Übersetztes Loveparade-Gutachten angezweifelt

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Kurz vor dem Drama: Dicht gedrängt stehen Raver in Duisburg auf der Loveparade nebeneinander.

DUISBURG - In den Ermittlungen zur Loveparade-Katastrophe haben Gutachten eine große Rolle gespielt. Bei der Prüfung der Anklage nehmen die Richter sie daher genau unter die Lupe: Jetzt klagen sie über Unstimmigkeiten der Übersetzung.

Im Verfahren um die Loveparade-Katastrophe von Duisburg haben die Richter Zweifel an der Qualität der Übersetzung eines zentralen Gutachtens.

In der deutschen Fassung des Berichts des britischen Sachverständigen sei die Kammer an einzelnen Stellen auf Unstimmigkeiten gestoßen, aus denen sich Zweifel an der Qualität der Übersetzung insgesamt ergeben würden, bestätigte ein Sprecher des Landgerichts Duisburg entsprechende Medienberichte.

Darin beklagte Richter Joachim Schwartz in einem Schreiben "teilweise fragwürdige, teilweise auch sinnverändernde Übersetzungen". In einem Fall fehle sogar der letzte Satz vollständig in der deutschen Übersetzung.

Die Staatsanwaltschaft sei um eine Stellungnahme gebeten worden, sagte der Gerichtssprecher. Es müsse nun geklärt werden, ob und in welchem Umfang die Übersetzung nachzubessern sei. Ob dies Verzögerungen im Verfahrensablauf zur Folge haben könnte, könne noch nicht beurteilt werden.

Anlässlich der Mahnwache zur Katastrophe der Duisburger Loveparade stehen 21 Kreuze mit den Namen der Opfer an der Rampe des Karl-Lehr-Tunnels in Duisburg.

Durch die Loveparade-Katastrophe waren am 24. Juli 2010 in Duisburg 21 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 500 verletzt worden.

Das Gericht prüft seit Februar die Zulassung der Anklage wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Beschuldigt sind zehn Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters.

Mit einer Entscheidung in diesem Jahr wird nicht mehr gerechnet. Die Verteidiger der Beschuldigten hatten in der Vergangenheit das Still-Gutachten in Inhalt und Form scharf angegriffen.

Dabei ging es auch um die mögliche Befangenheit einer Expertin für Sicherheitsmanagement und Großveranstaltungen. Die Frau hatte zeitweise für den Gutachter der Staatsanwaltschaft gearbeitet und war auch ehrenamtlich für das NRW-Innenministerium tätig.

Die Staatsanwaltschaft sieht jedoch keine Anhaltspunkte für einen Interessenkonflikt, weil sie zu keiner Zeit an der eigentlichen Gutachtenerstellung beteiligt gewesen sei. - dpa

Quelle: wa.de

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