Unterrichtsausfall: Statistik zu aufwendig

DÜSSELDORF - Viele Eltern klagen über Unterrichtsausfall. Und die Rechnungshöfe aller Länder wüssten gerne, wie viel Stunden tatsächlich nicht erteilt werden. Kostet viel - bringt wenig, meinen Wissenschaftler der Universität Bochum.

Eine stichhaltige Erfassung des Unterrichtsausfalls in Nordrhein-Westfalen ist aus Sicht von Schulforschern nicht mit vertretbarem Aufwand zu leisten. Das geht aus einem Gutachten für das NRW-Schulministerium hervor. Je nach Erfassungsmodell könne der Aufwand bis zu 700 Lehrerstellen kosten, rechnen die Schulforscher von der Universität Bochum und der Fachhochschule Nordwestschweiz (Brugg) in ihrer Expertise vor. An diesem Mittwoch berät der Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags darüber.

Tatsächlich seien die Auswirkungen einer zeitlich beschränkten Abwesenheit von Lehrern auf den Lernerfolg aber nur gering, so dass ein solcher Aufwand nicht lohne, bilanzierten die Wissenschaftler. "Aus den Studien kann nicht geschlussfolgert werden, dass es sich beim Thema Unterrichtsausfall um ein erhebliches und bedeutsames Thema für die Leistungsentwicklung der Schüler handelt."

Der Landesrechnungshof hatte mehrfach eine Ausfallstatistik verlangt. In seinem Jahresbericht 2011 monierte er, dass im Schuljahr 2008/09 an 105 überprüften öffentlichen allgemeinbildenden Schulen rund 5,8 Prozent des planmäßigen Unterrichts ersatzlos ausgefallen seien - fast die Hälfte ging auf schulorganisatorische Gründe zurück. Das Schulministerium war damals anhand einer deutlich kleineren Stichprobe nur von einer Fehlquote von 2,3 Prozent ausgegangen.

Solche Unschärfen gebe es auch in anderen Bundesländern, stellten die Gutachter fest. Dies liege an sehr unterschiedlichen Definitionen, was als kompletter Unterrichtsausfall und was noch als Vertretungsunterricht gelte. Die Erfassung der Daten sei ebenfalls sehr verschieden. Und alle Rechnungshöfe kämen zu anderen Zahlen als die jeweiligen Landesministerien. Mit Ausnahme von Hessen, Niedersachsen und dem Saarland gebe es für alle Bundesländer Informationen über Erhebungen zum Unterrichtsausfall im Internet.

Die Kosten für eine valide, einheitliche Datenerhebung seien aber nicht zu rechtfertigen. "Die Gutachter plädieren dafür, Ressourcen nicht in die Erfassung, sondern die Vermeidung von Unterrichtsausfall zu stecken", heißt es in dem 72 Seiten starken Bericht.

Der Lernerfolg hänge nach den Ergebnissen der internationalen Forschung maßgeblicher von der Qualität des Unterrichts und von der Anwesenheit der Schüler ab. Insofern sei eine individuelle Förderung von Schülern mit häufigen und längeren Fehlzeiten wichtiger als die Ausfallstatistik.

Verbesserungen der Erfassung seien dennoch möglich: So könne die Rechenschaftspflicht der Schulen gegenüber der Schulkonferenz gestärkt werden. Dazu sollte das Land Standardvorgaben für die Berichte machen, schlugen die Gutachter vor. - dpa

Quelle: wa.de

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