Rote Karte für Randalierer

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Randalierer, wie hier vergangenen Samstag in Frankfurt, sollen noch konsequenter ausgebremst werden. ▪

KÖLN ▪ Von Holger Drechsel ▪ Gewaltbereite Fußballfans sollen künftig noch konsequenter von deutschen Stadien ferngehalten werden. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) stellte gestern in Köln ein neues Konzept „Mehr Sicherheit bei Fußballspielen“ vor. Kernpunkte sind eine bessere Koordination der Arbeit von Polizei, Deutschem Fußballbund (DFB), Vereinen, Verkehrsbetrieben und Fanprojekten. Insbesondere die friedlichen Fans sollen stärker als bisher mit einbezogen werden, um Schläger und Randalierer ausgrenzen zu können.

In den vergangenen Jahren habe sich die Fankultur stark verändert, sagte Jäger. Mit den steigenden Zuschauerzahlen habe sich auch die Zahl der Straftaten rund ums Stadion stark erhöht, die Zahl der Verletzten ebenso. Die Polizei werde immer stärker gefordert. Zuletzt hätten die gewaltsamen Ausschreitungen im Frankfurter Stadion gezeigt, wie groß der Handlungsbedarf sei.

Künftig solle die Polizei in den Fußballstädten nach einem einheitlichen Konzept vorgehen: „Wer schon bei der Anreise eine Straftat begeht, darf das Fußballspiel nicht sehen“, so Jäger. Auswärtsfans sollen verstärkt von Vereinsbetreuern begleitet und besser informiert, die Anreise soll erleichtert werden. Insbesondere wolle man aber die friedlichen Fangruppen einbinden, die künftig aktiv helfen sollen, Hooligans und Chaoten zu stoppen. Jäger hofft, dass sich die NRW-Initiative bundesweit durchsetzt.

Das ist das Zehn-Punkte-Konzept:

1. Unsere Polizei handelt transparent, verlässlich, differenziert und konsequent. Die Fans sollen in Nordrhein-Westfalen ein einheitliches und mit den Netzwerkpartnern eng abgestimmtes Handeln der Polizei erleben.

2. Die Fans werden frühzeitig über ihre Reisemöglichkeiten, über die Bedingungen auf dem Reiseweg und am Spielort sowie über Maßnahmen von Vereinen, Polizei und Verkehrsunternehmen informiert. Die Polizei leistet hierzu einen umfassenden Beitrag.

3. Die Vereine und Verbände nehmen die Verantwortung für ihre Fans auch außerhalb der Stadien stärker wahr. Die Polizei ist dabei ihr engagierter Partner. Dazu gehört, dass die Vereine alle Möglichkeiten nutzen, um eine organisierte Anreise der Fans zu gewährleisten. Das bedeutet auch, dass die Fans bei Auswärtsspielen durch vereinseigene Ordner begleitet werden.

4. Die Polizei und die Fanszenen treten in einen intensiven und offenen Dialog ein. Unsere Polizei ist dazu bereit, eine vergleichbare Offenheit und Bereitschaft erwarten wir auch von der Fanszene!

5. Den friedlichen Fans werden insbesondere im Öffentlichen Personenverkehr attraktive Reisemöglichkeiten angeboten. Aggression und Konflikt fördernde Reisebedingungen sollen minimiert werden. Die überwiegende Mehrheit der reisenden, friedlichen Fans, nennen wir es das "soziale Korrektiv“, sollten die organisierten Reiseangebote intensiv nutzen. Dafür sollen die erforderlichen, möglicherweise auch zusätzlichen Transportkapazitäten für einen störungsfreien Fanreiseverkehr zur Verfügung gestellt werden.

6. Die Fans nehmen Freiräume auf den Reisewegen und im Stadion verantwortlich wahr.

7. Die friedlichen Fans sollten sich eindeutig von Störern und gewaltbereiten Problemfans absetzen und distanzieren. Störer und gewaltbereite Problemfans stehen dadurch im Abseits. Problemfans reisen getrennt von den friedlichen Fans.

8. Zwischen friedlichen und Gewalt suchenden Fans wird eindeutig unterschieden.

9. Polizeiliche Präsenz und einschränkende Maßnahmen orientieren sich an dem Grundsatz: so viel Sicherheit wie nötig, so wenig Einschränkungen wie möglich.

10. Störungen der öffentlichen Sicherheit werden konsequent, bereits im Ansatz verhindert und durch zügiges, professionelles Handeln nachhaltig unterbunden. So werden gewalttätige Fans umgehend auf ihren Reisewegen in ihre Heimatorte zurückgeführt. Sie erreichen das Stadion als Ziel ihrer Reise nicht.

Quelle: wa.de

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