Löhrmann: Gemeinsames Lernen für Schüler boomt

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DÜSSELDORF - Immer mehr Eltern in Nordrhein-Westfalen wollen für ihre Kinder schulformübergreifendes Lernen. Zum neuen Schuljahr werden 51 neue Gesamt-, Sekundar-, und Primusschulen an den Start gehen, wie Schulministerin Sylvia Löhrmann sagte. Davon sind aber immer mehr Haupt-, Real- und Grundschulen betroffen.

Viele Eltern wollten die Bildungswege ihrer Kinder offenhalten, sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Dienstag in Düsseldorf. In nur drei Jahren seien in NRW fast 200 neue Schulen für längeres gemeinsames Lernen gegründet worden. Die CDU-Opposition kritisierte, die Unterrichtsqualität komme in NRW zu kurz.

Viele Haupt- und Realschulen, aber auch andere Schulformen werden durch die neuen Angebote überflüssig. Allein im Zuge der Neugründungen zum Schuljahr 2014/15 wird der Betrieb in 91 Grund-, Haupt-, Real-, Verbund- und Gemeinschaftsschulen auslaufen.

Fast jede dritte der 23 neuen Gesamtschulen geht im Regierungsbezirk Köln an den Start. Insgesamt gibt es dann 304 Gesamtschulen in NRW. 9 von 24 neuen Sekundarschulen werden im Regierungsbezirk Arnsberg den Unterricht aufnehmen.

In den 108 Sekundarschulen lernen Kinder mindestens in den Klassen 5 und 6 gemeinsam. Dies kann bis zur Klasse 10 so fortgesetzt oder anschließend ganz oder teilweise nach Bildungsgängen der klassischen Schulformen weiterunterrichtet werden. In völlig getrennten Laufbahnen wolle aber keine der neuen Sekundarschulen unterrichten, berichtete Löhrmann.

Dass in städtischen Regionen mehr Gesamtschulen und auf dem Land mehr Sekundarschulen gegründet werden, habe allein mit den Mindestschülerzahlen zu tun, sagte Löhrmann. Für eine neue Gesamtschule sind mindestens 100 Anmeldungen vorzuweisen, für eine Sekundarschule 75. Einige Anträge hätten deswegen nicht genehmigt werden können, sagte Löhrmann. Fünf Projekte in privater Trägerschaft sind derzeit noch in der Schwebe.

Der Schulversuch "Primus" für gemeinsames Lernen von Klasse 1 bis 10, der in diesem Schuljahr bereits in Minden angelaufen war, wird um weitere vier Teilnehmer in Schalksmühle, Viersen, Titz bei Jülich und Münster erweitert. In Herdecke, Oberhausen und Pulheim wurden dagegen die Mindestschülerzahlen nicht erreicht. Erst nach Beobachtung der ersten Primus-Schülergeneration könne entscheiden werden, ob aus dem Versuch eine Regelschule für "Bildungsbiografien ohne Brüche" werden könne, sagte Löhrmann.

Im Streit über die Kosten des gemeinsamen Unterrichts für Kinder mit und ohne Behinderung (Inklusion) setzt Löhrmann weiter auf eine Einigung mit den kommunalen Spitzenverbänden. Sie habe in der vergangenen Woche erneut deutlich gemacht, dass es Nachsteuerungsmöglichkeiten gebe, falls der veranschlagte Kostenrahmen nicht reiche, betonte sie.

Löhrmann bekräftigte zudem, dass die Kommunen noch bis August 2015 Zeit für eine Verfassungsklage hätten, falls ein Kostenkompromiss nicht trage. Die Regierung könne aber nur mit allen drei kommunalen Spitzenverbänden einen Vertrag schließen und warte jetzt auf ihre Entscheidung.

Ab dem kommenden Schuljahr zieht schrittweise ein Rechtsanspruch auf inklusiven Unterricht. Es bleibe abzuwarten, ob die Nachfrage nach den Sommerferien sprunghaft ansteige, sagte Löhrmann. "Wir können keinen Blankoscheck ausstellen."

Das Land hat angeboten, sich für fünf Jahre mit insgesamt 175 Millionen Euro an den Gesamtkosten für inklusiven Unterricht zu beteiligen. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Klaus Kaiser, nannte es unverantwortlich, mit den Kommunen weiterhin ums Geld zu schachern. - dpa

Quelle: wa.de

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