Geheimfach im Waschtisch

Unglaublicher Fund bei Badsanierung: Handwerker traut seinen Augen nicht

Ulrich Lippert und sein Kollege entdeckten im rechten Sockel des mittlerweile entsorgten Waschtischs Schmuck im Wert von 10.000 Euro.
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Schatzfund: Ulrich Lippert und sein Kollege entdeckten im rechten Sockel des mittlerweile entsorgten Waschtischs Schmuck im Wert von 10.000 Euro.

Filmreif: Bei einer Badsanierung finden ein 28-jähriger Handwerker und sein Kollege ein Geheimfach in einem Waschtisch mit spektakulärem Inhalt.

Meinerzhagen/Lüdenscheid - Baseball-Cap statt Fedora-Hut, Handwerkerkluft statt Lederjacke – und doch haben Ulrich Lippert und der sagenumwobene Archäologe und Schatzsucher Indiana Jones etwas gemeinsam: Beide haben bereits Schätze geborgen. Nur dass der 28-jährige Mann aus Meinerzhagen in Nordrhein-Westfalen ganz und gar nicht geahnt hätte, dass ihm so etwas mal gelingen würde.

Was sich Anfang Juni in einem Einfamilienhaus im Lüdenscheider Süden ereignet hat – die genaue Adresse soll aus guten Gründen nicht genannt werden –, gleicht tatsächlich einem Abenteuerfilm. In den Hauptrollen: Ulrich Lippert und sein Mitarbeiter, die das Haus im Auftrag des neuen Besitzers entkernen sollen.

Unglaublicher Fund bei Badsanierung: Handwerker traut seinen Augen nicht

Eine der ersten Baustellen: das Badezimmer. „Alles edel, Granit an Wänden und auf dem Boden – so etwas sieht man nicht alle Tage“, erinnert sich Lippert an seinen ersten Eindruck der Immobilie in bester Lage. Trotzdem: Der Waschtisch soll weichen. Also setzen die Arbeiter Stemmeisen und Bohrhammer an. „Erst, als wir den rechten Sockel entfernt haben, sahen wir, dass da noch was ist“, erzählt Lippert. „Unter den unteren Schubladen war ein weiterer Sockel eingelassen, den man von außen gar nicht sehen konnte.“ Darin eingearbeitet: ein Geheimfach mit spektakulärem Inhalt.

Am Sockel des mittlerweile entsorgten Waschtischs entdeckten Ulrich Lippert und sein Kollege Schmuck im Wert von 10.000 Euro.

Unglaublicher Fund bei Badsanierung: Handwerker traut seinen Augen nicht

„Das Erste, was wir sahen, war ein Beutel. Und natürlich denkt man dann zunächst, dass das Müll sein muss, den man entsorgen kann“, erzählt Ulrich Lippert. Doch beim Hochheben wird schnell deutlich, dass sich vielleicht zwar nichts Hochwertiges, aber zumindest Schweres in der Plastiktüte befinden muss. „Zum Vorschein kamen dann zwei Schatullen, gefüllt mit Schmuck. Und da war klar: Besser nicht wegwerfen!“

Mehrere Perlenketten, mit Edelsteinen besetzte Ringe, eine hochwertige Herrenuhr der Marke Omega: Das ihnen hier ein besonderer Fund geglückt ist, ist den beiden Handwerkern schnell klar. Genauso schnell aber auch, dass sie den Schatz melden wollen. „Natürlich könnte man darüber nachdenken, die Sachen einfach zu behalten. Aber für mich kam das nie in Frage. Ich hätte das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können“, sagt Ulrich Lippert.

Juwelier schätzt Wert auf 10.000 Euro

Er meldet den Fund dem neuen Hausbesitzer und bittet einen Lüdenscheider Juwelier um seine Expertise. Dessen Einschätzung: Allein der Materialwert beläuft sich auf 10.000 Euro. Was im freien Markt für den Schmuck aufgerufen würde, ist aber unklar. „Der Neuwert der Sachen hat auf jeden Fall ein Vielfaches betragen“, erinnert sich der Meinerzhagener Handwerker an eine weitere Aussage des Juweliers. „Das alles war bei der Anschaffung in den 60er- und 70er-Jahren ein Vermögen wert.“

Während Lippert aber damit rechnet, dass sich nun vor allem der neue Hausbesitzer über den Schatz freuen kann, nimmt dieser lieber Kontakt mit den Erben des Vorbesitzers auf. Nicht ohne Grund, wie sich schnell zeigt: Denn mit dem Haus hat nicht automatisch auch der verborgene Schatz den Besitzer gewechselt (siehe unten).

Rückgabe an Erben des Vorbesitzers

Die Nachfahren des verstorbenen Vorbesitzers selbst wollen lieber nicht in Erscheinung treten – doch sie zeigen sich erkenntlich. Sie bedanken sich mit einem Finderlohn von fünf Prozent des Materialwerts bei Ulrich Lippert, also mit 500 Euro. Reicht ihm das? „Ich finde es nett. Viel wichtiger ist doch, dass die Kunden mir vertrauen können.“

Einige der Fundstücke aus dem Geheimfach im Waschtisch.

Und Vertrauen ist gerade in dieser Phase seines Unternehmens besonders wichtig: Erst vor zwei Jahren hat sich der damals 26-Jährige mit seiner Firma DecoArtion am Hasenkamp selbstständig gemacht. Fliesen, Decken, Böden, ganze Entkernungen und Sanierungen – Lipperts Portfolio war von Beginn an breit gefächert. Und die Schatzsuche gehört seit Anfang Juni nun offenbar auch noch dazu...

Info: Wem gehört der Schatz im Haus?

Wer in seiner Eigentumswohnung oder seinem Haus zufällig wertvolle Fundsachen entdeckt, hat nicht grundsätzlich Anspruch darauf, sie zu behalten. Wenn der rechtmäßige Eigentümer noch ermittelbar ist, steht der Fund ihm oder seinen Erben zu. Das entschied das Landgericht Düsseldorf am 27. Juli 2012 (Az.15 O 103/11). In dem Fall ging es um einen Eigenheimbesitzer, der ein Mehrfamilienhaus gekauft und bei Renovierungsarbeiten in einer der Wohnungen in einem Versteck im Kamin 300 000 D-Mark entdeckt hatte. Er meldete den Fund der Polizei. Als er Anspruch auf das Geld erhob, klagte die Erbin der Vorbesitzerin der Immobilie um die Summe – und bekam Recht. Die Fundsache, so die Richter, gehöre nicht zur Immobilie und sei so mit dem Kauf nicht in den Besitz des neuen Eigentümers übergegangen. Wenn der tatsächliche Eigentümer nicht mehr ermittelbar ist, handelt es sich hingegen um einen Schatzfund. Die Fundsache gehört dann zur Hälfte dem Finder und zur Hälfte dem Besitzer des Fundortes, also des Grundstücks oder der Immobilie. (Quelle: Wohnbau Service Bonn)

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