Rheinische Kirche beschließt harten Sparkurs

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Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, eröffnete die Sondersynode.

HILDEN - Mit einem einschneidenden Sparkurs will sich die schrumpfende Evangelische Kirche im Rheinland zukunftsfest machen. Bisherige kirchliche Aufgaben kommen auf den Prüfstand. Eine Sondersynode beschloss am Samstag mit großer Mehrheit Haushaltskürzungen in Höhe von rund 20 Millionen Euro bis 2018.

Das entspricht gut einem Drittel (35 Prozent) der Ausgaben der zweitgrößten deutschen Landeskirche. Damit verschärfte die neue Kirchenleitung unter dem erst seit März amtierenden Präses Manfred Rekowski den bisher geplanten Sparkurs noch einmal drastisch.

Konkrete Maßnahmen sollen erst die regulären Synoden 2014 und 2015 beschließen. "Es wird ein Beratungsprozess ohne Tabus, alles einschließend", sagte Rekowski am Rande der Tagung in Hilden auf die Frage nach dem Fortbestand von kirchlichen Akademien oder Schulen. Es gebe "keine geheime Streichliste der Kirchenleitung", aber auch "an keiner Stelle Entwarnung", betonte er. "Wir werden nicht chirurgisch sparen." Schon jetzt schloss Rekowski betriebsbedingte Kündigungen auf landeskirchlicher Ebene nicht aus.

"Neben der Finanzkrise haben wir es auch mit einer Relevanzkrise zu tun", sagte Rekowski vor den mehr als 200 Synodalen. "Wir müssen lernen eine Kirche mit leichtem Gepäck und diasporafähig zu sein." Der verschärfte Sparkurs betrifft nur die Landeskirche, deren Haushaltsdefizit dieses Jahr bei fast 8 Millionen Euro liegt. Die 739 Gemeinden zwischen Saar und Niederrhein sind nicht unmittelbar betroffen. Bislang waren Kürzungen in Höhe von 8 Millionen Euro (15 Prozent) bis zum Jahr 2023 geplant.

Grund für die finanzielle Schieflage der Landeskirche ist unter anderem das sinkende Zinsniveau, das die Einkünfte aus den Rücklagen reduziert. Auch Belastungen durch einen Finanzskandal um das kircheneigene Unternehmen bbz schmälern die Rücklagen. Die Firma war durch riskante Anlagegeschäfte ins Taumeln geraten und musste mit rund 21 Millionen Euro gestützt werden. Als Risiko gilt zudem die milliardenschwere Unterdeckung der gemeinsamen Versorgungskasse für Pfarrer und Kirchenbeamte der rheinischen, westfälischen und lippischen Kirchen.

Auch eine Reduzierung der bisher sechs Abteilungen des Landeskirchenamts steht im Raum. Erwogen wird, bei der nächsten Synode noch keine neue Leitung für die theologische Abteilung zu wählen. Die bisherige Leiterin Petra Bosse-Huber ist zur neuen Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt worden.

Auch wenn die Kirchensteuereinnahmen wegen der guten Konjunktur in diesem Jahr wieder steigen, könne die Kirche keinesfalls von einer ungebrochenen Kontinuität der Einnahmen ausgehen, warnte Rekowski. Die Kirche erwartet in absehbarer Zeit sinkende Steuereinnahmen aufgrund des demografischen Wandels. Die Zahl der Austritte steigt. Die rheinische Kirche hat rund 2,7 Millionen Mitglieder - ein Drittel weniger als 1970. - lnw

Quelle: wa.de

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