Studie: NRW steuert auf größte Lücke bei Kita-Erzieherinnen zu

GÜTERSLOH - In einem Jahr tritt der Rechtsanspruch auf eine Betreuung von Kleinkindern in Kraft. Vor allem in Großstädten und Ballungsräumen werden Kita-Plätze und Erzieherinnen fehlen. Wie groß die Lücke sein wird, darüber wird gestritten.

Wenn in einem Jahr jedes Kind ab dem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz hat, könnte Nordrhein-Westfalen die bundesweit größte Fachkräfte-Lücke haben. Nach Berechnungen der Universität Dortmund werden im bevölkerungsreichsten Bundesland bis zu 90 000 Kita-Plätze fehlen. Dafür wären 6750 Erzieherinnen und Erzieher notwendig, teilte die Bertelsmann-Stiftung am Donnerstag mit.

Das Familienministerium stellte diese Einschätzung infrage und betonte, in keinem Bundesland würden mehr Erzieherinnen ausgebildet. Zudem beziehe sich die Studie auf veraltetes Zahlenmaterial. Im kommenden Kindergartenjahr, das am 1. August beginnt, stünden 117 000 Betreuungsplätze zur Verfügung. Um eine Betreuungsquote von 32 Prozent zu erreichen, brauche NRW bis 2013 insgesamt 144 000 Plätze. Damit fehlten derzeit noch 27 000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren, teilte eine Ministeriumssprecherin mit.

Anders als andere Bundesländer könne NRW weniger darauf hoffen, dass Erzieher in Teilzeit ihre Arbeitszeit aufstocken, heißt es im "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann- Stiftung. NRW habe schon den höchsten Anteil an Vollzeitstellen.

Der Anteil der Erzieher in Vollzeit beträgt demnach in NRW 56 Prozent. Bundesweit arbeiten im Durchschnitt nur 40 Prozent in Vollzeit. Damit sei das Aufstockungspotenzial in NRW geringer. Durch geeignete Anreize könnte aber eine Trendumkehr bei Neueinstellungen gelingen, sagte Anette Stein von der Bertelsmann-Stiftung.

In den letzten fünf Jahren sei bei den Neueinstellungen in NRW der Anteil der voll arbeitenden Erzieherinnen und Erzieher auf 37 Prozent gesunken. Möglichkeiten zur Aufstockung ihrer Stundenzahl haben in NRW vor allem jene 16 Prozent Kita-Fachkräfte, die derzeit weniger als 21 Wochenstunden arbeiten.

NRW habe im Hinblick auf den zu erwartenden Fachkräftemehrbedarf die Ausbildungskapazitäten massiv ausgebaut, unterstrich Familienministerin Ute Schäfer (SPD). Derzeit würden 19 000 Erzieherinnen ausgebildet.

Schäfer widersprach der Einschätzung der Bertelsmann Stiftung und verwies auf unterschiedliche Berechnungsgrundlagen. Die Lücke von 6750 Fachkräften würde nur dann gelten, wenn 37 Prozent aller Kinder zwischen ein und drei Jahren ihren Rechtsanspruch wahrnehmen. Bei 35 Prozent betrüge die Lücke "nur noch" 3400 Fachkräfte. "Klar ist jedoch ohne Zweifel, dass der Ausbau der U3-Betreuung einen Mehrbedarf an Fachkräften mit sich bringt, der regional sehr unterschiedlich sein wird", sagte Schäfer.

Nach Angaben der Stiftung lag NRW bei der Versorgungsquote der unter Dreijährigen zuletzt mit 19 Prozent (Stand: März 2011) bundesweit auf dem letzten Platz.

Dem Ländermonitor zufolge könnte der Bedarf an Erziehern auch dadurch steigen, dass im Westen die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung wächst. In NRW wird sich diese nur in abgeschwächter Form zeigen, hieß es: Hier ist bereits für 39,2 Prozent der Kinder ab drei Jahren, die eine Kita besuchen, eine Betreuungszeit von täglich mehr als sieben Stunden vereinbart. Dies ist der zweithöchste Wert aller westdeutschen Bundesländer (Durchschnitt 30,1 Prozent).

Jörg Dräger vom Stiftungsvorstand forderte mehr Erzieherinnen in Vollzeit. "Kinder brauchen in ihrer Kita eine feste Bezugsperson. Das ist eine zentrale Frage der Qualität außerfamiliärer Kinderbetreuung." - lnw

Quelle: wa.de

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