Qualvoller Hungertod

Soesterin erhält die Höchststrafe für Babymord

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Die Angeklagte am Dienstag mit ihrem Anwalt Matthias Meier im Gerichtssaal.

SOEST/ARNSBERG - „Sie hat keinen Gedanken an ihr hilfloses Kind verschwendet und es qualvoll verdursten und verhungern lassen.“ So hat am Mittwoch das Arnsberger Schwurgericht die lebenslange Freiheitsstrafe für die 22-jährige Soesterin begründet, die vor acht Monaten ihren drei Monate alten Säugling allein zu Hause zurückließ, um eine mehrtägige Drogen-Party zu feiern.

Von Holger Strumann

Noch im Gerichtssaal stellte die Strafkammer einen neuen Haftbefehl für die junge Mutter aus, die seit Aufdeckung der Tat am 18. November in Untersuchungshaft sitzt. Eine Stunde lang begründete Richter Willi Erdmann, warum die Kammer der Mordanklage der Staatsanwaltschaft folgte und nicht dem Plädoyer des Verteidigers, der von fahrlässiger Tötung sprach.

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Den Unterschied zwischen Mord und Totschlag, so Erdmann, machen die besonders verabscheuungswürdigen Merkmale aus: Die Soesterin habe grausam gehandelt, weil sie ihrer Tochter über das für das Töten erforderliche Maß hinaus „körperliche und seelische Schmerzen“ zugefügt habe. Ein Gutachter hatte im Prozess geschildert, wie das Kleinkind seine letzten Stunden, womöglich vielleicht sogar ein oder zwei Tage durchlitten haben muss: So ein Baby empfinde erheblichen Stress, Leiden und Qualen, bevor es bewusstlos wird und schließlich stirbt.

Und es komme ein zweites Mordmerkmal hinzu: niedrige Beweggründe. Ein hilflosen Baby allein zu lassen und dieses grauenhafte Leid in Kauf zu nehmen nur um seines eigenen Vorteils Willen, sei höchst verachtenswert. Diese Gesellschaft, so der Richter, kenne kaum Verbrechen, die sie mehr verabscheue: „Das ist sittlich unterste Stufe.“

Dabei hätte es Auswege gegeben. Die Frau, die zweimal die Woche von der Familienhilfe unterstützt wurde, die einen gesetzlichen Betreuer hatte, der sich um das Finanzielle und Medizinische gekümmert hat, hätte nur eines der ihr bekannten Angebote nutzen müssen: Die Hilfe ihrer Pflegeeltern, eine Mutter-und-Kind-Einrichtung oder die befreundete Familie, die sie begleitete.

Der letzte Verhandlungstag mit Urteilsverkündung im Ticker

Doch statt dessen tauchte die (zur Tatzeit) 21-Jährige Mitte Oktober unter. Sie lernte auf einer Drogen-Party in Münster einen neuen Bekannten kennen und brach von dem Tag an die Kontakte zu den Sozialdiensten ab. Denen machte sie weiß, sie sei zurzeit im Urlaub. Als die Helfer restlos misstrauisch wurden, war es zu spät.

Am Halloween-Tag (31. Oktober) packte die Soesterin ihre Sachen, feierte drei Tage in einer Münsteraner Disko durch und schluckte Ecstasy-Pillen. Am 5. November kehrte sie zu ihrem inzwischen gestorbenen Baby zurück, schlief eine Nacht in der Wohnung und zog erneut zu Partys und Freund los.

Quelle: wa.de

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