Tim Schiewe fährt für Deutschland zu World Cyber Games

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Tim Schiewe mit einem Joystick vor einem Computer-Bildschirm in seinem Zimmer. Der Deutsche Meister im Spiel mit der Computer-Simulation „FIFA Football 2011“nimmt bis Sonntag an der Europameisterschaft in Warschau teil und tritt Anfang Dezember mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft der World Cyber Games in Süddkorea an.

AHLEN - Fußball ist seine Sache – am Computer ebenso wie auf dem grünen Rasen. Allerdings spielt Tim Schiewe je nach Spielstätte mit unterschiedlichem Erfolg. Von Christoph Boll

Am Rechner ist der 17-Jährige Deutscher Meister, startet heute bei der Europameisterschaft in der polnischen Hauptstadt Warschau und tritt Anfang Dezember mit der deutschen Nationalmannschaft sogar bei der Weltmeisterschaft, den World Cyber Games, im südkoreanischen Busan an. Mit Rot-Weiß Ahlen ist der rechte Verteidiger nicht ganz so erfolgreich. Die A-Junioren haben die ersten vier Begegnungen der laufenden Saison verloren.

Am Trainingseifer mangelt es nicht. Wöchentlich trifft sich das Team vier Mal auf dem Vereinsgelände. Noch mehr Zeit widmet Schiewe seiner Lieblingssportart allerdings vor dem Computer. Bis zu zwei Stunden täglich tüftelt der 17-Jährige an Offensiv- und Defensivstrategien, lässt seine virtuellen Spieler passen und aufs Tor schießen. „Man muss viel üben und die Bewegungsabläufe auswendig lernen, um sie zu seinem Vorteil nutzen zu können“, sagt der Gesamtschüler.

Fußball-Simulationen hat er schon als kleiner Junge gespielt, die World Cyber Games entdeckte er aber erst vor einem Jahr. Seither tritt er im Internet gegen Konkurrenten aus der ganzen Welt an, um regelmäßig beim Abpfiff nach gut zehn Minuten die Nase vorn zu haben. „Ich suche mir starke Gegner, um von ihnen zu lernen“, verrät er sein Erfolgsrezept.

Die Sieger von 16 nationalen Tagesturnieren, bei denen jeweils etwa 50 Teilnehmer virtuell kickten, hatten sich für die Deutsche Meisterschaft in Köln qualifiziert. Dort war der Ahlener jüngster Starter. Gleichwohl setzte er sich durch und gewann die Goldmedaille, einen Tablet-PC und die Qualifikation für Warschau und Busan. Es war sein erster Offline-Wettkampf. Und auch bei den beiden internationalen Turnieren werden alle Konkurrenten in einem Raum sitzen und ihre Computer nicht über das weltweite Netz verbunden sein. In den vergangenen beiden Jahren gewannen Deutsche den Weltmeistertitel. „Wir stellen stets einige gute Spieler. Aber die klassischen Fußball-Nationen gehören eher nicht zu den Favoriten“, sagt Schiewe. Aber natürlich möchte er ebenso wie Kai Wollin möglichst erfolgreich sein. Der 23-Jährige aus Monheim am Rhein ist als Vizemeister ebenso für Südkorea nominiert wie der Drittplatzierte, Jannik Huber aus Kassel.

Schiewes Fußball-Begeisterung liegt in der Familie. Wenn auch nicht am Computer, so doch zumindest auf dem Rasen. Auch Tims Bruder ist aktiver Spieler, und Vater Frank, der heute in einem Nachbarort eine Jugendmannschaft trainiert, hat früher ebenfalls gekickt. Aber weniger erfolgreich. „Ich bin mehr so auf Kreisebene geblieben“, erinnert er sich.

Tim dagegen möchte gerne Profi werden. „Die Ambitionen sind da, auf jeden Fall“, gesteht er. Eine berufliche Alternative hat er sich jedenfalls noch nicht überlegt. Diese Frage stellt sich aber auch erst nach dem Abitur in zweieinhalb Jahren. Sein erstes Geld als Fußballer hingegen kann er bereits jetzt verdienen – auf dem digitalen Spielfeld: Der Sieger in Warschau erhält immerhin 3 000 US-Dollar, in Busan winken sogar 8 000 Dollar. - dapd

Quelle: wa.de

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