Die kommenden Tage bleiben stürmisch

Sturmtief "Franz": Tornado-artiger Starkwind beschädigt 40 Häuser - als nächstes zieht "Gebhard" auf

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Ein Tornado-artiger Wind hat in Roetgen Dächer abgedeckt. Eine Person wurde verletzt.

NRW - Ein Sturmtief jagt in Nordrhein-Westfalen derzeit das andere: Nach "Eberhard" und "Franz" müssen sich die Menschen in NRW weiter auf Wind und Schauer einstellen - jetzt zieht "Gebhard" auf. In Roetgen in der Eifel hatte am Mittwochnachmittag ein Tornado-artiger Starkwind rund 40 Häuser beschädigt. Im niederländischen Enschede entgleiste eine aus Gronau kommende Regionalbahn.

Abgerissene Dächer, demolierte Fassaden, geborstene Fenster, unbewohnbare Häuser und Verletzte - nach dem Tornado in der Eifelgemeinde Roetgen ist am Donnerstag das verheerende Ausmaß der Zerstörung deutlich geworden. Zwei Hallen und 35 Wohnhäuser wurden nach Angaben der Gemeinde von dem Tornado am frühen Mittwochabend beschädigt. 

Zehn Häuser sind zunächst nicht mehr bewohnbar. Auch wenn Menschen verletzt wurden, sprachen viele Betroffene am Donnerstag von Glück, dass nicht Schlimmeres passiert ist. "Fünf Menschen sind leicht verletzt worden, vier von ihnen wurden im Krankenhaus behandelt", sagte ein Feuerwehrsprecher. 

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bestätigte am Donnerstag den Tornado. "Solche Windhosen sind zwar selten, können aber immer mal wieder aufkommen", sagte eine DWD-Sprecherin. Das Wetterphänomen weckt Erinnerungen: Im Mai 2018 fegte ein Tornado durch einen Ortsteil von Viersen und richtete einen Millionenschaden an. 

Am Vormittag wurde in den Straßen von Roetgen aufgeräumt und repariert. Neben 350 Einsatzkräften waren sehr viele Handwerksunternehmen vor Ort - und viele im Ort, die mit anpackten. "Hier hat jeder Roetgener geholfen, das war wirklich toll", sagte der Feuerwehrsprecher. 

Die Gemeinde warnte eindringlich davor, in den Wald zu gehen. Es bestehe Lebensgefahr. Durch den Tornado seien Bäume nicht zwangsläufig umgekippt, sondern lehnten an anderen Bäumen. "Man kann selbst bei Windstille vom Baum erschlagen werden", warnte Dirk Recker vom Ordnungsamt - und das gilt nach den Sturmtiefs der vergangenen Tage in ganz NRW. 

Mit der Feuerwehr verfolgte Recker am Donnerstag den Weg des Tornados durch die ländliche Region: Demnach war er sechs bis acht Kilometer unterwegs, bis er an Kraft verlor. Dabei streifte er nur die Randlage von Roetgen. Den Menschen dort ist bewusst, dass es viel schlimmer hätte kommen können: "Wäre er durch die Ortsmitte gegangen, wäre das sehr übel geworden", sagte Recker.

So wird das Wetter in den kommenden Tagen:

"Grob gesprochen bleibt es so", sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bereits am Mittwoch. In den nächsten Tagen könnten Windböen um die 70 Kilometer pro Stunde über NRW fegen, dazu seien immer mal wieder Schauer möglich. 

Aber: "Es wird nicht mehr die Stärke von Sonntag erreichen", so die Meteorologin. Demnach erreichten Böen des Sturmtiefs "Franz" am Mittwoch Geschwindigkeiten bis zu 75 Kilometern pro Stunde.

So wird das Wetter bei Ihnen

Am Donnerstag zieht nun "Gebhard" auf. Der Der Deutsche Wetterdienst warnt vor diesem neuen Sturmtief - explizit etwa für den Kreis MK.

Der Sturm im Ticker

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17.27 Uhr: Nach dem zerstörerischen Tornado in der Eifelgemeinde Roetgen hat NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) die Hilfsbereitschaft der Dorfbewohner gelobt. "Das läuft sensationell gut", sagte Reul am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. So sei die eingerichtete Notunterkunft in Roetgen gar nicht genutzt worden. Dies zeuge von einer "hohen Selbsthilfekompetenz". Es sei ein "tolles Beispiel, wie sich Bürger und Bürgerinnen untereinander helfen". 

Die Feuerwehr schätzte, dass sich etwa 30 Menschen eine andere Bleibe suchen mussten, weil sie nicht weiter in den zerstörten Häusern bleiben konnten. Viele Menschen kamen bei Bekannten unter. Zudem bot ein Roetgener Hotelier kostenlos seine Zimmer an. 

17.25 Uhr: Eine aus Gronau kommende Regionalbahn der Deutschen Bahn ist bereits am Mittwochabend im niederländischen Enschede wegen eines umgestürzten Baums entgleist. Von den rund 40 Fahrgästen wurde nach Angaben einer Bahn-Sprecherin bei dem Unfall niemand verletzt. Der Zugführer habe zwar gebremst, konnte aber den Aufprall nicht verhindern. Dabei sei ein Drehgestell aus den Schienen gesprungen. Die beschädigte Strecke wurde gesperrt. Nach Kenntnis der Deutschen Bahn sollten die Reparaturarbeiten bis Donnerstagnacht dauern. Am Freitagmorgen soll der Verkehr wieder aufgenommen werden. 

Mittwoch, 21.12 Uhr:

Nach dem heftigen Starkwind in Roetgen, der 30 Häuser beschädigt hat, ist in der Grundschule in Roetgen eine Betreuungsstelle eingerichtet worden, ein Bus fährt die Betroffenen dort hin. Die Feuerwehr schätzte, dass etwa 30 Menschen vorübergehend eine andere Unterkunft bräuchten. Es sei aber davon auszugehen, dass viele davon bei Verwandten oder Bekannten unterkommen könnten. Die Stimmung im Ort sei ruhig, berichtete ein Fotoreporter von dpa. Feuerwehr und Rettungsdienst waren mit mehr als 200 Kräften im Einsatz. Hinzu kamen rund 30 Polizisten. 

Der Deutsche Wetterdienst bestätigte, dass ein Gewitter über die Eifel gezogen sei. Ob der Sturm als Tornado einzustufen sei, müsse noch geprüft werden, sagte eine DWD-Meteorologin. Auf einem Video, das der WDR via Twitter verbreitete, ist zu sehen, wie eine deutlich erkennbare Windhose über den Ort zieht. 

Unter Tornados verstehen Wetterkundler des Deutschen Wetterdienstes eine Luftsäule mit Bodenkontakt, die um eine mehr oder weniger senkrecht orientierte Achse rotiert und sich dabei unter einer tiefen Wolkenbasis befindet. Weitere Voraussetzungen für das Entstehen sind laut DWD starke Temperaturgegensätze, aufsteigende Luft und vertikale Windscherung, also die Zunahme der Windgeschwindigkeit. 2018 hatte der DWD deutschlandweit 17 nachgewiesene Tornado-Ereignisse registriert, davon 4 in NRW. Die Dunkelziffer ist hoch, da Tornados nur durch Augenzeugen bestätigt werden können. Außerdem entstehen sie unvorhersehbar innerhalb weniger Minuten und sind oft ebenso schnell vorüber. Jeder Tornado ist gefährlich: Es kann dabei immer Todesopfer geben, warnen die Experten.

18.57 Uhr: In der Eifelgemeinde Roetgen südlich von Aachen hat am Mittwochabend ein Starkwind für Schäden gesorgt. "Das Schadensmuster erinnert an einen Tornado", sagte ein Sprecher der Feuerwehr Aachen. Der Sturm sei vorbei, genauere Informationen zu den Schäden gab es zunächst nicht. Der Sturm sei durch den Ortskern gezogen. Der WDR berichtete von abgedeckten Dächern. Der Deutsche Wetterdienst bestätigte, dass ein Gewitter über die Eifel gezogen sei. Ob es dabei einen Tornado gegeben habe, müsse zunächst noch geprüft werden, sagte eine DWD-Meteorologin am Mittwochabend in Essen.

16.24 Uhr: Warnung vor starkem Gewitter (Stufe zwei von vier) im Märkischen Kreis: Die Warnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gilt noch bis 17 Uhr. Der DWD weist auf mögliche Gefahren hin: "Örtlich kann es Blitzschlag geben. Bei Blitzschlag besteht Lebensgefahr! Vereinzelt können beispielsweise Bäume entwurzelt und Dächer beschädigt werden. Achten Sie besonders auf herabstürzende Äste, Dachziegel oder Gegenstände. Während des Platzregens sind kurzzeitig Verkehrsbehinderungen möglich."

15.09 Uhr: In Gelsenkirchen hat das Sturmtief (noch) nicht für eine große Häufung an Einsätzen der Feuerwehr gesorgt: „Bisher ist es nur zu vier Einsätzen in Zusammenhang mit dem Sturmtief „Franz“ gekommen“, bilanziert Mark Hungerland, Schichtführer auf der Leitstelle der Feuerwehr Gelsenkirchen den Durchzug des nächsten Sturmtiefs.

Nachdem am vergangenen Wochenende aufgrund von „Eberhard“ 94 sturmbedingte Einsätze abzuarbeiten waren, ist „Franz“ bisher quasi nur eine „steife Brise“. 

"Die spektakulärste Einsatzstelle wurde sicherlich an der Horster Straße gemeldet. Hier hatte sich in 40 Meter Höhe ein 50 Quadratmeter großes Blech der Kupferbedachung gelöst. Aufgrund der Höhe konnte die Feuerwehr den Gefahrenbereich nur absperren."

Die amtliche Warnung vor weiteren Sturmböen gilt noch bis heute Abend um 20 Uhr. Laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes soll sich das Wetter aber zum Abend hin beruhigen.

10.15 Uhr: Die Bahn warnt wegen Sturmtief "Franz" vor Beeinträchtigungen im NRW-Zugverkehr. "Bitte informiert euch rechtzeitig vor Fahrtantritt über eure Verbindung auf bahn.de oder im DB Navigator", twittert die Bahn. Bislang gebe es aber noch "keine größeren Störungen in NRW", sagte ein Bahnsprecher.

7.45 Uhr: Die Bahn meldet Verspätungen auf der Strecke zwischen Essen und Bochum. 

7.35 Uhr: Der Hammer Tierpark bleibt aufgrund der angekündigten Sturmböen geschlossen. Es finde zwar eine regelmäßige Baumpflege statt, teilt die Tierparkleitung mit, doch solle vorsorglich für die Sicherheit der Gäste gesorgt werden. Der Tierpark misst den Wind auch über eine eigene Wetterstation. In der Regel fällt die Entscheidung zur Schließung ab einer zu erwartenden Windstärke 8. 

Die Bahnstrecke der RB53 zwischen Iserlohn-Kalthof und Iserlohn wurde schon am Dienstag und bis zum Mittwochmorgen, 6 Uhr, wegen gesperrt.

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Der Deutsche Wetterdienst warnt ab genau diesem Zeitpunkt vor Sturmböen mit Geschwindigkeiten zwischen 75 und bis zu 100 Stundenkilometern. "Anfangs aus südwestlicher, später aus westlicher Richtung." 

Es gilt der dringende Rat: "Achten Sie besonders auf herabfallende Gegenstände!" Damit sind vor allem Dachziegel und Bäume gemeint. 

Sturmtiefs wüten über NRW

Gerade Strecken, die durch einen Wald führen, sollten unter allen Umständen vermieden werden! Am Sonntag entschied sich ein Autofahrer aus Bad Fredeburg für eine Fahrt durch den Wald zwischen Rüthen-Kallenhardt im Kreis Soest und Bestwig-Nuttlar im Hochsauerlandkreis. Während der Fahrt wurde sein Auto von einem Baum begraben. Der Mann bezahlte den Unfall mit seinem Leben. 

Quelle: wa.de

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