Staatsanwalt fordert lebenslange Haft für Ex-SS-Mann

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Der Angeklagte Siert Bruins (rechts) mit seinem Anwalt Klaus-Peter Kniffke im Landgericht in Hagen.

[Update 17 Uhr] HAGEN - Im Prozess gegen den Kriegsverbrecher Siert Bruins vor dem Schwurgericht des Landgerichts Hagen beantragte Oberstaatsanwalt Andreas Brendel gestern wegen heimtückischen Mordes eine lebenslängliche Haftstrafe.

Der Leiter der Dortmunder Zentralstelle für die Bearbeitung nationalsozialistischer Massenverbrechen stützte sein Plädoyer vor allem auf Dokumente aus den niederländischen Gerichtsverfahren, in denen die Vorgesetzten des Angeklagten ausgesagt hatten. „Zweifel an der Glaubwürdigkeit der damaligen Aussagen bestehen nicht“, betonte Brendel.

Bruins direkter Vorgesetzter August Neuhäuser „hätte keinen Grund gehabt, Bruins nicht in die Pläne zur Erschießung Aldert Klaas Dijkemas einzuweihen“, sagte Brendel. Es sei auch wahrscheinlich, dass beide Begleiter in der Nacht vom 21. auf den 22. September 1944 auf den Widerstandskämpfer geschossen hätten. Dies gehe aus Äußerungen Neuhäusers gegenüber einem noch in der Tatnacht herbeigerufenen Arzt hervor.

Aussagen eines Kollegen belegten zudem, dass es in der Dienststelle in Delfzijl nicht lebensgefährlich war, die Beteiligung an Erschießungen zu verweigern. Im ersten Mordprozess gegen Siert Bruins, in dem der Breckerfelder 1980 wegen des Mordes an zwei Juden zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, hatte die Staatsanwaltschaft das Mordmerkmal der Heimtücke bei der Tötung Dijkemas verneint.

Dies sah Andreas Brendel nun anders: „Das Opfer war arglos“, hob er hervor. Dass der Widerstandskämpfer bis unmittelbar vor der Tat ahnungslos war, was mit ihm geschehen solle, dokumentierten vor allem seine Hände, die der Tote noch immer in der Hosentasche hatte.

Sollte Siert Bruins seine Haftstrafe tatsächlich antreten müssen, würden ihm die wegen des Doppelmordes bereits verbüßten sieben Jahre angerechnet. Rein theoretisch würde dann nicht nach 15, sondern bereits nach acht Jahren erstmals seine mögliche Haftentlassung geprüft. Der Prozess wird am 6. Januar mit weiteren Plädoyers fortgesetzt. - Thomas Krumm

Quelle: wa.de

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