Still-Leben Ruhrschnellweg findet am 18. Juli statt

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Helfer des THW und von DB Schenker bei der Generalprobe Still-Leben Ruhrschnellweg. Die Menschen kommen am 18. Juli. ▪

Ralph Kindel ist erregt. Er weiß, was das bedeutet, wenn 22 000 Biertische mit je zwei Bänken gestapelt werden. „Dann wird einem die Größenordnung klar“, sagt der Leiter des Veranstaltungsmanagments der Ruhr.2010. Von Achim Lettmann

Und er denkt an zwei Hallen der Messe Essen, wo die Ware aus Übersee noch lagert. Er denkt an 120 Gabelstapler, an 60 Lkw, die die „Biersets“ zur Autobahn fahren. „Gigantisch!“. Diese Tische werden am 17. Juli ab 22 Uhr auf den Ruhrschnellweg (A40) transportiert und aufgestellt. Der Tag X für die größte Veranstaltung im Kulturhauptstadtjahr ist der 18. Juli. Ein Sonntag, an dem von 11 bis 17 Uhr nur Metropolen-Bewohner und ihre Gäste auf der Autobahn sind – „Still-Leben Ruhrschnellweg“ ohne Autos. „Wir sind guten Mutes“, sagt Ralph Kindel. Die 60 Kilometer mit ihren 37 Anschlussstellen sind in 115 Blöcke unterteilt. Von den Auffahrten Duisburg-Homberg bis Dortmund-Märkische Straße. Hier nehmen die Gruppen Platz, die einen Tisch gebucht haben. Auf der Nordseite der A40 stehen die Tische. Auf der Gegenfahrbahn sind Radfahrer und Skater willkommen. Eintrittskarten braucht man nicht.

Allein für die Organisation am Tag X stehen über 8000 Menschen bereit. Allein 3000 vom Technischen Hilfswerk. „Ohne das THW hätten wir die Aktion nicht geschafft“, sagt Kindel (41). Der gelernte Kommunikationswissenschaftler erwartet 1,5 Millionen Menschen. Allein 160 000 bis 200 000 sitzen bereits an den Tischen. 250 000 Fahrradfahrer sind wahrscheinlich unterwegs.

Dieses Superevent im Kulturhauptstadtjahr soll zeigen, was die Menschen im Ruhrgebiet verbindet. Es ist ihre A40. Oder B1 oder Ruhrschnellweg. Ein Stück Asphalt, das Mobilität ermöglicht und Staus provoziert. Jeder im Revier hat seine Erfahrungen gemacht, Freizeit vergeudet, Termine verpasst. Es ist eine Hassliebe. Nun soll auf der Autobahn demonstriert werden, dass die Alltagskultur Vielfalt und Offenheit des Reviers spiegelt. So will sich die Familie Schmidt mit Freunden aus Großbritannien und den USA an alte Trinkhallen-Geschichten erinnern („Komm‘se anne Bude“); die „Blueskrauts“ sind Festival erfahrene Straßenmusiker, die von einem Didgeridoospieler unterstützt werden; die „BospoRuhrUs“ sind multikulturelle Menschen, die ihre Tischkultur zelebrieren wollen; die Samba- und Percussiongruppe Balanção macht Musik wie am Zuckerhut („Rio meets Ruhrpott“); ein englisches Picknick wird stattfinden, Geburtstage und Goldene Hochzeiten werden gefeiert sowie die Tipp-Kick Ruhrgebiets WM...

Und „Still-Leben A40“ hat das Kirchturmdenken im Ruhrgebiet ausgehebelt. Zumindestens für dieses Projekt. Die Städte haben übergreifend Aufgaben gelöst. Zum Beispiel hat die Feuerwehr Essen das globale Sicherheitskonzept entwickelt. Die Sanitäranlagen wurden von der Stadt Dortmund für alle Kommunen geprüft: Dixi Klos, Kabinen für Behinderte und Kreuz-Urinale. Insgesamt werden 3000 Toiletten aufgestellt – aus ganz Europa.

Es gibt viel zu tun. Wer eine Stippvisite auf der A40 am 18. Juli plant, sollte genau wissen, wie er hinkommt und wie zurück. „Wer mit dem Fahrrad hinfährt, muss auch mit dem Fahrrad zurück“, sagt Georg Felser, NRW-Sprecher der Deutschen Bahn. Denn die Regionalexpresse werden keine Fahrräder transportieren. Auch Concetta Wilhelm vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr sagt: „Die Mitnahme von Fahrrädern in Bussen und Bahnen ist untersagt.“ DB und VRR erwarten einen immensen Zulauf. Der DB-Fahrplan am 18. Juli wird wie ein Werktag getaktet sein. Außerdem werden die Regionalzüge verlängert und Sonderzüge werden eingesetzt, verspricht Felser: „Wer zum Bahnhof kommt, wird weggefahren.“ Fünf Shuttle-Bus-Linien werden eingesetzt. Zum Beispiel zwischen Bochum-Langendreer, Dortmund-Lütgendortmund und Dortmund-Dorstfeld. Außerdem stehen 40 Busse bereit, wenn es irgendwo Engpässe gibt.

Wer mit dem Auto anreist, um über die A40 zu spazieren oder um mit dem Rad zu fahren, findet auf der Website zum „Ruhr-Still-Leben“ (Link: An- und Abreise/Übersicht) Planungshilfe. Es gibt Pop-ups für Fußgänger, Rad- und Autofahrer. Die Streckeninfos sind so präzise, dass beispielsweise an der Autobahn-Auffahrt Dortmund-Kley (41) alle Parkplätze mit Kapazitäten genannt werden, die Autofahrer nutzen können. Auch die Entfernung zur A40 ist vermerkt. Wer unter Fußgänger klickt, erfährt, dass zwei S-Bahn- und drei Bushaltestellen nahe Dortmund-Kley liegen. Es sind dann nur noch wenige hundert Meter bis zur A40.

Für Sicherheit ist gesorgt. „Auf der Strecke stehen am 18. Juli 3000 Volunteers mit Funkgeräten“, sagt Yvonne Lünzmann von der TAS Agentur. Sanitätsstationen seien dann eingerichtet. Glas darf niemand mit auf die A40 nehmen. Bei der Love Parade in Essen hatte es über 1000 Schnittwunden gegeben.

Auf Currywurst und Pommes muss verzichtet werden. Holzkohlengrills und heißes Fett gehören nicht auf die A40, so Lünzmann. Am 19. Juli um 5 Uhr morgens läuft wieder der Berufsverkehr. Auch gibt es keinen Wasseranschluss und keinen Strom auf der Autobahn. Für die Verpflegung stehen Edeka-Kühlwagen bereit. Bier, Apfelschorle, Coca-Cola und Wasser (0,5 Liter) liegen zwischen 50 Cent und einem Euro. Drei Äpfel kosten einen Euro; Nektarinen, Butterkekse und Paprikachips ebenfalls.

„Ein halber Liter Wasser wird nur 25 Cent plus Pfand kosten“, sagt Manager Ralf Kindel. „Das ist die preisgünstigste Großveranstaltung in der Geschichte der Bundesrepublik.“ Na dann los.

Tische buchen

Es gibt noch Tische (25 Euro) auf der A40 für Kurzentschlossene. In allen Vorverkaufsstellen bis17. Juli, per Tickethotline 01805/ 152 010 (Festnetz 14 Cent/min.) und im Intenet bis 11. Juli. http://www.ruhr2010.de/

still-leben Link: Tischbuchung.

Hier lässt sich erfahren, wo auf der A40 noch freie Tische sind.

Quelle: wa.de

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