Schülermangel: Lippstädter Gymnasium schließt

LIPPSTADT ▪ Die demografische Entwicklung fordert erste Opfer bei den Gymnasien: Angesichts allgemein rückläufiger Schülerzahlen und des Spardiktats der Kommune stellt das Gymnasium Schloss Overhagen in Lippstadt den Unterrichtsbetrieb ein.

Knapp 600 Schüler besuchen das vor knapp 50 Jahren von Lehrern gegründete private Gymnasium. Ab kommendem Schuljahr sollen sie möglichst zum städtischen Ostendorf-Gymnasium wechseln. Neuaufnahmen werde es nicht mehr geben, erklärten Vertreter von Stadt und Schule. Mitte 2014 soll die Umstrukturierung abgeschlossen sein; dann ist das Schloss-Gymnasium Geschichte.

Eine Ursache für die einschneidende Maßnahme, über die Schüler, Eltern und Lehrer gestern informiert wurden, ist der Schülerschwund durch geburtenschwache Jahrgänge und den Wegfall eines ganzen Schüler-Jahrgangs 2013 in Folge des G 8-Abiturs. Bis 2017 wird NRW-weit mit einem Schülerrückgang von 17 Prozent gerechnet (verglichen mit 2007). Eine vor einem Jahr in Lippstadt gegründete Gesamtschule verschärft noch die Konkurrenzsituation vor Ort.

Zudem ist die Schule Opfer klammer Kommunalfinanzen. Bisher hatte die Stadt, die bei 70 000 Einwohnern über vier Gymnasien verfügt und damit laut Bezirksregierung Arnsberg „eine große Ausnahme“ in NRW darstellt, das private Gymnasium mit knapp einer Viertelmillion Euro jährlich alimentiert. Im Rahmen der Haushaltssanierung sollte der Zuschuss um 80 000 Euro gekürzt werden – für den mittellosen Schulverein, dessen Mitglieder ehrenamtlich tätig sind, hätte dies die „sofortige Insolvenz“ bedeutet, so der Vorsitzende Martin Westerfeld.

Deutliche Kritik übte Bürgermeister Christof Sommer am Land. Das habe sich der „Ideallösung“ verschlossen, die Privatschule zunächst als Außenstelle des einzigen städtischen Gymnasiums weiterzuführen. Auch hinsichtlich der Weiterbeschäftigung der nicht-verbeamteten Lehrer habe sich das Schulministerium unbeweglich gezeigt.

Von Eckhard Heienbrok

Quelle: wa.de

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