Seltener Sommergast

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Rauchschwalben in ihrem Nest. ▪

DUISBURG ▪ Ein paar Minuten von der Autobahn entfernt haben 20 Schwalben-Paare ihre Heimat auf einem Bauernhof gefunden. Die Nester hängen in Reih und Glied unter dem Dach. „Hier gab es schon immer Schwalben“, berichtet Landwirt Reinhard Weyand über seinen Hof im ländlichen Duisburg-Baerl. Die Kühe sind zwar schon vor 40 Jahren aus den Ställen verschwunden und mit ihnen die Fliegen. „Die Schwalben sind aber geblieben“, sagt der 63-jährige Weyand. Sie nisten jetzt in einer Garage über Autos. Schwalben nutzen ihre Nester über Jahre.

Wie andere Naturschützer beklagt Jürgen Hinke, der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) in Duisburg, dass die Vögel mit dem markanten Schwanz keine geeigneten Nistplätze mehr finden. Als Kulturfolger zieht es Schwalben in die Nähe der Menschen. Doch Häuser mit Flachdächern, glattem Putz und Wärmedämmung bieten keine Bleibe. Und zum Nestbau fehlt in der zugebauten Landschaft das Material: „Schwalben brauchen Wasserstellen und Lehmkuhlen“, berichtet Hinke.

Früher war in jedem Viehstall Platz für mehrere Rauchschwalben-Paare. Heute sind viele Ställe verschlossen, die Tiere finden keine Einflugluken. Seit 1980 ging nach Angaben des Düsseldorfer Umweltministeriums der Bestand aller Brutvögel in Nordrhein-Westfalen um knapp 20 Prozent auf etwa elf Millionen zurück.

Mehl- und Rauchschwalbe stehen mit ihren Beständen in NRW als gefährdet auf der aktuellen Roten Liste. Um diesem Trend entgegenzuwirken, prämiert der Naturschutzbund erstmals „Schwalbenfreundliche Häuser“. Denn oft sind Hausbesitzer nicht gerade begeistert, wenn die  Flugkünstler ihr Quartier aufschlagen. Die Tiere hinterlassen Dreck und machen Wände schmutzig.

An die hundert Gebäude sind inzwischen in ganz NRW ausgezeichnet. Dabei sind viele Ställe, Bauern- und Wohnhäuser, aber auch eine Schule in Solingen, eine Kfz-Werkstatt, eine Pension, eine Gärtnerei und ein Bürogebäude. Im nächsten Jahr soll die Aktion weitergehen. „Das Interesse ist überraschend groß“, sagt Nabu-Sprecherin Birgit Königs.

Sibille und Reinhard Weyand stellen sich alljährlich auf ihre gefiederten Sommergäste ein: Sobald die Zugvögel einfliegen, wird die Garage zum Haus der offenen Tür. Auch in einem Lagerraum bleibt die Tür auf – hier haben Rauchschwalben ihre Nester auf eine Stromverteilerdose und an einem Wasserrohr an der Wand gebaut. Mehlschwalben haben sich auf dem Hof an der Außenwand unter dem Dachfirst eingenistet – etwa ein Dutzend graue Lehmnester hängen dort nebeneinander. Hier gehören die Vögel einfach dazu, und Reinhard Weyand sagt: „Schwalben bringen Glück“. ▪ dpa

Quelle: wa.de

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