Sechskampf vor NRW-Wahl: Disput im TV-Ring fällt sachlich aus

+
Von links: Katharina Schwabedissen (Linke), Hannelore Kraft (SPD), Sylvia Löhrmann (Grüne), Norbert Röttgen (CDU), Christian Lindner (FDP) und Joachim Paul (Piratenpartei) im Fernsehstudio.

MÖNCHENGLADBACH - Ein Höhepunkt im NRW-Wahlkampf: Sechs Spitzenkandidaten kreuzen im Fernsehen die Klingen. Nach dem TV-Duell Kraft-Röttgen stehen nun vor allem die kleinen Parteien im Mittelpunkt des Interesses.

Von Yuriko Wahl-Immel

Die 90 Minuten haben es in sich. Sechs Spitzenkandidaten, die unterschiedlicher kaum sein könnten, beziehen live Position im TV - und streiten munter. Anderthalb Wochen vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gehört ein sachlich geführter Schlagabtausch am Mittwochabend zu den Höhepunkten im Wahlkampf. Es geht um Schulden, Kitas, Benzinpreise, Pendlerpauschale oder Betreuungsgeld. Vier Polit-Profis, eine nahezu unbekannte Linke und ein kompletter Neuling von den Piraten liefern sich in der "Wahlarena 2012" einen verbalen Sechskampf ohne Samthandschuhe, aber auch ohne persönliche Frontalattacken.

Lesen Sie zum Thema auch:

Zitterpartie für Rot-Grün in NRW: Keine stabile Mehrheit sicher

Trotz der kurz zuvor bekanntgewordenen Umfrage, die erstmals keine Mehrheit mehr für SPD und Grüne sieht, sagte SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft, sie sei "zuversichtlich, dass es für Rot-Grün reicht". Die Ministerpräsidentin (50) dominiert in Mönchengladbach streckenweise, etwa beim Thema Mindestlohn. Ihr CDU-Herausforderer Norbert Röttgen (46) wirkt lockerer als am Montag beim WDR-Fernsehduell mit Kraft. Er habe Angst vorm Zahnarzt, bekennt der Bundesumweltminister - um dazu überzuleiten, dass striktes Sparen für einen soliden Haushalt aber nicht wehtue.

Viel Interesse gilt dem politisch unbeschriebenen Blatt Joachim Paul (54), der aber öfters passen muss: "Pendlerpauschale? Das kommt noch, da sind wir noch dran an der Entwicklung." Der Medienpädagoge, der sich vor zwei Jahren von seinem Sohn für die neue Partei anwerben ließ, schwimmt auch bei den Finanzen. So fordert er eine kostenfreie Kinderbetreuung ab einem Jahr für alle Kinder, räumt aber auf die Frage von Moderatorin Sabine Scholt - "Wer zahlt's?" - unumwunden ein: "Das ist 'ne gute Frage." Beantworten kann er sie nicht.

Grünen-Schulministerin Sylvia Löhrmann wirkt souverän, lehnt das Betreuungsgeld entschieden als "Antibildungsprämie" ab. Dennoch sitzen der 55-Jährigen sinkende Umfragewerte im Nacken: Nach der gerade bekanntgewordenen jüngsten Forsa-Erhebung ziehen die Piraten mit 10 Prozent erstmals gleich mit den Grünen. Rot-Grün käme aktuell im bevölkerungsreichsten Bundesland nur noch auf 47 Prozent - wie auch CDU, FDP und Piraten zusammen. Sowohl Löhrmann als auch Kraft nutzen da die Arena, um auch rot-grüne Gemeinsamkeiten hervorzuheben.

FDP-Hoffnungsträger Christian Lindner geht zunächst etwas hölzern und akademisch ran - mit Schlagworten wie "Dynamik in Volkswirtschaft nutzen." Der 33-jährige Ex-Generalsekretär der Bundes-FDP kommt ernsthaft daher, formuliert aber nicht immer so präzise wie sonst und weicht - etwa beim Betreuungsgeld - auch schon mal diplomatisch aus. Beim Thema Schule punktet er im Publikum, als er gegen eine Benachteiligung des beliebten Gymnasiums wettert. Einige Male fällt auf, dass er "Norbert", dem CDU-Kandidaten, zustimmt.

Die wenig bekannte Linken-Politikerin Katharina Schwabedissen macht eine gute Figur, verlangt einen "anständigen Mindestlohn", tritt als Anwältin der Armen auf und betont: "Wir fordern 'ne Millionärssteuer." Die Friedensaktivistin und Feministin ist eloquent und selbstbewusst.

Wer könnte mit wem in einer neuen Regierung? Da ist den Matadoren wenig Konkretes zu entlocken. "Wir hätten eine Ampel ja schon haben können (...), aber sind lieber in eine Neuwahl gegangen", sagt Lindner. Da rechne er eher mit einer großen Koalition. Darauf gehen Röttgen und Kraft nicht ein. Röttgen will eine "stabile Regierung", Kraft will "klare Verhältnisse". Und Pirat Paul windet sich wieder und sagt am Ende nur: "Das Konzept der Koalition bedarf eines Updates." - lnw

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare