Werbe-Kampagne: Düsseldorf in Arroganz-Falle

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Düsseldorf: Der Stadt am Rhein wird oft arroganz vorgworfen. Politiker kippen noch Öl ins Feuer.

DÜSSELDORF - Das Gebaren im vergleichsweise reichen Düsseldorf wird vom ärmeren Umland regelmäßig als Zumutung empfunden. Eine Werbekampagne erhitzt nun die Gemüter. Im Düsseldorfer Rathaus ist man um Schadensbegrenzung bemüht.

Von Frank Christiansen

"Da möchte man doch nicht tot überm Zaun hängen" - so war Düsseldorfs Alt-Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) im Frühjahr über das Ruhrgebiet hergezogen. Prompt waren seine politischen Tage im Amt gezählt.

Vielen Düsseldorfern ist das Image als arrogant und schnöselig unangenehm. Doch jetzt muss sich auch sein Nachfolger Thomas Geisel (SPD) gegen den Vorwurf der typischen Düsseldorfer Überheblichkeit wehren.

Düsseldorf wirbt um die Einkaufswütigen aus dem Umland. 120.000 Euro lassen sich Landeshauptstadt und Einzelhandel das vor dem lukrativen Weihnachtsgeschäft kosten. 400 Plakatflächen wurden in den umliegenden Städten gebucht. Der Slogan: "Das Leben ist zu kurz, um langweilig shoppen zu gehen! Düsseldorf". Der in einigen Nachbarstädten ums nackte Überleben kämpfende Einzelhandel sieht damit seine eigenen Einkaufszonen herabgesetzt.

Wuppertal sieht Kampagne als Provokation

Alt-Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU).

Besonders in Wuppertal fühlen sich Einzelhändler an den "Zaun"-Spruch von Ex-OB Elbers erinnert: Die Kampagne sei eine Provokation und arrogant, ließen sie die Düsseldorfer über die Regionalzeitungen wissen. Es knüpfe an die viel geschmähte Kampagne der Düsseldorfer CDU an. "Sie verlassen den schuldenfreien Sektor", hatte die etwa an den Stadtausfahrten plakatiert.

Im Wuppertaler Rathaus zeigt man sich diplomatisch: "Wir wollen die Kampagne nicht bewerten." In Düsseldorf ist man derweil um Schadensbegrenzung bemüht. "Es geht nicht darum, andere Städte schlecht zu machen, sondern für den Einzelhandel in Düsseldorf zu werben", beteuert Roman von der Wiesche, Sprecher der verantwortlichen Düsseldorfer Marketing-Tochter DMT. "Essen, Krefeld, Roermond und Venlo werben in Düsseldorf auch um Kunden, das ist doch völlig normal. Deswegen können wir die Kritik nicht nachvollziehen."

Geisel will andere Akzente setzen

Thomas Geisel (SPD) will andere Akzente setzen.

Ein Sprecher des Düsseldorfer Oberbürgermeisters verweist darauf, dass die Kampagne im Sommer noch während der Amtszeit des Vorgängers entwickelt und verabschiedet worden sei. Der neue Rathauschef habe sie im September bei seiner ersten Sitzung im DMT-Aufsichtsrat "zur Kenntnis genommen". Dabei habe er nicht gesehen, dass das Plakat als Kritik empfunden werden könnte.

"Wir würden die Kampagne so nicht machen, aber wir kritisieren sie auch nicht. Es wird niemand diffamiert oder herabgewürdigt", sagt der Sprecher auf Anfrage. Grundsätzlich habe man nichts gegen derartige Kampagnen: "Köln darf schließlich auch in Düsseldorf werben, etwa der Kölner Zoo: "Schaut euch die Kölner Affen an". Das finden wir richtig gut", heißt es im Düsseldorfer Rathaus. Ob sich die Nachbarstädte auf so viel Selbstironie aus Düsseldorf freuen dürfen? Oberbürgermeister Geisel werde demnächst "andere Akzente setzen". - dpa

Quelle: wa.de

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