Schleichender Tod durch Antibiotika in der Tiermast?

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60 Prozent der Schweinemastbetriebe in NRW wurden im Jahr 2009 positiv auf MRSA-Keime getestet. ▪

DÜSSELDORF ▪ Von Detlef Burrichter ▪ Der massive Einsatz von Antibiotika in der Tiermast sorgt für eine rasante Ausbreitung multiresistenter Keime (MRSA) und gefährdet zunehmend die Gesundheit von Menschen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat Personen, die direkten Kontakt zu Tieren in der Tiermast haben, als Risikogruppe klassifiziert. Im Falle einer Krankenhausaufnahme sollten solche Personen gezielt auf die potenziell tödlichen MRSA-Keime untersucht werden, empfiehlt das RKI.

Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Stefan Romberg (FDP) hervor. „Damit ist die nächste Eskalationsstufe erreicht“, sagte der FDP-Gesundheitsexperte unserer Zeitung. Allein in Nordrhein-Westfalen arbeiteten 150 000 Menschen in der Landwirtschaft oder der Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. „Das ist ein riesiger Pool von potenziellen Überträgern antibiotikaresistenter Keime“, sagte Romberg. Dazu zählt Romberg neben Landwirten und ihren Mitarbeitern auch Tierärzte und ihr Personal sowie das Personal auf den Schlachthöfen. Der FDP-Politiker, der selbst Arzt ist, forderte die Landesregierung auf, so schnell wie möglich einen landesweit gültigen Plan zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Tiermast vorzulegen.

Das NRW-Landwirtschaftsministerium räumte ein, „dass die Resistenzentwicklung Errungenschaften der modernen Medizin dauerhaft in Frage stellen kann und wird, wenn eine Trendumkehr nicht gelingt.“ Zurzeit arbeite das Ministerium an „Handlungsoptionen“, mit denen der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung drastisch verringert werden soll. Der weiteren Resistenzbildung soll so Einheit geboten werden.

MRSA-Typisierungsdaten aus deutschen Krankenhäusern – darunter 40 aus dem Münsterland – zeigten eine Häufung von MRSA-Keimen, die mit landwirtschaftlichen Nutztieren in Zusammenhang gebracht werden. Bislang würden Risikopatienten aber „noch nicht im erforderlichen Ausmaß bzw. systematisch gescreent“, heißt es weiter in der Antwort der Landesregierung.

Eine flächendeckende Untersuchung der Masthähnchenbetriebe in NRW hatte ergeben, dass 98 Prozent positiv waren. Eine vorausgegangene Untersuchung in den Schweinemastbetrieben hatte eine Positivquote von 51 Prozent. Weitere Untersuchungen bei anderen Tierarten seien geplant.

Besonders anfällig für eine Infektion durch MRSA sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen. MRSA-Keime können Wund- und Atemwegsinfektionen sowie Blutvergiftungen verursachen, die aufgrund der Antibiotikaresistenz der Keime nur schwer behandelbar sind. Experten schätzen, dass in Deutschland jährlich 40 000 Menschen durch MRSA-Befall sterben.

Quelle: wa.de

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