Mutige Motivwagen

Jecken in NRW trotzen der Furcht vor dem Terror

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Wagenbauer Tilly präsentiert den "Charlie Hebdo"-Wagen selbst.

KÖLN/DÜSSELDORF - Sie lassen sich die Stimmung nicht verderben - und trotzdem ist der Rosenmontag in diesem Jahr nicht ganz wie immer. Das Thema Terror ist auf den Wagen in Köln und Düsseldorf zu sehen, und auch die Jecken sprechen darüber.

Die Karnevalisten in NRW haben sich ihre beißende Satire nicht verbieten lassen: In Köln und Düsseldorf feiern Hunderttausende Menschen ausgelassen bei den Rosenmontagszügen, tanzen und sammeln Kamelle. Doch bei allem Frohsinn haben die Wagenbauer auch die kritischen Themen nicht ausgespart: In Düsseldorf zeigte Jacques Tilly einen kopflosen Mann auf der Flucht vor einem Maskierten, der ein bluttropfendes Schwert schwingt. Aus dem offenen Hals des Flüchtenden mit dem "Charlie Hebdo"-Magazin in den Händen kam die Spruchblase "Satire kann man nicht töten".

Ein Clown im abgeholzten Stiftewald

In Köln rollte ein Wagen mit einem abgeholzten Stiftewald, in dessen Mitte ein Clown einen neuen Buntstift als Symbol der Narrenfreiheit wachsen ließ. Es ist derselbe mutige Clown, der nach dem "Charlie-Hebdo"-Anschlag eigentlich mit seinem Stift das Gewehr eines Terroristen verstopfen sollte. Diesen Wagen hatte das Festkomitee aber gestoppt, weil viele Karnevalfans nach Berichten über angebliche Sicherheitsrisiken Angst hatten.

"Ein ganz normaler Zug"

Viele Karnevalisten waren zwar mit einigen Sorgen um die Sicherheit zu den Umzügen gekommen, nachdem am Sonntag der Karnevalsumzug in Braunschweig nach Hinweisen auf einen möglichen Terrorakt abgesagt worden war. Aber letztlich spielte das in Köln und Düsseldorf keine große Rolle. Sie lasse sich die Freude am Straßenkarneval durch Angst vor islamistischem Terror nicht nehmen, sagte eine als Clown verkleidete Frau. "Aber ich bin schon froh, wenn meine Kinder und ich heute Abend wieder gut zu Hause sind." Kölns Zugleiter Christoph Kuckelkorn meinte: "Das wird ein ganz normaler Zug."

Grauer Wagen statt "Charlie-Hebdo"-Wagen

Die Kölnische Karnevalsgesellschaft KKG, die auf dem zunächst geplanten "Charlie-Hebdo"-Wagen fahren wollte, schickte einen komplett grauen Wagen auf den Weg. "Dat is, wat bliev! Dat freudeversprühende Grau!", stand darauf. Die KKG begründete das vor allem mit Kritik an Medien, die Berichte über Sicherheitsbedenken verbreitet hatten. Sie hätten wider besseren Wissens Ängste und Reaktionen heraufbeschworen, "die dem Ansehen des Kölner Karnevals schaden", hieß es in einer Mitteilung.

Rosenmontagszug in Köln

Das Kölner Motto "social jeck - kunterbunt vernetzt" kam gleich auf acht Wagen zum Zug. Porno, Kaufrausch, Trash und Terror strömten da zum Beispiel aus dem Netz. Aber auch die große und die kleine Politik fahren mit. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) legt eine Bruchlandung mit Bundeswehrschrott hin.

In Düsseldorf fahren mehrere Wagen zum Thema "Terror"

Auch im Düsseldorfer Zug griffen mehrere Motivwagen das Thema Terror auf. Die Terror-Miliz IS und Al-Kaida traten zum "Terror-Wettkampf" im Armdrücken an. Drei Taliban-Kämpfer trugen Turbane mit der Aufschrift "Terror hat nichts mit Religion zu tun". Auf einem Motto-Wagen zeigte Russlands Präsidenten Putin nackte Brust und einen muskelschwellenden "Militär"-Bizeps, der zweite "Wirtschaft"-Arm war mickrig und dürr. Papst Franziskus verteilte "Nächstenhiebe". Bis zu 1000 Polizisten waren an Rosenmontag in Düsseldorf im Einsatz.

Rosenmontag: Wagen auch zum Thema Terror

Erkältete Ministerpräsidentin sagt Karnevalsteilnahme ab 

Für Hannelore Kraft ist dagegen jetzt schon Aschermittwoch: Wegen einer heftigen Erkältung hat die SPD-Regierungschefin am Rosenmontag ihre Teilnahme am Karnevalszug in Mülheim an der Ruhr abgesagt. "Es geht ihr wirklich nicht gut", sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei am Montagmorgen. Die Ministerpräsidentin besucht im jährlichen Wechsel die Karnevalszüge in Köln und Mülheim. - lnw/dpa

Quelle: wa.de

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