"Schwarzbuch WWF" vor Gericht

KÖLN - Die Umweltstiftung WWF sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und hat deshalb einen kritischen Buchautor vor Gericht gebracht. Er soll auf eine ganze Reihe von Aussagen künftig verzichten.

Die Umweltstiftung WWF hat am Freitag vor Gericht einen Teilerfolg gegen den kritischen Buchautor Wilfried Huismann erzielt. Der Journalist und sein Verlag verpflichteten sich in einem Vergleich vor dem Landgericht Köln, Aussagen einer bestimmten WWF-Funktionärin in einer zweiten Auflage des Buches nicht zu wiederholen. In der Hauptsache besteht aber weiter Uneinigkeit. Das Gericht traf zunächst noch keine Entscheidung.

Verlagsjustiziar Rainer Dresen sagte, der Punkt mit der zitierten WWF-Funktionärin sei völlig nebensächlich, weshalb sich Verlag und Autor hier einem Vergleich nicht verschließen wollten. Der entscheidende Vorwurf des Buches sei, dass der WWF zu industrienah sei. Damit müsse sich der WWF argumentativ auseinandersetzen anstatt dagegen zu klagen.

Der WWF - Markenzeichen Panda - will eine einstweilige Verfügung gegen das "Schwarzbuch WWF" erwirken. 13 Einzelpunkte sollen nicht weiter verbreitet werden dürfen. Dabei geht es nach WWF-Darstellung um nachweisliche Falschaussagen. Natürlich sei es Huismanns gutes Recht, den WWF zu kritisieren, sagte der WWF-Anwalt Helge Reich. Man müsse aber keine Falschaussagen hinnehmen.

Der Hauptvorwurf des Buches lautet, dass der WWF viel zu eng mit Umweltzerstörern wie Ölkonzernen und sogar mit Militärdiktaturen kooperiere. Der WWF hält dagegen, wer wirklich etwas erreichen wolle, dürfe nicht nur demonstrieren, sondern müsse auch Kompromisse aushandeln. Mit reiner Opposition erreiche man gar nichts für die Umwelt.

Dresen sagte, der massive Widerstand des WWF gegen das Buch habe dazu geführt, dass es dem Verlag nun aus den Händen gerissen werde. Die erste Auflage sei schon vergriffen.

In der Sitzung am Landgericht ging es unter anderem um den Punkt, ob der WWF an einem Runden Tisch mit dem Gentechnik-Riesen Monsanto zusammenarbeitet. Der WWF argumentiert, dass er zwar ebenso wie Monsanto Mitglied des Runden Tisches sei, deshalb aber noch nicht mit dem Konzern zusammenarbeite. Monsanto ist der weltgrößte Agrar- und Biotechnikkonzern und unter anderem wegen seines gentechnisch veränderten Saatguts umstritten.

Die Streitparteien versuchten, ihre Positionen mit Karten und anderem zusätzlichen Informationsmaterial zu untermauern und griffen sich dabei heftig an. Richterin Margarete Reske sagte, die beiden Seiten bekämpften sich mit einer Vehemenz, die die Möglichkeit einer gütlichen Einigung zunehmend verstelle. Sie warne "sehr davor, dieses Verfahren hier aus dem Ruder laufen zu lassen".

Huismann hatte seine Recherchen auch in einem Film mit dem Titel "Der Pakt mit dem Panda" verarbeitet. Gegen einige Aussagen daraus hat der WWF vor dem Landgericht Köln bereits eine einstweilige Verfügung erwirkt. Huismann sagte am Freitag, der WDR habe dagegen Widerspruch eingelegt. - lnw

Quelle: wa.de

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