Spielemesse Gamescom in Köln

Die Computerspiel-Branche wird mobil

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Eine Frau spielt in Köln mit der mobilen Spielekonsole "Play Station Vita".

KÖLN - Einen Spiele-Computer haben viele Leute permanent in der Tasche: das Smartphone. Immer mehr Nutzer füllen Pausen mit "Angry Birds" oder dem "Landwirtschafts-Simulator". Diesen Trend wollen sich auch die Großen der Branche nicht mehr entgehen lassen.

Von Christof Kerkmann

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Über Spiele fürs Handy haben sie bei Sony immer ein wenig die Nase gerümpft. Der kleine Bildschirm, die unpräzise Steuerung über den Touchscreen - mit einer mobilen Konsole wie etwa der Playstation Vita aus eigenem Hause sei das nicht zu vergleichen, lautete das Mantra des japanischen Konzerns. Doch nun will Sony selbst einige seiner Klassiker für Smartphones herausbringen: Ab Herbst soll der Dienst Playstation Mobile auf diversen Android-Geräten laufen. Auf der Gamescom in Köln kündigte das Unternehmen neue Kooperationspartner an. Damit ist Sony nicht allein - mobile Spiele sind der große Trend der Messe.

Der Absatz von Smartphones und Tablet-Computern boomt. Und sie dienen immer öfter als Pausenfüller: Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Deloitte spielt inzwischen jeder dritte Handynutzer in Deutschland (32 Prozent) mit dem Mobiltelefon, deutlich mehr als noch vor einem Jahr (24 Prozent). Die Spiele punkteten mit einem bequemen Zugang über Apps und dank Touchscreens mit einer einfachen Bedienung, erklärt Deloitte.

Die Unterwegs-Spieler sind nicht nur zahlreich, sondern auch zahlbereit. "Smartphone-Nutzer sind daran gewöhnt, Geld auszugeben, zum Beispiel für Apps", sagt Jens Begemann, Gründer und Chef des Berliner Startups Wooga. Das gelte besonders für iPhone und iPad: "Apple hat die Bezahlung optimiert", sagt Begemann. Zudem hätten die Käufer der Kultmarke ein relativ hohes Einkommen. Daraus hat der Unternehmer Schlüsse gezogen: Die Hälfte seiner 200 Mitarbeiter widmet sich nicht mehr dem bisherigen Stammgeschäft mit Facebook-Spielen, sondern Titeln für die mobilen Plattformen.

Sony hat erst vor wenigen Monaten eine neue mobile Konsole, die Playstation Vita, auf den Markt gebracht. Trotzdem will der japanische Konzern nicht auf die Daddler verzichten, die einen Spiele-Snack suchen. Hier soll der Dienst Playstation Mobile helfen, über den Nutzer vor allem ältere Titel für die erste Generation der Playstation herunterladen können. Neben HTC wollen auch Asus und Wikipad Geräte damit anbieten, Sony selbst rüstet diverse Tablets, Smartphones sowie seine mobile Konsole Playstation Vita damit aus. "Es liegt nahe, den erstklassigen Katalog für die Playstation 1 für die Millionen von Android-Geräten verfügbar zu machen", sagt Uwe Bassendowski, Chef der deutschen Playstation-Sparte.

Dank der niedrigen Entwicklungskosten für mobile Spiele konnten viele kleine Anbieter vormachen, wie es geht. Einige von ihnen sind damit groß geworden, etwa die "Angry Birds"-Macher von Rovio. Mittlerweile wollen auch die Spiele-Riesen, die mit einem einzigen Blockbuster Hunderte Millionen Dollar verdienen können, von dem Boom profitieren. "Wir erhöhen unsere Investitionen, weil wir einen robusten Markt und eine unglaublich große Basis an Smartphones und Tablet-Computern sehen", sagt etwa Activision-Chef Eric Hirshberg.

Auch Electronic Arts setzt auf die mobilen Spiele. Dank der rasanten Verbreitung von Smartphones habe die Branche die Chance, zwei Milliarden Spieler in aller Welt zu erreichen, sagt Top-Manager Frank Gibeau. "Das ist ein großer Wachstumstreiber für unser Geschäft."

Mobile Spiele sind typische Pausenfüller. Doch dank immer schnellerer Prozessoren und brillanter Displays eignen sich die Smartphones und Tablets inzwischen auch für aufwändige Titel. "In dem Maße, in dem sich mobile Endgeräte verbreiten und immer leistungsfähiger werden, werden sie auch immer mehr für anspruchsvollere Intensivspieler interessant", sagt Axel Schmidt, Sprecher des Entwicklers Gameforge. Für sein Unternehmen eine wichtige Zielgruppe: Der Pionier bei Online-Spielen erreicht mit einigen Titeln wie "Aion" oder "Tera" Rollenspiel-Fans, die viel Zeit mit ihren Helden verbringen.

Immer mehr, immer bessere Spiele für Smartphone und Tablet: Dieser Trend könnte den mobilen Konsolen wehtun. Zwar verweisen Sony und Nintendo darauf, dass ihre Geräte für Gamer entwickelt worden seien und über ausgefeilte Steuerungsmöglichkeiten verfügten, mit denen ein Touchscreen nicht mithalten könne. Und gerade die Zwischendurch-Spiele sprechen eine neue Zielgruppe an, die sich ohnehin keine Konsole kaufen würde. Doch der Abstand schrumpft: Die Hardware-Hersteller protzen mit immer potenterer Hardware, neues Zubehör rüstet auch die mobilen Geräte um Steuerungsmöglichkeiten jenseits von Drücken und Wischen auf.

Quelle: wa.de

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