Streit um Comeback alter Autokennzeichen

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Jens Matros aus Witten posiert in Witten mit seinem Ford Capri Baujahr 1969 mit einem historischen Wittener Kennzeichen (WIT).

MO-PS, BOH-NE und BRI-SE: Auf Nordrhein-Westfalens Straßen wird man vielleicht bald all diese Worte wieder auf Autokennzeichen sehen. Bürgermeister wollen ihre Kürzel zurück und machen nun Druck.

Streit um ein mögliches Comeback von ehemaligen Autokennzeichen in Nordrhein-Westfalen: Viele Autofahrer zwischen Rhein und Weser wollen ihre Kleinstadt-Nummernschilder wie "BÜR", "AL" oder "DIN" zurückhaben. In Bocholt brachten die Bürgermeister von 19 Kommunen am Montag eine Resolution auf den Weg, die sich für die Wiedereinführung der in den 70ern abgeschafften Kennzeichen einsetzt - als "Wunschkennzeichen".

Mit der kommunalen Gebietsreform in den 70er Jahren verschwanden auch die alten Autokennzeichen vieler Städte und Gemeinden. In Nordrhein-Westfalen war von 1975 an für jeden Autofahrer der neue Verwaltungsbezirk, also die kreisfreie Stadt oder der jeweilige Landkreis maßgeblich. Aus BOH (Bocholt) wurde BOR (Borken), aus LH (Lüdinghausen) wurde COE (Coesfeld) und aus CAS (Castrop-Rauxel) wurde RE (Recklinghausen). Jedoch mussten die alten Nummernschilder nicht sofort getauscht werden. Sie gelten vielmehr bis heute als "auslaufend". Deshalb sieht man an einigen alten Wagen immer noch die alten Schilder, etwa bei Oldtimern, Löschfahrzeugen oder Traktoren. Diese Fahrzeuge wurden schlichtweg nie umgemeldet.

Mit dem Papier, das am Montag unterschrieben wurde, versuchen die Städte, Landesverkehrsminister Harry Voigtsberger (SPD) zu überzeugen. Sein Ministerium hatte sich bisher immer gegen derartige Pläne ausgesprochen. "Wir möchten den Minister bitten, seine Haltung zu ändern, uns zu unterstützen und dem Bundesverkehrsministerium unsere Kennzeichen zu nennen. Mehr braucht er ja gar nicht tun", sagte Bocholts Bürgermeister Peter Nebelo (SPD). Beteiligt an der Resolution sind unter anderem Städte wie Moers, Witten, Dinslaken, Berleburg, Lüdinghausen, Altena, Büren, Castrop-Rauxel und Brilon. Bisher hat sich das Ministerium in Düsseldorf den Plänen gegenüber abweisend gezeigt. "Das Land sieht keine Veranlassung, von seiner ablehnenden Position zur Wiedereinführung von Altkennzeichen abzurücken", heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums. Was die Stadtväter daran vermissen ist vor allem eine schlüssige Begründung. Denn besonders aufwendig sei die Wiedereinführung nicht. "Wir reden ja nicht über die Auflösung der Landkreise, wir reden über das Anliegen unserer Bürger, sich auf Wunsch ein alternatives Kennzeichen geben zu lassen", sagte Castrop-Rauxels Bürgermeister Johannes Beisenherz (SPD).

Theoretisch könnten sich die Autofahrer auf Wunsch also bald wieder MO-PS, WIT-ZE oder AL-TE auf ihr Kennzeichen prägen lassen. Die Bürgermeister waren am Montag optimistisch, dass die Schilderlandschaft auf Nordrhein-Westfalens Straßen schon bald wieder vielfältiger wird. Denn seit der Verkehrsministerkonferenz im Oktober sehen sich die Nostalgiker im Aufwind. Das Gremium hat den Bund wiederholt aufgefordert, ein einheitliches Verfahren zu prüfen. Der Bund hat den Ball nun zurückgespielt: Es liege bei den Ländern, diejenigen Städte und Kennzeichen zu benennen, die in Zukunft in der Fahrzeugzulassungsverordnung auftauchen sollen.

Im Bundesverkehrsministerium werden die Anfragen derzeit gesammelt. Bis Ende März 2012 hat nun auch NRW noch Zeit, die Wünsche der Kommunen weiterzureichen. In vielen Ländern ist das Wunschkennzeichen schon beschlossene Sache. NRW gehört mit Brandenburg und Rheinland-Pfalz zu den wenigen Kritikern der Idee.

Wer nicht will, bleibt einfach beim aktuellen Kennzeichen seines Kreises. Geht es nach einer Studie der Hochschule Heilbronn, möchte eine Mehrheit aber zurück zum alten Kürzel. Die Uni hat in einem wissenschaftlichen Projekt 2010 und 2011 rund 25 000 Menschen in mehr als 100 Städten befragen lassen. Dabei hätten sich 73 Prozent die abgeschafften Kennzeichen zurückgewünscht, besonders viele junge Leute, berichtete die Hochschule.

Allein in den 18 Städten der Resolutions-Unterzeichner geht es um mehr als eine Million Bürger. "Das ist kein absurdes Folklore-Thema, sondern eine Frage von Marken und Identifikation", sagte der Leiter der Heilbronner Initiative, Ralf Bochert. "Das Kennzeichen ist ein starkes Symbol." Er glaubt nicht, dass die Wiedereinführung viel Aufwand oder Kosten verursachen würde. "Bocholt und Borken sind ein gutes Beispiel, da tauschen sie das BOR gegen ein BOH - wer verliert dabei etwas?" Dem Wirtschaftswissenschaftler zufolge haben bundesweit rund 160 Städte und Gemeinden Interesse, ihr altes Kennzeichen zurückzubekommen - von Altena in NRW bis Zschopau in Sachsen. - lnw

Quelle: wa.de

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