Samenspende-Prozess am OLG Hamm

Plettenbergerin (21) will wissen, wer ihr Vater ist

Sarah P.

HAMM/PLETTENBERG - Im Prozess um eine anonyme Samenspende will das Oberlandesgericht (OLG) Hamm am Mittwoch eine Entscheidung verkünden. Klägerin ist Sarah P., eine 21-Jährige aus Plettenberg.

Sarah P. aus Plettenberg erwartet am Mittwoch einen der wichtigsten Termine ihres Lebens. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm will seine Entscheidung verkünden, ob die 21-Jährige erfahren darf, wer ihr Vater ist. Die junge Frau wurde durch eine Samenspende gezeugt. In dem Gerichtsverfahren verlangt sie von einem Essener Mediziner die Herausgabe des Spendernamens. Das Urteil dürfte Präzedenzwirkung haben, betont der Verein „Spenderkinder“, in dem sich seit 2009 Betroffene aus Deutschland, aus Österreich und aus der Schweiz für ihre Rechte einsetzen.

Sarah P. ist Studentin, wohnt in Plettenberg und kommt ursprünglich aus Bochum. Vor über 22 Jahren wurde sie im Zentrum für Reproduktionsmedizin in Essen gezeugt. Den Frauenarzt Thomas Katzorke will die junge Frau per OLG-Urteil dazu bringen, den Namen ihres biologischen Vaters zu nennen.

Im Vorfeld der Gerichtsentscheidung erläuterte ein Sprecher des Oberlandesgerichtes in Hamm, dass die Plettenbergerin – sollte ihre Klage Erfolg haben – den Mediziner notfalls in einem Zwangsvollstreckungsverfahren zur Bekanntgabe des Namens zwingen könne. Dem betroffenen Arzt drohten in diesem Fall möglicherweise ein Zwangsgeld oder Zwangshaft.

In einem früheren Urteil hatte das Bundesverfassungsgericht bereits grundsätzlich die Auskunftspflicht bei anonymen Samenspenden bejaht. Sarah P. hatte als 18-Jährige erfahren, dass ihr Vater nicht ihr Erzeuger ist, dass sie durch einen Samen eines bislang unbekannten Mannes gezeugt wurde. Ihre Mutter hatte ihr das damals gestanden.

Mit ihrer Klage geht es der jungen Frau nach eigenen Angaben aber nicht darum, finanzielle Forderungen gegenüber ihrem Erzeuger geltend zu machen. Sie wolle vielmehr in Erfahrung bringen, wer ihr biologischer Vater ist und ob sie Stiefgeschwister hat. Sie wolle wissen, woher sie ihr Gesicht habe, erklärte die 21-Jährige in der mündlichen Verhandlung am OLG vom Dezember 2012. Auch die Frage, ob ihr Erzeuger möglicherweise Erbkrankheiten hat, möchte die Frau klären.

Die Klage fußt auch auf einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1989, laut der jeder Mensch das Recht hat, zu erfahren, von wem er abstammt. In der ersten Instanz vor dem Landgericht Essen hatte Sarah P. allerdings eine Niederlage hinnehmen müssen. In zweiter Instanz hofft sie nun auf einen Erfolg.

In der mündlichen Verhandlung vor dem OLG hatten die Hammer Richter einen grundsätzlichen Auskunftsanspruch zwar anerkannt, nun geht es allerdings darum, ob Reproduktions-Experte Katzorke die Unterlagen zu den Namen der Spender noch besitzt. Der Arzt bestreitet dies, die Klageseite bezweifelt die Aussage aber. Bei der sogenannten heterologen Insemination hatte Katzorke tiefgefrorenes Sperma von einem oder mehreren Spendern verwendet.

Den Spendern war Anonymität zugesichert worden, auch die Eltern von Sarah P. hatten sich damit einverstanden erklärt. „Aus dieser Zeit haben wir keine Behandlungsunterlagen mehr, anhand derer wir das verwendete Sperma einem Spender zuordnen könnten“, sagt Katzorke. Die Aufbewahrungszeiten für diese Unterlagen habe bei zehn Jahren gelegen, erst seit Mitte der 90er Jahre sei eine flächendeckende Dokumentation zu den Spendern möglich. Die Mutter von Sarah P. war im Juni 1990 zweimal in dem Essener Zentrum für Reproduktionsmedizin behandelt worden, weil ihr Ehemann unfruchtbar ist, dabei wurde sie schwanger.

Die Einrichtung gilt als die größte ihrer Art in Deutschland. Etwa 10.000 Kinder hat das 1981 gegründete Zentrum bislang gezeugt. Rund 700 Spender sind in der Liste des Zentrums als Spender registriert. Für eine Samenspende erhalten sie jeweils zwischen 50 und 150 Euro. Für Essener Arzt geht es um Grundsätzliches Katzorke gilt als einer der führenden Vertreter seines Fachs. 2012 wurde er vom Nachrichtenmagazin „Focus“ als „Top-Mediziner in dem Bereich „Kinderwunsch und Geburt“ gewürdigt.

Für den Frauenarzt geht es in dem Prozess auch um Grundsätzliches. „Wir wollen Rechtssicherheit bekommen, inwieweit anonyme Spender genannt werden müssen“, erklärt er. Für den Düsseldorfer Notar Stefan Wehrstedt – einem Rechtsexperten für reproduktionsmedizinische Behandlungen – handelt es sich in dem Verfahren von Sarah P. um einen „Altfall“. Das Transplantationsgesetz aus dem Jahr 2007 sehe zwar eine 30-jährige Aufbewahrungsfrist der Unterlagen zu den Samenspendern vor. Diese Regelung komme für Sarah P. jedoch zu spät, da sie in ihrem Fall nicht mehr greift.

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Quelle: wa.de

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