Studie: In NRW-Kitas fehlen 17 500 Erzieherinnen

+
Symbolbild

GÜTERSLOH - Für eine hochwertige frühkindliche Bildung benötigen die Kitas in Nordrhein-Westfalen einer Studie zufolge gut 17 500 zusätzliche Erzieherinnen. Das würde die Personalkosten um jährlich 766,5 Millionen Euro erhöhen, hat die Bertelsmann Stiftung berechnet.

Die am Freitag veröffentlichte Analyse belegt außerdem Unterschiede zwischen den Ländern und ein starkes West-Ost-Gefälle beim Personalschlüssel. Vor rund einem Jahr trat der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder unter drei Jahren in Kraft.

In NRW ist statistisch eine Erzieherin für 3,6 Krippenkinder zuständig. Das ist der bundesweit drittbeste Wert. Im Westen liegt der Durchschnitt bei 1 zu 3,8. Im Osten ist das Verhältnis 1 zu 6,3.

Bei den Kindern zwischen drei und sechs Jahren liegt NRW mit einem Personalschlüssel von 1 zu 9,6 unter dem Durchschnitt der Westländer (1 zu 9,1) und zwar auf dem drittletzten Platz, aber deutlich besser als die Ostländer (1 zu 12,7).

In der Praxis ist das Betreuungsverhältnis sogar noch ungünstiger, hieß es. Tatsächlich kann eine Erzieherin nur 75 Prozent ihrer Zeit für die Kinder aufwenden, der Rest entfalle auf Teamgespräche, Fortbildung und Urlaub. Eine Erzieherin in NRW betreue in der Realität also fast 13 Kinder. Andere Länder böten ihren Kindergartenkindern erheblich bessere Chancen, etwa Bremen (1 zu 7,7) und Baden-Württemberg (1 zu 8), hieß es in der Studie.

Die Stiftung empfiehlt für die unter Dreijährigen einen Personalschlüssel von 1 zu höchstens 3. In der Altersgruppe ab drei Jahren sollte eine Erzieherin rechnerisch maximal 7,5 Kinder betreuen.

Angesichts der Unterschiede forderte Jörg Dräger, Bildungsexperte im Stiftungsvorstand, ein Bundes-Kita-Gesetz. Darin sollten die Qualitätsstandards festgelegt sein. Ein Anstieg der Personalkosten in NRW um gut ein Viertel - derzeit sind es bereits 2,95 Milliarden Euro im Jahr - sei eine gewaltige Kraftanstrengung, räumte Dräger ein. Ohne stärkeres finanzielles Engagement des Bundes sei das vom Land und den Kommunen kaum zu stemmen. - dpa/lnw

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare