Autobahn chronisch überlastet

Königin vor dem Kollaps: Die Sauerlandlinie A45 ächzt

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Die A45 zwischen Hagen und Lüdenscheid. Der Kreis markiert die Tallbrücke Brunsbecke, die neu gebaut werden muss.

LÜDENSCHEID - Man nennt sie die „Königin der Autobahnen“. Majestätisch schlängelt sich die A45 durchs Sauerland, einst gefeiert als Meisterwerk der Ingenieurskunst. Doch die „Königin“ ist in die Jahre gekommen. Chronisch überlastet, droht ihr der Kollaps. Aber beim Ausbau hakt es.

Von Holger Drechsel

Ausbau dringend nötig: die Autobahn 45 zwischen Lüdenscheid und Hagen.

Täglich donnern um die 70.000 Autos über die 122 Kilometer lange Strecke zwischen Dortmund und der hessischen Landesgrenze, in Spitzenzeiten sind es zwischen Dortmund und Lüdenscheid gar 90.000. Viel zu viel für die Strecke, klagt die Industrie- und Handelskammer Südwestfalen und fordert seit Jahren vehement den Ausbau auf sechs Fahrstreifen. Am liebsten durchgehend, wenigstens aber erst einmal auf der Staustrecke zwischen dem Westhofener Kreuz und Lüdenscheid.

Die Autobahn 45 führt über 257 Kilometer von Dortmund durchs Sauerland, Hessen, einen kleinen Teil Bayerns und endet am Seligenstädter Dreieck wieder in Hessen. Der NRW-Teil ist 122 Kilometer lang. Die Planung der A 45 begann 1957 – als erster AutoLetzte Teilabschnitte wurden 1974 für den Verkehr freigegeben.

Auch Verkehrsprognosen des Landesbetriebs Straßen.NRW belegen, dass spätestens 2025 auf manchen Abschnitten mehr Autos fahren würden als die Autobahn verkraften kann – etwa zwischen Hagen und Lüdenscheid oder von Olpe bis zur Landesgrenze. Diagnose: Ausbau dringend geboten. Beim Verkehrsministerium in Düsseldorf sieht man das prinzipiell nicht anders: „Wegen des hohen Verkehrsaufkommens und der besonderen topografischen Verhältnisse wäre bereits heute bereichsweise eine Sechsstreifigkeit erforderlich“, formuliert es Sprecher Bernhard Meier vorsichtig. Nur: „Entschieden wird darüber erst im neuen Bundesverkehrswegeplan 2015“, so Meier. Die Untersuchungen auf Seiten des Geldgebers, dem Bund, würden gerade beginnen.

Eine der überlasteten Brücken – die knapp 500 Meter lange Talbrücke Rinsdorf bei Siegen muss abgerissen und neu gebaut werden.

Sicher ist: Der Preis für die Ertüchtigung der „Königin“ wird auch königlich sein. Schätzungen liegen zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro, beim Ministerium bleibt man auch diesbezüglich vorsichtig. Allerdings dementierte Sprecher Meier Meldungen, nach denen der neue NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) bereit sei, für dieses Mammut-Projekt private Investoren ins Boot zu holen: „Aktuell gibt es keine solchen Überlegungen für die A45.“ Derzeit prüfe eine Kommission der Länderverkehrsminister allerdings alternative Finanzierungsmodelle, Ergebnisse erwartet man Ende dieses Jahres.

Dass gleichwohl schon vorher die Bagger an der Sauerlandlinie anrücken, liegt am dringenden Handlungsbedarf an manchen Abschnitten. Eine Überprüfung durch den Landesbetrieb ergab, dass ein großer Teil der vielen mächtigen Stahlbeton-Talbrücken in NRW nicht mehr den Anforderungen genügt. Die Gründe liegen im rasanten Anstieg der Verkehrsbelastung, aber auch in der Bauweise, nach der viele Brücken in den 1960-er Jahren errichtet worden waren.

Fest steht heute schon, dass mindestens drei Brücken abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden müssen, was jeweils etwa vier Jahre dauern soll:

- Lennetalbrücke (Hagen): Hier soll ab Sommer 2013 ein Neubau für rund 115 Millionen Euro entstehen, Vorarbeiten laufen schon.

Talbrücke Brunsbecke (bei Hagen): Hier soll es 2015 losgehen. Wahrscheinlich wird parallel auch die benachbarte Talbrücke Kattenohl ersetzt.

Talbrücke Rinsdorf (bei Siegen): Auch hier ist der Baustart für 2015 geplant.

Erhalten, aber ausgebaut und verstärkt werden:

Talbrücke Rahmede (Lüdenscheid): ab Ende 2013

Talbrücke Siegtal (Siegen): ab 2014

Weitere Brücken werden folgen, der Zeitplan steht noch nicht fest. Sicher ist nur, „dass wir allein für die Brücken mindestens 20 Jahre brauchen werden“, sagt Ludger Siebert, Leiter der für den Ausbau zutändigen Regionalniederlassung Südwestfalen des Landesbetriebs. Und sicher ist auch, dass die neuen oder optimierten Brücken dann auch breit genug sind für sechs Fahrstreifen.

Darüber hinaus sollen bis 2016 rund 43,3 Millionen Euro in die Erneuerung der Fahrbahn fließen, so etwa zwischen Dortmund-Süd und dem Westhofener Kreuz (2014) und im Raum Lüdenscheid (2016). Kosmetik für die gealterte „Königin“, die noch auf die große Schönheits-OP warten muss.

Quelle: wa.de

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