In NRW sterben Grundschulen

Immer mehr Grundschulen in Nordrhein-Westfalen sind in ihrer Existenz bedroht. Nach Berechnungen des Verbandes Bildung und Erziehung stehen bis 2019 in weiteren 400 Orten Schließungen von Grundschulen an.

DÜSSELDORF - Stirbt die Schule – stirbt der Ort. Eine wachsende Zahl vor allem ländlicher Gemeinden in Nordrhein-Westfalen kämpft mit diesem Horrorszenario. Die Politik muss einen Bremsklotz werfen, fordern die Lehrer und haben sich mit einer Studie bewaffnet.

Sinkende Geburtenraten zwingen immer mehr Kommunen in Nordrhein-Westfalen, Grundschulen zu schließen. Innerhalb von zehn Jahren sind in NRW bereits 321 Grundschulstandorte verloren gegangen. Das geht aus einem wissenschaftlichen Gutachten für die Lehrergewerkschaft Bildung und Erziehung (VBE) hervor. Der Vorsitzende des Landesverbands, Udo Beckmann, forderte gestern die Landesregierung auf, das Grundschulsterben zu stoppen.

Der VBE fordert, die Klassenobergrenze an Grundschulen von derzeit 30 auf 24 abzusenken, den Regelwert von 24 auf 22 und die Mindestklassengröße auf 11 Schüler. Derzeit liegt die Untergrenze für Eingangsklassen bei 18 Schülern. Lediglich in Ausnahmefällen – der sogenannten Helgoland-Regelung – dürfe mit nur 15 Schülern gearbeitet werden, berichtete der Dortmunder Schulforscher Ernst Rösner. Mit neuen Maßstäben könnten selbst einzügige Schulen mit insgesamt nur 44 Schülern erhalten werden, erläuterte Beckmann. Voraussetzung sei, dass die Lehrer trotz sinkender Schülerzahlen nicht aus den Grundschulen abgezogen, sondern eingesetzt würden, um in kleineren Klassen möglicherweise auch jahrgangsübergreifenden Unterricht zu erteilen.

Außerdem müsse die Regierung definieren, was ein zumutbarer Schulweg sei. Der Grundsatz „Kurze Beine – kurze Wege“ sei vor allem auf dem Land kaum noch einzulösen.

Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) sieht sich durch das Gutachten auf ihrem ohnehin eingeschlagenen Weg bestärkt. Die rot-grünen Regierungsfraktionen und die CDU hätten sich bereits in ihrem Schulkonsens verständigt, kleine wohnortnahe Grundschulstandorte möglichst zu erhalten, teilte sie mit.

Die Landesregierung habe auch der Forderung bereits entsprochen, keine Lehrerstellen wegen des Geburtenrückgangs abzuziehen, unterstrich die Vizevorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Renate Hendricks. 2010 und 2011 seien 2078 solcher Stellen erhalten worden, um Grundschulleiter zu entlasten und mehr Angebote für den Ganztag machen zu können.

Der VBE fordert allerdings, die demografischen Lehrerstellen-Gewinne aus den Grundschulen auch ausschließlich dort zu belassen. Laut Gutachten würden an den Grundschulen in Nordrhein-Westfalen bis zum Jahr 2019 rein rechnerisch fast 3900 Lehrerstellen weniger benötigt. - dpa

Quelle: wa.de

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