EHEC-Sprossen: Lieferweg führte womöglich über den Großhandelsverbund Manss

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Beim Großhändler Manss in Hamm wurden vorsichtshalber Sprossen aus Niedersachsen vernichtet.

HAMM/DÜSSELDORF - Auslöser der EHEC-Epidemie sind mit sehr großer Wahrscheinlichkeit die bereits verdächtigten Sprossen. An diesem Gemüse wurden in NRW erstmals Bakterien des aggressiven Typs O104 entdeckt, teilte das NRW-Verbraucherschutzministerium am Freitag mit. Die Sprossen stammten nach bisherigen Erkenntnissen aus dem unter Verdacht stehenden Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel. Nach Informationen unserer Zeitung gilt es als sehr wahrscheinlich, dass die Ware über den Hammer Großhandelsverbund Manss (Marke Handelshaus Viktoria) vertrieben wurde.

Die belasteten Sprossen wurden in einer geöffneten Packung gefunden, die in der Mülltonne einer Familie aus Königswinter bei Bonn lag. Mutter und Tochter seien beide schwer an EHEC erkrankt, teilte das NRW-Verbraucherschutzministerium mit. Der Vater habe nicht von den Sprossen gegessen und die nicht ganz aufgebrauchte Packung zu den Behörden gebracht. Damit sei erstmals eine ununterbrochene Kette zwischen infizierten Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel und erkrankten Personen nachgewiesen, so das Ministerium.

Bei der Firma Manss waren Anfang der Woche ohnehin große Mengen von Sprossen aus Bienenbüttel vorsichtshalber vernichtet worden. Nach Angaben der Unternehmensleitung seien direkt in Hamm bislang keine EHEC-Spuren nachgewiesen worden. Zudem liefere man keine Ware in die Region Königswinter; wie die Sprossen dorthin gelangten, könne man nicht nachvollziehen. Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, hatte zuvor in Berlin jüngste Ermittlungsergebnisse vorgestellt, die den Verdacht auf Sprossen erhärteten.

Zugleich hoben die Behörden die verhängte Warnung vor dem Verzehr roher Tomaten, Gurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland auf. Die Warnung vor rohen Sprossen bleibt dagegen bestehen. „Wir sind ein Stück weit erleichtert“, sagte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) betonte jedoch, EHEC-Entwarnung könne noch nicht gegeben werden. Die Zahl der Neuerkrankungen sei aber deutlich rückläufig. Bundesweit hat der Darmkeim bislang mindestens 31 Menschen getötet.

Der Hof in Bienenbüttel im Kreis Uelzen, der seit vergangenem Sonntag im Fokus der Öffentlichkeit steht, ist inzwischen komplett gesperrt und darf kein Gemüse mehr in den Handel liefern. Bisher galt das Verkaufsverbot nur für Sprossen.

Unterdessen kündigte Russland an, die Einfuhr von Gemüse aus den 27 EU-Staaten nur mit einer Sicherheitsgarantie wieder zu erlauben. - dpa/WA

Quelle: wa.de

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