Die Schule bleibt im Dorf

Kleine Wege für kleine Füße, heißt das Motto

DÜSSELDORF ▪ Grundschulen in Nordrhein-Westfalen sollen künftig deutlich kleiner werden dürfen, ein Zurück zu den Zwergenschulen der Nachkriegszeit soll es aber nicht geben.

Von Detlef Burrichter

Ziel sei es, dass möglichst alle 396 Kommunen in NRW trotz rapide sinkender Schülerzahlen auch in Zukunft möglichst eine eigene Grundschule behalten, sagte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Ihr Konzept gegen das Schulsterben insbesondere in ländlichen Gebieten erläuterte sie gestern dem Landtag.

Die Mindestzahl der Schüler für eine eigenständig geführte Grundschule soll ab dem Schuljahr 2013/14 von heute 144 auf 92 Kinder gesenkt werden. Für den Erhalt von Teilstandorten sollen mindestens 46 Schüler ausreichen. Unterschreitet eine Grundschule auch diese Mindestzahl, ist aber die einzige Schule am Ort, soll sie trotzdem erhalten werden können. Dann allerdings soll in zwei jahrgangsübergreifenden Klassen unterrichtet werden.

Ausnahmslos alle Fraktionen im Landtag begrüßten das Konzept. „Wir wollen die Schule im Dorf lassen“, sagte CDU-Schulexperte Sternberg. Sein Parteikollege Klaus Kaiser forderte sogar, gut funktionierende Teilstandorte, wie es sie heute schon in Südwestfalen und im Münsterland gebe, auch mit nur 36 Schülern zu erlauben. Kaiser warb zudem in einer flammenden Rede auch für mehr Akzeptanz für jahrgangsübergreifenden Unterricht. Wenn sich Teile der Lehrerschaft dagegen sträubten, müsse die Landesregierung diesen Lehrern die Möglichkeit eröffnen, ihre Stelle zu wechseln.

FDP und Linke sahen die rot-grüne Landesregierung auf dem richtigen Weg. Kritik kam dagegen von den Lehrergewerkschaften. Die vorgesehenen Klassenhöchstwerte von 25 bis 29 Kindern seien zu hoch. „Bei 20 Kindern muss Schluss sein“, sagte Norbert Müller, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) forderte einen zweiten Konrektor für Grundschulen mit Teilstandorten. Außerdem seien die Grundschulen in NRW unterfinanziert.

Die Landesregierung will in diesem Frühjahr einen Gesetzentwurf vorlegen, der auch eine Übergangsregelung vorsieht: Schulen, die nach dem jetzt geltenden Recht schließen müssten, nach neuem Recht aber überlebensfähig sind, sollen über eine Ausnahmeregelung erhalten werden.

Quelle: wa.de

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