Resistent gegen Gift: "Freak-Maus" in Hamm entdeckt

HAMM - Sie ist die Horrorvorstellung eines jeden Kammerjägers: Eine Maus, die gegen Nagergifte resistent ist. Wissenschaftler aus Deutschland und den USA haben solche „Freak-Mäuse“ nun bei einem Stamm der Westlichen Hausmaus in Hamm und Dortmund entdeckt.

Dort hatte ein Schädlingsbekämpfer in den Filialen einer Bäckerei vergeblich versucht, Mäuse mit dem bislang als hochwirksam geltenden Wirkstoff Difenacoum zu bekämpfen. „Wir haben immer mehr Köder ausgelegt, aber keine toten Mäuse gefunden“, erinnert sich Richard Kruczewski an die vergeblichen Fangversuche im Jahr 2006/07. Mit Lebendfallen rückte der Diplom-Biologe und Schädlingsbekämfer den widerspenstigen Nagern auf den Pelz und stellte die mit Blutverdünnern vollgestopften und trotzdem putzmuntern Tiere unter anderem der Bayer AG zur Verfügung.

Von dort gelangten sie an Rice University in Houston. Die Forscher um Michael Kohn untersuchten die Mäuse im Labor und stellten Erstaunliches fest: Durch eine Veränderung des Gens „vkorc1“ waren die Tiere nicht nur immun gegen diverse Antikoagulantien (Blutverdünner), sondern ihre Gensequenz war identisch mit derjenigen der Algerischen Maus (Mus spretus) – die in Deutschland aber gar nicht vorkommt.

Die Wissenschaftler gehen nun davon aus, das zwei Prozesse zu der Resistenz der Mäuse geführt haben: Zunächst haben sich offenbar die Gene der Algerischen Maus durch eine Mutation im Erbgut verändert. Die Tiere haben sich durch ihr Leben in der Wüste wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum hinweg an eine Vitamin-K-arme Ernährung angepasst. Das machte sie - zufällig – auch resistent gegen die Wirkstoffe der Schädlingsbekämpfer, denn Vitamin K ist bedeutend für die Blutgerinnung. Die beiden Mäusearten müssen sich anschließend in Regionen, in denen sie beide vorkommen – beispielsweise in Nordafrika oder Spanien – gekreuzt haben. Dabei wurde die Resistenz offenbar an die Westliche Hausmaus weitergegeben.

„Wir haben die Evolution auf frischer Tat ertappt“, berichtet Michael Kohn. Mit dem Transport von Getreide oder anderen Lebensmitteln sei der neue Mäusestamm dann wahrscheinlich nach Westfalen gekommen. Für die Schädlingsbekämofer bleibt die Situation trotzdem unbefriedigend. Derzeit gibt es nur noch drei Wirkstoffe gegen die Hausmaus. - dpa/fl

Quelle: wa.de

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