Winterberg und Co.

Schnee-Ausflug ins Sauerland: Ansturm am Wochenende befürchtet

Am Wochenende in den Schnee? Ausflüge ins Sauerland nach Winterberg und Co. sind keine gute Idee. Auch in weniger bekannten Schnee-Gegenden bereiten sich Polizei und Ordnungsämter auf einen Ansturm vor.

NRW - Im trüben Lockdown-Januar ist Schnee für viele der einzige Lichtblick - verbunden mit der Aussicht auf Spaziergänge in der weißen Pracht und Rodel-Spaß auf der Piste. In den vergangenen Tagen, insbesondere am Wochenende, sorgten genau diese Ausflüge im Sauerland und in der Eifel für chaotische Verhältnisse. Der Ansturm an Tagestouristen war so groß, dass Polizei und Ordnungsämter Parkplätze und Pisten sperren mussten, um den Corona-Infektionsrisiken entgegenzutreten. Auch vor dem kommenden Wochenende (9. und 10. Januar) stellt sich wieder die Frage: Wie ist die Situation in den Skigebieten in Winterberg und Co.? Es gibt eindeutige Empfehlungen, von Ausflügen abzusehen. Wir geben hier einen Überblick (News zum Coronavirus)

Stadt Winterberg
Fläche147,9 Quadratkilometer
BürgermeisterMichael Beckmann
Bevölkerung13.710

Schnee im Sauerland in NRW: Kanzlerin Angela Merkel gegen unnötige Ausflüge

An der Situation hat sich nichts verbessert - im Gegenteil. Der Bund-Länder-Gipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder hat am Dienstag, 5. Januar, unter anderem Verschärfungen der Kontaktbeschränkungen beschlossen. Außerdem verwies die Bundeskanzlerin ausdrücklich darauf, dass solche Ausflüge in den Schnee derzeit nicht gewünscht sind.

Nicht zuletzt wegen dieser Aktionen ist die neue Corona-Maßnahme des eingeschränkten Bewegungsradius in Hotspots hinzugekommen. Bevor man sich also auf den Weg macht, sollte man bedenken, dass das in Corona-Zeiten und aufgrund der Umstände in den Skigebieten - etwa in Winterberg im Sauerland - nicht ratsam ist. Vor allem, dass in vielen Orten Pisten und Parkplätze gesperrt sowie Gastronomie und Sanitäranlagen geschlossen sind.

Ausflüge in den Schnee: Polizei und Ordnungsämter in Sauerland, Eifel und im Märkischen Kreis gerüstet

Trotz der vielen Sperrungen sind Polizei und Ordnungsämter unter anderem im Sauerland und in der Eifel bereits in Vorbereitungen auf erneute Touristenmassen am Wochenende. Eine wachsende Zahl von Skigebieten im gesamten Hochsauerland, in Olpe sowie im Eifelort Hellenthal und im nordhessischen Willingen haben die Kommunen ein Betretungsverbot ausgesprochen oder bereiten es vor.

Ordnungsämter und Polizei kündigten an, Präsenz zu zeigen und gegen Verstöße gegen die Corona- oder Verkehrsregeln konsequent vorzugehen. Sofern es nötig werde, könnten auch Zufahrtsstraßen wieder abgeriegelt werden, hieß es etwa mit Blick auf Winterberg. „Wir stellen uns wieder mit starken Kräften auf“, sagte die Sprecherin der Kreispolizei Hochsauerland. Abermals seien Kollegen der Bereitschaftspolizei und Reiterstaffel zur Unterstützung im Einsatz. Auch im Kreis Euskirchen bereitet sich die Polizei darauf vor, die Kräfte des Ordnungsamtes zu unterstützen, wenn nötig.

Schnee in NRW - bald auch in tieferen Lagen? Rodel-Spaß dann vor der eigenen Haustür

Auch abseits von Sauerland und Eifel dürfte in vielen Teilen von NRW schon Mitte der Woche Schnee fallen. Sich dann Corona-konform vor der eigenen Haustür in die Natur zu begeben, stellt in vielen Fällen kein Problem dar. Dennoch wichtig zu wissen: Auch lokal beliebte Rodelhänge außerhalb bekannter Skigebiete sind in dieser Woche bereits überrannt worden, was zu Problemen im Straßenverkehr geführt hat - etwa an der Nordhelle oder an der Homert im Märkischen Kreis.

Deshalb stellt sich die Polizei im Märkischen Kreis auf einen größeren Einsatz zwischen Meinerzhagen und Herscheid ein. Mit Blick auf das Chaos der vergangenen Tage sagte ein Polizeisprecher: „Da spüren wir möglicherweise auch Verdrängungseffekte, weil die Leute im angrenzenden Hochsauerlandkreis nicht mehr unterkommen.“

Schnee in NRW - Winterberg mit drastischer Schilderung der Zustände

Im Hochsauerlandkreis ist man jedenfalls Kummer gewohnt, was den nicht mehr zu bewältigenden Touristen-Ansturm betrifft: Die Stadt Winterberg im Sauerland fasst auf ihrer Webseite zusammen, was Besucher erwartet, die derzeit in die örtlichen Skigebiete kommen wollen:

  • Stau bei der An- und Abreise
  • geschlossene Toiletten
  • Parkplatzmangel
  • Lifte im Stillstand und unpräparierte Pisten
  • Einzelhandel und Gastronomie geschlossen
  • Strenge Abstands- und Kontaktbeschränkungen
  • strikte Maskenpflicht

Wie die Stadt Winterberg weiter schreibt, könne sie natürlich an der gesetzlichen Lage nichts ändern. Und nach dieser sind Tagesausflüge nicht verboten, es gibt keine Einschränkung der Bewegungsfreiheit in NRW (abgesehen von Hotspots mit einer Inzidenz von über 200 - dann kann die am Dienstag neu beschlossene Einschränkung des Bewegungsradius greifen). Demnach könne die Stadt im Sauerland chaotische Situationen nicht alleine verhindern.

Ausflüge in den Schnee: Mehrere Orte kündigen Konsequenzen nach Winterberg-Chaos an

Dennoch setze Winterberg zusammen mit der Polizei alle notwendigen Corona-Maßnahmen durch. Wie schon an den vergangenen Wochenenden, als quasi die ganze Stadt abgeriegelt wurde, würden Bußgelder verhängt, sofern es nötig ist. Alles in allem bittet die Stadt ihre Gäste, die - so betont sie - unter normalen Umständen gerne gesehen seien, derzeit zu Hause zu bleiben.

Ausflüge in den Schnee: Das sagt der Bürgermeister von Winterberg zum bevorstehenden Wochenende

Auch der Bürgermeister von Winterberg, Michael Beckmann (CDU), rechnet für das kommende Wochenende wieder mit vielen Besuchern - trotz den verschärften Corona-Lockdowns und eines Betretungsverbots der Ski- und Rodelpisten. Man bereite sich auf ein größeres Aufkommen vor, sagte er der dpa bereits am Mittwoch. Ordnungsamt, Polizei und Sicherheitsdienst werden demnach wieder im Einsatz sein.

Für Beckmann ist schwer nachvollziehbar, dass weiter Tagesausflügler ins Sauerland kämen: „Mittlerweile ist es für mich sogar schon ein Stück unverständlich, dass die Menschen seit einigen Wochen und trotz der Bilder der letzte Tage unseren Appell ‚Bleiben Sie zu Hause‘ nicht ernst nehmen.“

Ausflüge in den Schnee: Bürgermeister hofft auf Schnee in tiefen Lagen - zur Entlastung der beliebten Schneegebiete

Entlastung am kommenden Wochenende könnte laut Beckmann vor allem ein Wintereinbruch in den Städten in NRW bringen, aus denen die Besucher überwiegend kämen. Er hofft darauf, „dass der Schnee bis in die tiefen Lagen fällt, damit sich der Druck auf die hochgelegenen Schneegebiete deutlich verringert“.

Ausflüge in den Schnee: Stadt Brilon kündigt Maßnahmen an

Auch die Stadt Brilon hat einer Pressemitteilung zufolge in den vergangenen Tage erlebt, dass Tagestouristen aus Ruhrgebiet und Rheinland kamen. Dies habe neben dem unerlaubten Rodeln auf Privatflächen zu Verkehrschaos und anderen Unannehmlichkeiten geführt.

„Daher werden am Wochenende im Bereich des Skihanges am Poppenberg Straßensperrungen und Halteverbote eingerichtet, um das Verkehrsaufkommen in geregelte Bahnen zu bringen. Die Anzahl der Parkmöglichkeiten ist begrenzt“, heißt es zu den Maßnahmen, die ergriffen werden sollen.

Das Ordnungsamt weist demnach darauf hin, dass die Kontaktbeschränkungen und die Einhaltung der Mindestabstände nach der Corona-Schutzverordnung kontrolliert und konsequent geahndet würden. Gleiches gelte für das Hinterlassen von Verunreinigungen und die Vermüllung der Natur im Sauerland. „Das Ordnungsamt wird mit mehreren Teams an den Rodelhängen im gesamten Stadtgebiet unterwegs sein. Die Kreispolizeibehörde hat die Zahl der Einsatzkräfte ebenfalls deutlich erhöht und unterstützt die Stadt Brilon bei den Kontrollen im Rahmen der Amtshilfe.“

Schnee-Ausflüge nach Schmallenberg: Stadt mit eindringlichem Appell

Auch die Stadt Schmallenberg berichtet von Verstößen gegen die Coronaschutzmaßnahmen am vergangenen Wochenende - insbesondere die Abstandsgebote bzw. das Verbot von Ansammlungen und Zusammentreffen im öffentlichen Raum seien oftmals nicht eingehalten worden. „Zudem entstanden weitere Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. So wurden wiederholt Rettungswege blockiert, oder wegen Fehlens der entsprechenden Infrastruktur, die Notdurft im öffentlichen Raum bzw. in Vorgärten und Hauseingängen verrichtet sowie Müll illegal entsorgt“, heißt es in der Pressemitteilung wörtlich.

Nach diesem „Ansturm von Tagestouristen am vergangenen Wochenende im Schmallenberger Sauerland“ würden für das kommende Wochenende weitergehende Maßnahmen im Stadtgebiet ergriffen. So werde mit Allgemeinverfügung für die öffentlichen und im Privateigentum stehenden öffentlich zugänglichen Ski- und Rodelhänge und sonstigen Ski-Freizeitanlagen ein generelles Betretungsverbot verfügt. „Ebenso wird für die diesen Bereichen zugehörenden öffentlichen Parkplätze ein Nutzungsverbot verfügt“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Stadt Schmallenberg bittet eindringlich: „Reisen Sie nicht für einen Tagesausflug zum Rodeln oder Skifahren nach Schmallenberg, sondern halten Sie sich bitte in der aktuellen Lage an den Grundsatz #stayathome und bleiben Sie Zuhause oder in Ihren Regionen.“

Sundern mit besonders drastischer Warnung und Bitte: „Kein Schneetourismus“

Besonders drastisch formuliert es auch die Stadt Sundern - und appelliert an die Vernunft der Menschen: „Das tödliche Corona-Virus ist mutiert und in Deutschland angekommen. Sein Ansteckungsrisiko ist um 70% (!) erhöht. Daher gilt: kein Schneetourismus in Sundern!“ Auch hier werde stark kontrolliert, Verstöße sollen konsequent mit Bußgeldern geahndet werden. Es werde Zufahrtsbeschränkungen zu den verschneiten Hängen geben.

„Wir begrüßen Sie gern als Gäste – aber erst wieder, wenn die Corona-Pandemie eingedämmt ist“, heißt es in der Mitteilung aus Sundern.

Ausflüge in den Schnee: Reaktionen auch aus dem Kreis Olpe

Im Kreis Olpe hat eine Stadtverwaltung vor dem kommenden Wochenende bereits am Mittwoch Konsequenzen angekündigt. Die Stadt Olpe, der Kreis und die Polizei haben in einer gemeinsamen Pressemitteilung darauf verwiesen, dass das Areal rund um die beliebten Skihänge am Fahlenscheid am Wochenende weiträumig abgesperrt werde. De facto gelte dort ein Betretungsverbot, es gebe Verkehrskontrollen und einzelne Straßen würden gesperrt. Olpes Bürgermeister Peter Weber formulierte eine eindringliche Warnung an alle potenziellen Schnee-Touristen.

Ähnliche Situationen wie in NRW gibt es auch im Nachbar-Bundesland Hessen: Mit Willingen, das zum stark von Corona betroffenen nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg gehört, ist der nächste beliebte Skisportort dicht gemacht worden. Bis dato hatte das Skigebiet im Grenzgebiet von Nordrhein-Westfalen und Hessen zahlreiche Touristen aus NRW angelockt. Damit soll nun Schluss sein.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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