiteres aus der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer entlassen werden, in die er eingeliefert wurde.

Der Schalksmühler muss sich nun wegen Bedrohung, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Widerstands verantworten. Die Ermittlungen dauern an. Nur einen Tag nach der Festnahme in Schalksmühle sorgte ein vermutlich psychisch kranker Mann in Würzburg für ein Blutbad mit drei Toten.

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