Remmel will zügige Lösung für gesperrte Siebengebirgs-Weinberge

KÖNIGSWINTER - Teile von Nordrhein-Westfalens einzigem Weinanbaugebiet sind wegen Steinschlags gesperrt. Wer die Sicherung des Felsens im Siebengebirge zahlt, ist unklar. Nun soll das Land in die Pflicht genommen werden.

Im Streit um die wegen Steinschlaggefahr gesperrten Weinberge im Siebengebirge will Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Grüne) zügig eine Lösung finden. Das berichtete der Vorsitzende des Verschönerungsvereins Siebengebirge (VVS), Hans Peter Lindlar, am Donnerstag nach einem Telefongespräch mit Remmel. Dabei werde es vermutlich um eine generelle Lösung des Problems gehen. Für die diesjährige Weinlese in den gesperrten Gebieten besteht so keine große Hoffnung mehr.

Die beiden betroffenen Winzer sehen keine Möglichkeit, die 600 000 Euro für einen Sicherungszaun aufzubringen. Der Verschönerungsverein Siebengebirge (VVS), Eigentümer des Siegfriedfelsens, von dem sich die Gesteinsbrocken lösen, machte am Donnerstag unter Verweis auf ein Rechtsgutachten noch einmal klar, dass er nicht zu kostspieligen Maßnahmen zur Verhinderung von Felsstürzen herangezogen werden kann. Allerdings hält er es für legitim, das Land mit einzubeziehen.

Die heutige Situation am Siegfriedfelsen sei die Folge der Flurbereinigung durch das Land in den 1970er Jahren, sagte Lindlar. Nach Einschätzung des VVS sei den geologischen Risiken im Siebengebirge damals zu wenig Bedeutung beigemessen worden.

In dem Rechtsgutachten, auf das sich der VVS bezieht, heißt es, der VVS als Besitzer der nach Rhöndorf geneigten Felslagen sei nicht der "Störer" im zivilrechtlichen Sinne für die direkt am Fuß der Felsen liegenden Weinberge. Wenn sich Teile vom Felsen lösten, so sei das ein Naturereignis, das nicht vom Eigentümer beeinflusst worden sei.

Lindlar sicherte zu, der VVS werde weiterhin alles tun, um die Existenz der Winzerbetriebe und die Zukunft des Weinbaus am Drachenfels gemeinsam mit allen Beteiligten zu erhalten. Die Weinberge seien bestimmende Landschaftselemente des Siebengebirges. Dadurch und durch ihre die Menschen erfreuenden Produkte seien sie unverzichtbar für die Attraktivität der Region als Fremdenverkehrsziel.

Nach Aussagen von Experten müssen spätestens mit Beginn des Rebenaustriebs im nächsten Frühjahr zwei Fragen beantwortet sein: Welche Rebflächen können künftig weiter bewirtschaftet werden und welche müssen möglicherweise als Felssturzraum für die endgültigen Sicherungsmaßnahmen gerodet werden. Denn unbearbeitete Weinbergflächen sind unkontrollierbare Keimzellen tierischer und pflanzlicher Schädlinge alle umgebenden Anbauareale.

Die Weinlese im Siebengebirge verzögert sich in diesem Jahr wegen der späten Blüte um gut zwei Wochen. Die ersten Trauben würden Ende des Monats und der Riesling erst ab Mitte Oktober geerntet, sagte Felix Pieper, Juniorchef des Weingutes Pieper. Die Chancen, in der verbleibenden Zeit noch öffentliche Mittel zur Finanzierung eines Auffangzauns zu bewilligen und den Zaun zu montieren, werden von Experten gering eingeschätzt. - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

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