Hohes Gehalt

Gabriel berät Tönnies: Empörung nach Arroganz-Interview des Ex-SPD-Chefs

Sigmar Gabriel, ehemaliger Vorsitzender der SPD, hat mehrere Monate den Konzern von Clemens Tönnies beraten und daran gut verdient. Seine Rechtfertigung ört seine alten Genossen.

  • Sigmar Gabriel, Ex-Chef des SPD, war für einige Monate als Berater im Konzern von Clemens Tönnies beschäftigt
  • Nach dem Ausbruch des Coronavirus* in dem Schlachthof sind die schlechten Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter wieder ein großes Thema
  • Gabriel bekommt viel Kritik für seinen Job und das gewaltige Beraterhonorar

Rheda-Wiedenbrück - Wieder Ärger um die Firma von Clemens Tönnies - diesmal geht es um Sigmar Gabriel. Der Ex-Vorsitzende der SPD hat von März bis Mai 2020 den Konzern aus Rheda-Wiedenbrück (NRW) beraten. Kritik an seinem üppigen Gehalt kann Gabriel nicht verstehen und kontert ziemlich selbstbewusst - manche sagen sogar arrogant.

PersonSigmal Gabriel
Geboren12. September 1959
Größe1,78 Meter
AusbildungGeorg-August-Universität Göttingen
Ehepartnerinnen:Anke Stadler (verh. 2012), Munise Demirel (verh. 1989–1998)
Kinder:Saskia Gabriel, Marie Gabriel, Thea Gabriel

Vorneweg: Mit dem Ausbruch des Coronavirus in dem Schlachthof von Tönnies* hat der Fall nichts zu tun. Schon bevor sich viele hundert Mitarbeiter des Konzerns in Rheda-Wiedenbrück mit Covid-19 infiziert hatten, stand Sigmar Gabriel auf der Gehaltsliste. „Es gab ein dreimonatiges Beratungsverhältnis mit Tönnies“, sagte Gabriel. Der ehemalige SPD-Chef habe „handelsrechtliche Fragen“ für Tönnies klären sollen. Dabei sei um Exportfragen gegangen, berichtet wa.de*.

Sigmar Gabriel erhält dickes Honorar von Tönnies

Sein Honorar bei Tönnies war offenbar gewaltig. Das ARD-Magazin „Panorama“ hat erfahren, dass Sigmar Gabriel monatlich 10.000 Euro von Tönnies für seine Tätigkeit bekommen habe. Hinzu seien Honorare für Dienstreisen bezahlt worden. Gabriel habe zwei Jahre für Tönnies arbeiten sollen, doch der Ex-Chef der SPD habe die Beratung bereits nach drei Monaten beendet. Die Kritik an Gabriel ließ nicht lange auf sich warten. Während die Mitarbeiter bei Tönnies für winzige Löhne täglich mehrere Tonnen Fleisch zerlegen*, bekomme ein Politiker ein gewaltiges Gehalt für Lobbyarbeit.

Clemens Tönnies hatte den Ex-Chef der SPD, Sigmar Gabriel, für seinen Konzern als Berater angelegt. Dafür bekommt Gabriel nun viel Kritik.

Die „Bild“-Zeitung suchte das Gespräch mit Sigmar Gabriel und Reporter Paul Ronzheimer sprach den ehemaligen Politiker genau auf die 10.000 Euro an. Das Statement von Gabriel ist, nett gesagt, selbstbewusst. „Also erstmal sind 10 000 Euro, für Leute die das hören, viel Geld. [...] Wir haben davon bei uns im Unternehmen Mitarbeiter zu beschäftigen. Ich glaube das gehört bei den Beratungsunternehmen eher in den unteren Rang. Das klingt für Menschen sehr viel, wir haben für diese Tätigkeit das drei Monate lang bekommen.“ An dem Job, so Gabriel weiter, sehe er nichts Unanständiges. „Ich bin kein Politiker mehr“, sagte Gabriel dem „Spiegel“ zu seinem Honorar.

Gabriel bekommt viel Kritik für Job beim Tönnies

Für seinen Job bei Tönnies bekommt Gabriel jetzt aber richtig Gegenwind aus seiner Partei. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sagte in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“, sie verstehe die Entscheidung Gabriels nicht. „Das geht gar nicht und ich glaube, das weiß Sigmar Gabriel selbst auch.“ Die SPD-Politikerin Hilde Mattheis sprach im Deutschlandfunk von „Gschmäckle“. Gabriel sei wirtschaftspolitisch aktiv gewesen und arbeitete nun für so ein großes Unternehmen. Mit Blick auf das Honorar sagte die SPD-Linke, im gleichen Unternehmen arbeiteten Menschen „unter unsäglichen Bedingungen“ und zu einer „wahnsinnig schlechten Bezahlung“.

Und auch Arbeitsminister Hubertus Heil, der die Arbeitsbedingungen bei Tönnies kritisiert hat, ärger sich: „Das, was er jetzt macht, ist wahrscheinlich legal. Legitim? Darüber muss man diskutieren. Ich sage es mal in den Worten meiner Mutter: Es gibt Situationen, da kommt mir das Gefühl, so was macht man nicht“, sagte Heil bei „Bild“. 

Gabriel nimmt Tönnies in Schutz: Kritik überzogen

Sigmar Gabriel verteidigt dagegen seine Arbeit für Tönnies.  „Ich kann an dem Beratungsverhältnis mit einem großen Arbeitgeber nichts Problematisches erkennen“, sagte er dem „Spiegel“. „Tönnies macht nichts Verbotenes.“ Zudem nimmt er Tönnies nach dem Ausbruch des Coronavirus in seinem Schlachthof in Schutz. „Ich glaube, dass Clemens Tönnies gerade das Gesicht für den gesamten Corona-Frust in der Bundesrepublik ist.“ Die Kritik an den Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie sei zwar berechtigt. Dass Tönnies nun zum Buhmann gemacht werde, halte Gabriel für "überzogen". „Tönnies hat sich an Recht und Gesetz gehalten, er ist kein Verbrecher. Es sind sicher im Unternehmen, in der gesamten Branche Fehler unterlaufen.“

Tönnies hatte nach den Negativschlagzeilen der vergangenen Wochen auch seinen Job als Vorsitzender des Aufsichtsrates beim FC Schalke abgegeben*. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare