Schlussstrich für den Straßenstrich

Prostituierte stehen an der Ravensberger Strasse in Dortmund – dem Straßenstrich, der bald verboten ist. ▪

DORTMUND ▪ Von Laura Engels ▪ Dortmund darf seinen Straßenstrich abschaffen. Die Bezirksregierung Arnsberg gab gestern grünes Licht für die Ausweitung des Sperrbezirks für Straßenprostitution auf das gesamte Stadtgebiet.

Die Verordnung tritt am 16. Mai in Kraft. Ausgenommen sind die Linienstraße am Hauptbahnhof sowie Club-Prostitution und Privat-Bordelle. Diese „landesweit einzigartige Maßnahme“ begründete Regierungspräsident Gerd Bollermann in Dortmund mit der „einzigartigen Situation“ in der Westfalenmetropole.

Seit der EU-Osterweiterung ist die Zahl der Straßenprostituierten in Dortmund von etwa 60 auf 700 gestiegen   – Tendenz steigend. Der eigentlich auf eine Straße im Dortmunder Norden beschränkte Straßenstrich greife auf umliegende Wohn- und Einkaufsstraßen über und habe eine vermehrte Kleinkriminalität zur Folge, hieß es in der Begründung der Bezirksregierung. „Jugendschutz und öffentlicher Anstand können dadurch nicht mehr oder nur mit unverhältnismäßigen Anstrengungen gewährleistet werden“, erklärte Bollermann. Insbesondere, da mit der Nordstadt gerade der Stadtteil von Dortmund betroffen sei, indem die meisten Minderjährigen lebten.

Mit ihrer Entscheidung verbindet die Bezirksregierung allerdings auch zehn Forderungen an die Stadt. So soll Dortmund etwa „Problemhäuser schließen“, wo Menschen aus Bulgarien und Rumänien unter mangelnden hygienischen Zuständen leben. Außerdem gehören verstärktes Vorgehen gegen illegales Glücksspiel, Bekämpfung der Schwarzarbeit und verstärkte Verkehrskontrollen zu dem Zehn-Punkte-Katalog.

Bis zu 45 Mitarbeiter der Stadtverwaltung und mehr als 150 Polizeibeamte werden ab 16. Mai, wenn das Verbot in Kraft tritt, nahezu rund um die Uhr in der Nordstadt im Einsatz sein. Wie Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) gestern mitteilte, werden sie Gaststätten, Spielhallen und verwahrloste Häuser überprüfen. Prostituierte, die ihre Dienste trotzdem weiterhin auf der Straße anbieten, müssen mit einer Geldstrafe und bei wiederholtem Male mit einem Strafverfahren rechnen. Auch Freier können belangt werden.

Um die Entwicklung in Dortmund und mögliche Auswirkungen auf Nachbarkommunen zu beobachten, will Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) – auf Wunsch des Regierungspräsidenten – einen Konsultationskreis einrichten, der einmal im Monat tagen soll.

Nachbarstädte wie Hamm, Unna, Lünen und Schwerte fürchten, dass sich nun die Straßenprostitution, die ihr folgende Kriminalität und die sozialen Probleme in ihre Kommunen verlagern. So kündigte die Stadt Hamm gestern bereits an, ebenfalls eine Ausweitung des Sperrbezirks in Betracht zu ziehen, sollten Straßenprostitution und Kriminalität dort steigen.

Quelle: wa.de

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