[UPDATE] Verhärtete Fronten im Tarifstreit

Streik beim Textil-Discounter KiK auch am Dienstag

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[UPDATE 17 Uhr] BÖNEN - Im Tarif-Streit mit dem Textil-Discounter KiK hat die Gewerkschaft Verdi den Druck erhöht und die Beschäftigten des Zentrallagers in Bönen zum Ausstand aufgerufen. Laut der Gewerkschaft beteiligten sich zunächst etwa 120 Beschäftigte an der Aktion, die am Montagmorgen begann. Im Laufe des Tages wird mit über 200 streikenden KiK-Mitarbeitern gerechnet.

„Streik ist das letzte Mittel, aber wir werden das jetzt durchziehen“, kündigte Christiane Vogt, Verdi-Gewerkschaftssekretärin für den Bezirk Hamm-Unna, vor den Werkstoren der Kik-Logistik I GmbH in Bönen an. Um vier Uhr morgens hatte die erste Schicht der Lagerarbeiter die Arbeit niedergelegt, weil ihre Forderungen, endlich in den Tarifvertrag NRW für den Einzelhandel aufgenommen zu werden, bisher von der Kik-Geschäftsführung ignoriert worden waren.

Vom Zentrallager des Textil-Discounters in Bönen werden alle Kik-Filialen in Deutschland beliefert. Insgesamt 200 der knapp 500 Logistik-Mitarbeiter machten am Montag vor dem Betriebsgelände ihrem Unmut über die Arbeits- und Lohnbedingungen bei der Kik Logistik I GmbH lautstark Luft. Verdi hatte zu dem Arbeitskampf aufgerufen, nachdem Verhandlungen über bessere Arbeitsbedingungen abgelehnt worden waren.

Da auch am Montag die Firmenleitung nicht zu einem Dialog bereit war, geht der Streik am Dienstag weiter. „Ohne den Abschluss eines rechtsverbindlichen Tarifvertrages wird dieser Konflikt nicht beendet. Wir gehen davon aus, dass wir einen langen Atem brauchen“, sagt Verdi-Streikleiterin Christiane Vogt. Die Gewerkschaft sei zu Verhandlungen bereit: „Jetzt fehlt nur noch der Anruf von KiK“.

„Wir arbeiten durchschnittlich 50 bis 60 Stunden pro Woche, auch samstags“, erläutert Betriebsratsvorsitzender Brahim Elbouchti die Gründe für den Streik bei Kik. „Dafür erhalten wir einen festen Lohn, Überstunden und Samstagsarbeit werden nicht extra vergütet. Die werden einem Zeitkonto gutgeschrieben.“ Abfeiern könnten die Arbeitnehmer die Überstunden aber nur, wenn wenig Arbeit anfalle, ergänzt Elbouchti. Im Schnitt verdiene ein Lagerist bei Kik rund 1600 Euro brutto, was 1100 bis 1200 Euro netto entspräche, ergänzt Christiane Vogt.

„Wer davon eine Familie ernähren muss, der ist praktisch gezwungen, das Einkommen durch Harz IV aufzustocken, damit er über die Runden kommt. Und diese Lohnergänzung zahlt der Steuerzahler – nicht das Unternehmen.“ Nach Gewerkschaftsangaben steht ein Lagerarbeiter nach dem NRW-Einzelhandelstarifvertrag 2106 Euro Monatslohn zu. Am 1. Oktober hatte der Betriebsrat in einem Schreiben die Geschäftsführung aufgefordert, den Tarifvertrag Einzelhandel NRW für alle 485 betroffenen Mitarbeiter einzuführen.

„Leider haben wir bis heute keinerlei Antwort erhalten“, berichtet Betriebsratsvorsitzender Elbouchti. Burkhard Schültken habe sich allerdings in einer Betriebsversammlung vor 14 Tagen dahingehend geäußert, dass er niemals seine Unterschrift unter einen Tarifvertrag setzen werde, zitiert Verdi-Streikleiterin Christiane Vogt den Kik Logistik Geschäftsführer.

Dieser stand unserer Zeitung für eine persönliche Stellungnahme am Montag nicht zur Verfügung. Einzig ein allgemeines Statement veröffentlichte die Kik-Unternehmenskommunikation: „Die KiK Logistik GmbH .... orientiert sich an der im Logistikbereich branchenüblichen Bezahlung. Wir sind ein ... partnerschaftlicher Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitern attraktive Zusatzleistungen, wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Leistungsprämien bietet. Ein großer Teil unserer Mitarbeiter ... weiß das gute Betriebsklima, die gute Zusammenarbeit zu schätzen...“ - kir

Quelle: wa.de

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