Die WM der Schnelltelegrafie wird zum ersten Mal in Deutschland ausgetragen

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Volle Konzentration schon beim Training: Die Weltmeisterschaft Schnelltelegraphie findet noch bis Sonntag in Bielefeld statt.

BIELEFELD - Es ist eine der wenigen Weltmeisterschaften, die unter striktem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. „Denn bei den Wettkämpfen der Schnelltelegrafie kommt es auf absolute Konzentration an“, erklärt DO7PR, für Nicht-Amateurfunker:

Heinrich Langkopf. Er gehört zu den Organisatoren der Morse-WM, die erstmals in Deutschland stattfindet, und zwar in Bielefeld.

Bis zum Freitag haben sich 150 Teilnehmer aus 23 Ländern in vier verschiedenen Altersklassen gemessen, „übrigens Männer und Frauen getrennt“, sagt Langkopf. „Warum, weiß ich aber nicht. Fast die Hälfte der Teilnehmer sind Frauen und in manchen Disziplinen sind die sogar manchmal besser.“ Die Teilnehmer im Alter von 14 bis 66 Jahren treten in vier Disziplinen an. Eine davon ist das Hören – möglichst viele Buchstaben, Zahlen und Zeichen innerhalb einer Minute erkennen und notieren. Der Laie hört nur einen Dauerton mit leichten Schwankungen. Die Könner schaffen bis zu 300 Buchstaben pro Minute, sagt Langkopf.

Wenn die Zeit um ist, schreiben manche Teilnehmer bis zu 15 Sekunden lang weiter, so viele Zeichen haben sie noch im Kopf. Dabei sind die völlig sinn- und zusammenhanglos, damit niemand einen Vorteil in seiner Muttersprache hat. Zum Vergleich: 300 Buchstaben sind übertragen 1000 Zeichen pro Minute. Das ist etwas schneller, als ein Nachrichtensprecher redet. Beim Tasten, dem zweiten Wettkampf, müssen in einer Minute möglichst viele Zeichen „runtergekloppt“ werden. Für Unsauberkeiten gibt es Punktabzüge, erklärt Langkopf. In der dritten Disziplin geht es darum, Rufzeichen zu hören, in der vierten um simulierten Hörfunkverkehr. Der frisch gebackene Weltmeister in dieser Kategorie, Fabian Kurz, erklärt, was das ist: „Das ist praktisch zehn Minuten lang Kuddelmuddel. Man muss in dieser Zeit möglichst viele Rufzeichen der Teilnehmer erkennen, eintippen und bestätigen.“ Der 27-Jährige („DJ1YFK“) hat 70 Zeichen erkannt und hat sich damit den Titel geholt. Sein Dauerrivale aus Bulgarien gratuliert ihm herzlich und schenkt ihm vier Dosen Bier.

Nach fast 170 Jahren Morsetelegrafie ist die Technik heute ziemlich aus der Mode gekommen, räumt Kurz ein. „Bis Ende der 1990er Jahre gab es die Morserei noch im Seefunk.“ Jetzt werde sie noch ein wenig als Notfalltechnik im militärischen Bereich gepflegt. Anders in Osteuropa: In Weißrussland etwa gebe es richtige „Schulen für Radiosport“. Weltweit wird die Zahl der Amateurfunker auf zwei Millionen geschätzt. „In Deutschland sind es einigermaßen stabil 80 000“, sagt Langkopf.

Die Töne werden erzeugt, indem mit der Taste aus einem Dauerton lange oder kurze Töne gemacht werden. Gemorst wird heute meist nicht mehr mit der Handtaste, sondern mit elektronischen Taste. Fast jeder kennt das Morsezeichen für den Notruf SOS: kurz kurz kurz, lang lang lang, kurz kurz kurz. Oder in der Lautsprache der Funker: „dit-dit-dit“, „dah-dah-dah“, „dit-dit-dit“. - dpa

Quelle: wa.de

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