"Ausverkauft" in Düsseldorf

Robbie Williams' Swing-Songs in Düsseldorf gefeiert

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Robbie Williams am Mittwoch in Düsseldorf.

DÜSSELDORF - Es war ein umjubelter Auftritt, den Robbie Williams am Mittwochabend im Rahmen seiner „Swings Both Ways“-Welttournee im ausverkauften Düsseldorfer ISS-Dome ablieferte. Es war der erste von zwei Auftritten, Ende Mai folgen noch Abstecher nach Hamburg und Berlin.

Von Frank Zöllner

Diesen Moment wird Jessy aus Münster nie mehr in ihrem Leben vergessen. Sie wurde von Robbie Williams auserkoren, seine "Showbiz-Braut" für einen Abend zu sein - inklusive Heiratsantrag, Priester, Hochzeitsmelodie und zum krönenden Abschluss - zwei dicke Küsse vom britischen Entertainer. "Früher habe ich nach jeder Show ein Mädchen mit auf mein Hotelzimmer genommen. Aber hej, ich bin jetzt 40, da geht das nicht mehr", sagte Williams voller Selbstironie und mit seinem Image als Frauenschwarm spielend.

Der britische Entertainer, natürlich gekleidet in elegantem Frack, einem weißen Hemd mit Fliege, einer Weste und Lackschuhen, war bestens aufgelegt und lieferte mit seiner Big-Band eine gelungene Rund- und Zeitreise durch die Weltgeschichte des Swings. Er ließ die Zeiten aufleben, als in den Klubs in New York oder Las Vegas Dean Martin und Frank Sinatra in den 1960er und 1970er Jahren mit großem Orchester und opulenten Shows auftraten. Der 40-Jährige zeigte seine großen Qualitäten als charmanter Entertainer und sang sowohl eigene Songs, die ebenfalls wie "Angels" Klassiker sind, und eben auch Evergreens. Williams bedient sich aus dem Fundus der Pop-Geschichte wie mit Sinatras "New York New York", das mit dem Alicia Keys-Cover "Empire State Of Mind" eingeleitet wird.

Mehr Fotos vom Auftritt in Düsseldorf:

Robbie Williams mit Swing-Programm in Düsseldorf

Auch seine eigenen Songs wie "Love Supreme", "Let Me Entertain You" kommen im neuen Klang-Kostüm daher. Wenn er etwa den Sinatra-Song "High Hopes" inmitten eines Kinderchores singt, erklärt er den Nachwuchssängern zuvor augenzwinkernd, dass das Show-Geschäft "hohe Höhen" bereit halte, aber genauso viele "tiefe Tiefen". Wer wüsste das nicht besser als das frühere Mitglied der Boy-Band Take That, die den Sänger 1995 wegen Drogen- und Alkoholeskapaden rauswarf, und das danach als Solokünstler in Europa riesigen Erfolg hatte. Das beweisen 17 Brit-Awards und über 70 Millionen verkaufte Alben. Schon im Jahr 2001 war Williams auf einem seiner ersten Karriere-Höhepunkte für eine Wiederbelebung dieses klassischen, an den Jazz angelegen Musikstils mit dem Album "Swing When You're Winning" verantwortlich.

Von seinem Vater erbte er auch die Liebe zur Swing-Musik und zu deren Interpreten und sang mit ihm zusammen "Do Nothin' Till You Hear From Me" als Duke Ellington-Cover. Im Herbst vergangenen Jahres brachte Williams nun "Swing Both Ways" auf den Markt, wobei er auch mit dem Swing-Sänger Michael Bublé sowie Olly Murs, Lily Allen und Kelly Clarkson zusammenarbeitete. Zu dem mit Rufus Wainwright gemeinsam geschriebenen Titelsong "Swings Both Ways" zeigt sich Williams in einem überkandidelten schwarzen Frack mit weißen Punkten und singt dazu bewusst schwülstig. Auch die Tänzer und Tänzerinnen in Federboas - genau wie später Robbie Williams auch - zeigen, dass es in diesem Lied darum geht, dass es egal ist, auf welches Geschlecht die sexuelle Präverenz ausgelegt ist - und das ganze endet in einem riesigen, mit Regenbogen-Farben geprägten Konfetti-Regen. Zu "I Wanna Be Like You" aus dem Disney-Klassiker "Das Dschungelbuch" trägt Williams eine Affenmaske. Williams, Vater der anderthalbjährigen Theodora Rose, der gerade die Geburt eines zweiten Kindes angekündigt hat, outet sich als verantwortungsvoller Vater in dem aktuellen Song "Go Gentle".

Es ist ein extrem kurzweiliger Abend - eine Art bonbon-bunte Las Vegas-Show. Die Bühne bietet drei Etagen mit vielen Treppenaufgängen, die viel Platz für die Background-Sängerinnen, klassisch ausgebildete Gesangspartner, Bläser und auch Tänzer bietet. Für den zweiten Teil des Abends wird die Bühne zum Deck eines riesigen Ozeandampfers. Über zwei Stunden lang und in 22 Liedern inklusive mehrerer Medleys reißen die üppigen Schauwerte nicht ab, die immer mit dem extrem gelungenen musikalischen Vortrag eine perfekte Symbiose eingehen und ganz großes Gefühlskino bieten.

Williams flirtet mit seinem mitgealterten Publikum, etwa 20 Personen übernachteten vor der Halle, um wie früher zur Take That-Zeiten die besten Plätze zu bekommen. Er liest ein von einer Brasilianerin hochgehaltenes Plakat vor, die möchte, dass der 40-Jährige ihren größten Wunsch erfüllt. "Nun ja, wenn der ist, von mir ignoriert zu werden...", sagt er verschmitzt. Diese Art von netten Unverschämtheiten dürfen sich nur wenige heraus nehmen - Robbie Williams ist einer davon. Und er kann es nicht fassen, dass er die gleiche Frau wie schon in Amsterdam im Publikum sieht - erneut mit einem Konterfei von Garry Barlow. Der Take That-Sänger gilt als großer Intimfeind von Williams. "Wen liebst Du mehr? Prüfe es", gibt er ihr mit auf dem Weg und hofft, dass sie beim nächsten Gary Barlow-Konzert doch ein T-Shirt mit dem Kopf von Robbie Williams tragen möge. Dass auf Konzerten sich die Leute vor Lachen fast biegen, ist selten. Aber in Düsseldorf war es so. Nach zwei Stunden bester Unterhaltung war dann Schluss.

Setlist:

- Shine My Shoes

- Puttin’ On the Ritz

- Ain’t That a Kick in the Head

- Minnie the Moocher

- Swing Supreme

- No One Likes a Fat Pop Star

- That’s Amore

- Mr. Bojangles

- Ignition

- I Wan’na Be Like You

- High Hopes

- Swings Both Ways

Pause

- Soda Pop

- Medley (Trouble / Hit the Road / Reet Petite / Shout)

- If I Only Had a Brain

- Go Gentle

- Do Nothin’ Till You Hear From Me

- (Empire State of Mind) intor für New York New York

- Medley (Let Me Entertain You / / Millennium / Come Undone / Old Before I Die / Candy)

- Angels

- Sensational

Quelle: wa.de

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