Drama in Köln

5 Jahre nach Archiv-Einsturz: Ursachensuche dauert

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Blumen, eine Flasche Kölsch und Grablichter stehen in Köln an einem Mahnmal am Bauzaun der Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs. Am Montag jährt sich der Einsturz zum fünften Mahl.

KÖLN - Fünf Jahre ist es her, seit das Kölner Stadtarchiv einstürzte. Die Aufarbeitung zieht sich mit quälender Langsamkeit hin. Dieses Jahr wird vielleicht endlich die Ursache ermittelt. Alles Weitere dauert noch Jahre. Oder Jahrzehnte.

Noch immer tun sich am einstigen Standort des Kölner Stadtarchivs Abgründe auf. Stahlgerüste, Leitungen und Rohre führen in die Tiefe. Noch darunter muss sich irgendwo die Einsturzursache verbergen. Aber die Ermittler sind da noch nicht angekommen. Still ruht der Beweis.

Am Montag, 3. März, ist es fünf Jahre her, seit das Archiv einstürzte. Durch einen makaberen Zufall fällt der Jahrestag auf Rosenmontag. Das hat zur Folge, dass die Kranzniederlegung mit Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) sehr früh stattfinden muss, um halb acht. Das Stadtoberhaupt hat anschließend noch Verpflichtungen im Karneval. Manche sagen, dies allein sei im Grunde genug, um einschätzen zu können, wie wichtig die Aufarbeitung des Archiveinsturzes in Köln genommen wird.

Immerhin hat die Stadt vergangenen Montag zum ersten Mal ziemlich klar und deutlich gesagt, auf wen sie den Einsturz mit zwei Toten und einer Milliarde Euro Schaden zurückführt: Demnach waren es die Unternehmen, die unter dem Archiv die neue U-Bahn gebaut haben. Oberstadtdirektor Guido Kahlen sprach von einem "Ausführungsfehler", weil eine der unterirdischen Wände vermutlich ein großes Loch gehabt habe. Dadurch seien wohl so viel Wasser, Sand und Kies abgeflossen, dass das Archiv unterspült wurde und einstürzte.

Bewiesen ist das alles noch nicht. Dazu müssen dieses Jahr erst einmal Taucher die unter dem Grundwasserspiegel gelegene Wand mit dem vermuteten Loch untersuchen. In jahrelanger Arbeit wurde dafür ein komplizierter Schacht unter der Erde errichtet. Die Konstruktion soll verhindern, dass es zu weiteren Erdverschiebungen kommt und die Beweise dadurch vernichtet werden.

Aus diesem Grund hat die Staatsanwaltschaft bisher auch noch keine Anklagen erhoben. Um der nach fünf Jahren einsetzenden Verjährung vorzubeugen, hat sie allerdings 106 Beschuldigte benannt - alles Menschen, die in irgendeiner Weise am U-Bahn-Bau beteiligt waren. Hohe Chefs wie der ehemalige Technik-Vorstand der Kölner Verkehrs-Betriebe sind nicht dabei. Sie alle haben ab Montag, wenn die Verjährung eintritt, nichts mehr zu befürchten.

Die Restaurierung der Archivalien wird schätzungsweise 30 bis 40 Jahre in Anspruch nehmen. 95 Prozent des Archivguts konnten geborgen werden, 5 Prozent gelten als verloren. Der überwiegende Teil des Materials ist noch auf Asylarchive im ganzen Bundesgebiet verstreut. Demnächst sollen die Dokumente im ehemaligen Landesarchiv in Düsseldorf zwischengelagert werden.

Der Neubau des Archivs an einem nicht mehr ganz so zentralen Standort in Köln wird frühestens 2019 fertig werden. Eigentlich sollte er schon 2015 bezogen werden, doch die Bauarbeiten haben noch nicht angefangen, weil noch einmal umgeplant wird: Um Geld zu sparen, wird des Bau kleiner als geplant.

Wenigstens eine positive Folge könnte das Unglück gehabt haben. "Vor dem Einsturz hat sich Köln immer nur gefeiert", meint der Kabarettist Jürgen Becker. "Das war im Grunde immer nur: Wir sind, wie wir sind, und so wie wir sind, sind wir perfekt. Das hat sich durch den Archiv-Einsturz geändert."

# dpa-Notizblock

Quelle: wa.de

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